Riesiger Anstieg: Bundespolizei in Pirna zählt 13.000 illegale Einreisen

Seit September 2015 wurden die Grenzkontrollen in Sachsen verstärkt.
Seit September 2015 wurden die Grenzkontrollen in Sachsen verstärkt.

Von Anneke Müller

Dresden/Pirna - Das vergangene Jahr stellte die Bundespolizei vor große Herausforderungen. Über Migration und Schleuserkriminalität, aber auch über drohende Anschläge, randalierende Fußballfans und die Personalsituation sprach die Morgenpost exklusiv mit Jörg Baumbach (58), Präsident der Bundespolizei-Direktion Pirna.

Rund 13.000 unerlaubte Einreisen stellte die Bundespolizei im Direktionsbereich Pirna 2015 fest, 2014 waren es nur 3293 gewesen. „Migration, in Verbindung mit Schleuserkriminalität sowie die Gefährdung durch mögliche Anschläge waren große Herausforderungen“, so Baumbach.

Wie das Jahr 2016 aussehen wird, ist noch nicht absehbar, doch so viel ist sicher: „Derzeit gibt es zwar einen Trend, dass die Zahlen zurückgehen, doch sie sind immer noch hoch genug. Von einer normalen Lage kann nicht die Rede sein.“

Der Bundespolizei-Präsident Jörg Baumbach mit Redakteurin Anneke Müller im Gespräch.
Der Bundespolizei-Präsident Jörg Baumbach mit Redakteurin Anneke Müller im Gespräch.

Der gebürtige Braunschweiger, der seit August 2014 Bundespolizei-Präsident in Pirna ist und zuvor sechs Jahre lang die Abteilung für Kriminalitätsbekämpfung in Potsdam leitete, weiß wovon er spricht: „Nach wie vor zieht es viele Menschen nach Europa, besonders nach Deutschland, die Schleuser schlagen daraus Kapital.“

In dieser Woche fällt bei der EU die Entscheidung, ob die Grenzkontrollen für weitere sechs Monate verlängert werden. Baumbach wünscht zwar keine „Abschottung“, aber „Flexibilität“, die temporäre und punktuelle Kontrollen ermöglicht. Doch auch innerhalb der Grenzen hat die Bundespolizei viel zu tun: Vandalismus in den Zügen der Deutschen Bahn „passiert einfach zu oft“, sagt Baumbach. „Das sind reisende Gewalttäter.“

Bei aller Herausforderung gibt es auch Positives: Bis 2019 werden bundesweit 3000 Bundespolizisten ausgebildet, die laut Baumbach „dringend erforderlich“ sind. Zufrieden zeigt sich der Präsident außerdem über die Kooperationen mit den Nachbarn Polen und Tschechien. Sein größter Wunsch für 2016: „Ich wünsche mir, dass die schlimmsten Annahmen nur Annahmen bleiben."

Auch am Grenzübergang in Petrovice stehen immer wieder mobile Kontrolleinheiten der Bundespolizei.
Auch am Grenzübergang in Petrovice stehen immer wieder mobile Kontrolleinheiten der Bundespolizei.

Fotos: Thomas Türpe


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