"Einsam Zweisam" mit herzzerreißender Geschichte um Einsamkeit in der Großstadt!

Deutschland - Exzellent! Das französische Drama "Einsam Zweisam" läuft ab dem 19. Dezember in den deutschen Kinos und behandelt das Thema Einsamkeit in der Großstadt.

Remy (l., Francois Civil) wird nach einem Schwächeanfall zum Psychologen J. B. Meyer (Francois Berleand) geschickt.
Remy (l., Francois Civil) wird nach einem Schwächeanfall zum Psychologen J. B. Meyer (Francois Berleand) geschickt.  © PR/ Emmanuelle Jacobson-Roques - Ce qui me meut

Alles beginnt mit einer Bahnfahrt durch Paris. Im Waggon sitzen Remy (Francois Civil) und Melanie (Ana Girardot), in deren Gesichtern keinerlei Lebensfreude zu finden ist.

Obwohl die beiden direkte Nachbarn sind, kennen sie einander nicht und beachten sich deshalb auf der Straße oder im Zug nicht.

Stattdessen schleppen die zwei sich gedankenverloren von der Arbeit nach Hause. Sie wohnen direkt an den Gleisen, der Lärm ist für Remy und Melanie Alltag.

Sie wohnen Wand an Wand, können sich durch die Bauweise ihrer Häuser aber nicht sehen. Eine weitere Gemeinsamkeit: Beide haben eine Vielzahl von Problemen, die sie mit sich herumschleppen.

Remy wird auf der Arbeit von Maschinen ersetzt, soll aber eine Beförderung bekommen, die er sich allerdings selbst durch ein schlecht verlaufendes Gespräch mit seinem Vorgesetzten versaut.

Das alles ist zu viel für ihn, er kippt in der U-Bahn um und wird vom Arzt zu einem Psychotherapeuten geschickt. J. B. Meyer (Francois Berleand) steht kurz vor seiner Pension, will dem antriebslosen Patienten aber helfen.

Er soll rausgehen, Dates haben und das Leben endlich genießen! Gleiches bekommt Melanie gesagt, die ebenfalls eine schlechte Phase hat und zu einer Psychologin (Camille Cottin) geht. Beide plagt der fehlende soziale Kontakt und Anonymität der Großstadt.

Das Zusammenspiel von Francois Civil und Ana Girardot in "Einsam Zweisam" überzeugt

Auch Melanie (r., Ana Girardot) geht zu einer Psychologin (Camille Cottin), um über ihre Probleme zu sprechen.
Auch Melanie (r., Ana Girardot) geht zu einer Psychologin (Camille Cottin), um über ihre Probleme zu sprechen.  © PR/ Emmanuelle Jacobson-Roques - Ce qui me meut

Diese bewegende Geschichte hat Klapisch großartig umgesetzt. In seinem ruhig, aber dennoch fesselnd erzählten Melodram kommt man den Protagonisten sehr nahe, weil sie eine nachvollziehbare Hintergrundgeschichte spendiert bekommen haben.

Anfangs rätselt man noch, warum Remy und Melanie so unglücklich sind. Doch am Ende ergibt sich ein schlüssiges Gesamtbild, durch das man ihre Handlungen verstehen kann.

Dank des tiefschürfenden Drehbuchs ist die Charakterdarstellung und -entwicklung glaubwürdig, was auch am großartigen Zusammenspiel von Civil ("So wie du mich willst") und Girardot ("Docteur Knock - Ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen") liegt, die bereits in Klapischs letztem Film "Der Wein und der Wind" gemeinsam vor der Kamera standen. Auch hier sorgen sie für herzzerreißende Momente.

Deshalb ist klar: Wer gerne ein Drama mit Substanz und einer aktuellen Geschichte sehen will, ist hier genau richtig!

Denn selbst Nebenfiguren wie die Psychologen, die in anderen Filmen nur reine Staffage wären, haben eigene, aufklärende Szenen spendiert bekommen, in denen ihre Charaktere und deren Beweggründe beleuchtet werden.

Simon Abkarian sorgt in "Einsam Zweisam" für viele Lacher

Der charmante und zugleich gerissene Ladenbesitzer Mansour (r., Simon Abkarian) sorgt für viele Lacher. Hier dreht er Remy (Francois Civil) teurere Lebensmittel an.
Der charmante und zugleich gerissene Ladenbesitzer Mansour (r., Simon Abkarian) sorgt für viele Lacher. Hier dreht er Remy (Francois Civil) teurere Lebensmittel an.  © PR/ Emmanuelle Jacobson-Roques - Ce qui me meut

Außerdem überzeugt der amüsante Humor, für den vor allem Simon Abkarian ("James Bond - Casino Royale", "Machtlos", "Operation Duval - Das Geheimprotokoll") als charmant-gerissener Ladenbesitzer verantwortlich ist, wenn er Remy und Melanie teurere Lebensmittel andreht.

Doch er hat das Herz am rechten Fleck und sorgt immer wieder dafür, dass der triste Alltag der beiden durchbrochen wird.

Bei all diesen Stärken hat "Einsam Zweisam" aber auch kleinere Schwächen. So gibt es während der 110 Minuten Laufzeit die ein oder andere kleine Länge, weil stellenweise etwas zu wenig passiert. Dazu ist das Drama vorhersehbar, weil schon kurz nach Beginn klar ist, was am Ende passiert.

Darüber lässt sich allerdings hinwegsehen, weil die Geschichte ansonsten zu gut erzählt - und die Thematik zu interessant ist. Der Film überzeugt durch seine Art der Herangehensweise zudem als spannende Milieustudie.

Auch die ruhige Kameraführung, die detailreichen Locations, die stimmige Musikuntermalung und die authentischen Kostüme sind positive Aspekte des Films.

Deshalb ist "Einsam Zweisam" ein tiefschürfendes Drama rund um das Thema Einsamkeit geworden, das durch seine starken Schauspieler und seine aus dem Leben gegriffene Geschichte fasziniert. Da trübt auch die ein oder andere Länge den intelligenten Filmspaß nicht. Eine großartige Milieu- und Charakterstudie!

Melanie (Ana Girardot) leidet unter ihrer Einsamkeit und der Anonymität in einer Großstadt wie Paris.
Melanie (Ana Girardot) leidet unter ihrer Einsamkeit und der Anonymität in einer Großstadt wie Paris.  © PR/ Emmanuelle Jacobson-Roques - Ce qui me meut

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