Wer ist schuld am Niedergang des Leipziger Journalistik-Studienganges?

Das Journalistik-Studium an der Uni Leipzig hat in den vergangenen Jahren an Attraktivität eingebüßt.
Das Journalistik-Studium an der Uni Leipzig hat in den vergangenen Jahren an Attraktivität eingebüßt.  © DPA

Leipzig - Diese Nachricht hat den Medienstandort Leipzig böse überrascht: Die Universität nimmt in diesem Jahr keine neuen Journalistik-Studenten auf.

Am vergangenen Dienstag verkündete der zuständige Fachbereich Sozialwissenschaften und Philosophie den Einschreibestopp. Demnach soll der Journalistik-Master bis 2018 grundlegend reformiert werden.

Dabei handelt es sich nicht um irgendeine Journalisten-Ausbildung. Noch vor zehn Jahren war der Studiengang branchenweit hoch angesehen. In einer Befragung von 240 Chefredakteuren sei die Leipziger Ausbildung als beste in Deutschland genannt worden, hieß es damals.

Seitdem ist viel Zeit vergangen und zuletzt ließ das Interesse deutlich nach. 2014 bewarben sich noch 251 Interessenten um einen der 30 Studienplätze, zuletzt waren es nur noch 127.

Die Attraktivität sei gesunken, stellt Uni-Sprecher Carsten Heckmann fest.

Journalistik-Professor Machill beklagt sich darüber, dass Universität und Fakultät seinen Bereich kaputtgespart hätten.
Journalistik-Professor Machill beklagt sich darüber, dass Universität und Fakultät seinen Bereich kaputtgespart hätten.  © DPA

Über die Gründe für den Niedergang der Journalistik an der Uni Leipzig wird gestritten. Universität und Fakultät hätten sie in den vergangenen Jahren langsam, aber sicher kaputtgespart, sagt der Professor und Abteilungsleiter Marcel Machill.

"Die Journalistik hatte mal eine Ausstattung von drei Hochschullehrern und 6,5 Mitarbeitern. Jetzt sind wir bei einem Professor, einem Junior-Professor und zweieinhalb Mitarbeitern. Mit einer solchen Ausstattung kann man keinen Masterstudiengang fahren", beklagt sich Machill.

Schon vor zwei Jahren habe er das Dekanat auf die Mängel hingewiesen. Außerdem hätten die Institutsmitarbeiter ein Reformmodell vorgelegt, das aber nicht weiter verfolgt worden sei. Ähnlich sieht es der 2010 emeritierte Professor Michael Haller, der den Bereich nach dem Mauerfall maßgeblich prägte.

Er sagt, der Umbau vom Diplom- auf den Masterstudiengang sei nicht gut gelungen. Zudem sei sein Weggang dazu benutzt worden, die personelle Ausstattung zu reduzieren. Nach Hallers Abschied blieb nur noch Marcel Machill als einziger Professor übrig. Doch auch die Studiengangsleitung sei mitverantwortlich.

Im zuständigen Fachbereich Sozialwissenschaften und Philosophie will man von Schuldzuweisungen nichts wissen. Stattdessen hat der Fakultätsrat eine Reformkommission eingesetzt, die am 10. Mai mit ihrer Arbeit beginnen soll. Ein Dutzend Beteiligte von der Uni und aus der Medienbranche sollen die Leipziger Journalistik neu erfinden - innerhalb eines Jahres. Ein "sportlicher" Zeitplan, wie auch Uni-Sprecher Heckmann findet.

Die Erwartungen sind hoch. So forderte der Deutsche-Journalisten-Verband (DJV) die Uni auf, "die traditionsreiche Journalistik-Ausbildung endlich wieder auf das hohe Niveau zu bringen, für das die Ausbildung an der Universität Leipzig einmal stand".

Nun ruhen alle Hoffnungen darauf, dass die Uni zum Wintersemester 2018 wieder neue Journalistik-Studenten aufnimmt.


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