Asylheim Einsiedel: Jetzt wollen die ersten Anwohner klagen

Sandro Gerth (43) ist fassungslos - ein Gutachter bezeichnete die Anlage als feuerbeständig.
Sandro Gerth (43) ist fassungslos - ein Gutachter bezeichnete die Anlage als feuerbeständig.

Von Ronny Licht

Chemnitz. Der Stadtteil Einsiedel kommt nicht zur Ruhe. Nach der Bürgerversammlung und Demonstration mit rund 1400 Einwohnern (MOPO24 berichtete) kommen neue Vorwürfe ans Licht.

Erste Anwohner erwägen Klagen. Zankapfel ist die Baugenehmigung. Die wurde vor knapp einer Woche vom Vermieter des Geländes beantragt. Doch was ist der Antrag wert?

Anwohner Sandro Gerth (43), Chef des Sicherheitsdienstes „Argus“, sitzt kopfschüttelnd vor dem Schreiben des Brandschutz-Gutachters Mathias Jekosch, welches für die Genehmigung erstellt wurde: „Man könnte denken, der Mann wäre gar nicht hier gewesen.“

Jekosch beteuert: „Ich war am 4. September 2015 vor Ort.“

Bei der Bürgerversammlung informierte die Landesdirektion Sachsen über das geplante Asylheim.
Bei der Bürgerversammlung informierte die Landesdirektion Sachsen über das geplante Asylheim.

Das wird unter anderem kritisiert: Die Geländegrenzen werden als unbebaut beschrieben - südlich stehen aber zwei Mehrfamilienhäuser direkt am Zaun.

Der Gutachter beschreibt die schmalste Stelle der Zufahrtsstraße mit 4,90 Meter - Anwohner haben 4,10 Meter nachgemessen. Außerdem werden die Häuser als feuerbeständig bezeichnet - obwohl sie von außen und die Mensa sogar von innen komplett mit Holz vertäfelt sind.

Gutachter Jekosch zu MOPO24: „Das ist nicht relevant.“ Die Stadt Chemnitz will jetzt laut Baubürgermeister Michael Stötzer (43, parteilos) einen eigenen Gutachter einsetzen. Erst dann stehe fest, was alles umgebaut und sicherer gemacht werden muss.

Für den Vermieter könnte der Umbau teuer werden. Trotzdem will die Landesdirektion das Gelände vermutlich schon ab heute zur Unterbringung nutzen - die juristische Lücke dafür nennt sich „Notlage“.

Sicherheitsmann Gerth: „Sobald hier Menschen ohne Genehmigung untergebracht werden, gehen wir strafrechtlich dagegen vor. Wir klagen.“

Hier sollen - trotz großer Mängel - Flüchtlinge einziehen.
Hier sollen - trotz großer Mängel - Flüchtlinge einziehen.

Fotos: Uwe Meinhold, dpa


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