Einst von Nazis entfernt: Thüringer Kirche hängt Bibelsprüche wieder auf

Eisenach - Zwölf während der NS-Zeit aus der evangelischen Georgenkirche Eisenach entfernte Bibelworte sind wieder in dem Gotteshaus zu finden.

In der Georgenkirche in Eisenach wurden die Sprüche wieder aufgehangen.
In der Georgenkirche in Eisenach wurden die Sprüche wieder aufgehangen.  © DPA

Die auf Leinwand gedruckten und in Aluminiumrahmen gespannten Verse wurden am Samstag in der Kirche, in der einst der spätere Kirchenreformator Martin Luther als junger Lateinschüler im Chor sang, feierlich enthüllt.

Die Bibelsprüche überwiegend aus dem Alten Testament waren nach Angaben der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland 1940 von den Kirchenemporen entfernt worden. Die Kosten von etwa 6000 Euro seien von der Kirchengemeinde und aus Spenden aufgebracht worden, sagte der Eisenacher Pfarrer Stephan Köhler.

Eisenach war während des Nationalsozialismus Sitz des "Instituts zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben", das Bezüge zum Judentum aus evangelischen Schriften und dem Glaubensalltag tilgte. Das Alte Testament erzählt die Geschichte des Volkes Israel. In der Georgenkirche wurden auch Zitate aus dem Neuen Testament entfernt und Kirchenbilder teilweise deutlich übermalt.

Darauf gestoßen war die Kirchengemeinde im Jahr 2011, wie Köhler sagte. Bei Voruntersuchungen für eine Renovierung sei ein Briefwechsel zwischen dem 1940 tätigen Oberpfarrer und einem mit der Entfernung beauftragten Malermeister gefunden worden. "Beigelegt war eine Liste mit allen Bibelsprüchen, die getilgt werden sollten."

Das vor 80 Jahren von elf evangelischen Landeskirchen gegründete "Entjudungsinstitut" bestand bis 1945. Mit seinem Wirken setzt sich derzeit eine Ausstellung im Lutherhaus Eisenach auseinander. Martin Luther (1483-1546) hatte auch judenfeindliche Schriften verfasst.

In einer Ausstellung im Lutherhaus werden die Folgen des "Entjudungsinstituts" dokumentiert.
In einer Ausstellung im Lutherhaus werden die Folgen des "Entjudungsinstituts" dokumentiert.  © DPA

Titelfoto: DPA

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