"Festtags-Kicker" vom Main: Die zwei Gesichter von Eintracht Frankfurt

Frankfurt am Main - In den Pokal-Wettbewerben glänzt Eintracht Frankfurt regelmäßig - und seit Jahren. Danach sieht es auch diese Saison wieder aus. Ganz anders zeigen sich die Frankfurter zurzeit im eher tristen Liga-Alltag. Coach Adi Hütter kann sich die verschiedenen Gesichter seines Teams nicht erklären.

So nah liegen Freude und Leid beieinander: Daichi Kamada (r.) freut sich über seinen Dreierpack beim 4:1 über Salzburg, während Goncalo Paciencia nach dem 1:2 gegen Union die Welt nicht mehr versteht.
So nah liegen Freude und Leid beieinander: Daichi Kamada (r.) freut sich über seinen Dreierpack beim 4:1 über Salzburg, während Goncalo Paciencia nach dem 1:2 gegen Union die Welt nicht mehr versteht.  © Bild-Montage: dpa/Uwe Anspach, dpa/Arne Dedert

Nach großen Siegen macht Fredi Bobic gerne mal einen Scherz. Als sein Team jüngst Titelkandidat RB Leipzig mit 2:0 düpierte (TAG24 berichtete), sagte der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt: "Vielleicht sollten wir in einer eigenen Liga spielen und sagen: Wir spielen nur noch gegen diese Mannschaften. So eine Art Super League in der Bundesliga."

In dieser eigenen Liga bliebe den Hessen immerhin eines erspart, was ihnen in dieser Bundesliga-Saison immer wieder passiert: Pleiten gegen vermeintliche Außenseiter wie nun gegen den frechen Aufsteiger Union Berlin, der mit 2:1 bei der Eintracht gewann (TAG24 berichtete).

Unmittelbar vor dem wichtigen Europa-League-Rückrundenspiel bei Red Bull Salzburg am Donnerstag (21 Uhr) gibt das Team von Trainer Adi Hütter ein sehr rätselhaftes Bild ab: Auf Festtage wie beim 4:1 im Salzburg-Hinspiel, bei zwei Siegen gegen Leipzig und beim rauschenden 5:1 über den FC Bayern folgen in merkwürdiger Regelmäßigkeit Ausrutscher gegen Union, Paderborn, Köln oder Mainz. "Wir sind nicht so weit, wie ich mir das vorstelle", mahnte Hütter.

Eintracht Frankfurt schon acht Punkte Rückstand auf die internationalen Ränge

"Eine bittere Niederlage, die mich sehr, sehr stört", sagte Eintracht-Trainer Hütter nach der 1:2-Heimniederlage gegen Union Berlin (Archivbild).
"Eine bittere Niederlage, die mich sehr, sehr stört", sagte Eintracht-Trainer Hütter nach der 1:2-Heimniederlage gegen Union Berlin (Archivbild).  © dpa/Friso Gentsch

Der Österreicher sah den Hinspiel-Auftritt gegen Salzburg als "beste Saisonleistung" und hätte sich gewünscht, eine solche Leistung erneut zu sehen.

Stattdessen passte sich sein Team leistungsmäßig dem Montags-Boykott der Fans an, für Hütter war das 1:2 "eine bittere Niederlage, die mich sehr, sehr stört".

Sebastian Andersson und ein Eigentor von Evan N'Dicka bereiteten den Weg für Frankfurts erste Heimniederlage 2020, ein weiteres Eigentor von Unions Florian Hübner kam zu spät.

Die Frankfurter wirken in diesem Winter ein wenig wie Festtags-Kicker, die sich für große Abende stets motivieren können und im Alltags-Geschäft viele machbare Punkte liegen lassen. Die Anmerkung zur hypothetischen Super League von Bobic war - spaßig gemeint hin oder her - daher nicht ganz unpassend.

Doch der vermeintliche Fokus auf die Pokale, den Hütter schon am Sonntag mit einem vehementen Plädoyer für die Bundesliga als zentralen Wettbewerb dementierte, ist nicht ungefährlich. In der Liga beträgt der Abstand auf die internationalen Ränge schon acht Zähler.

Fredi Bobic: "Es gibt keine Ausreden"

Fredi Bobic hat sich vor der Reise nach Salzburg noch einmal mit einem Appell an die Mannschaft gerichtet (Archivbild).
Fredi Bobic hat sich vor der Reise nach Salzburg noch einmal mit einem Appell an die Mannschaft gerichtet (Archivbild).  © dpa/Uwe Anspach

Um die Sehnsucht Europa, die sich in den vergangenen eineinhalb Jahren bei Fans und Verein noch stärker ausgebreitet hat, auch in der kommenden Saison zu stillen, muss entweder eine rasante Aufholjagd her.

Oder eben ein Titel in der Europa League oder im DFB-Pokal, wo der Club mit arrivierten Top-Vereinen wie Manchester United, Inter Mailand oder Meister Bayern konkurriert.

Vor der Salzburg-Reise richtete Bobic nun noch einmal einen Appell an die Mannschaft. "Es sind knackige Wochen. Aber wenn die Jungs große Träume und Ziele haben, dann macht ihnen das nichts aus. Es gibt keine Ausreden. Wir wollten das immer so!", sagte der frühere Torjäger.

Routinier Makoto Hasebe hat schon viel gesehen, er bringt die Malaise daher treffend auf den Punkt: "Ein Spiel überragend, dann wieder wie heute – das ist unser Problem."

Titelfoto: Bild-Montage: dpa/Uwe Anspach, dpa/Arne Dedert

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