Eintracht im Trainingslager: So will Adi Hütter die Krise bewältigen

Frankfurt am Main - Das Gepäck von Eintracht Frankfurt beim Start in das Wintertrainingslager in Florida war schwer. Neben Trikots, Fußballschuhen und anderen Utensilien für Training und Testspiele bis zum 10. Januar kam am Donnerstag beim Abflug in die USA die Last der Krise beim Fußball-Bundesligisten erschwerend hinzu.

"Die Jungs müssen geistig wieder frisch werden", sagt Adi Hütter über seine Spieler.
"Die Jungs müssen geistig wieder frisch werden", sagt Adi Hütter über seine Spieler.  © dpa/Friso Gentsch

Besonders im Fokus steht dabei Cheftrainer Adi Hütter. Er steht seit seinem Fehlstart am Anfang seines Engagements im Sommer 2018 nun vor der größten Herausforderung seiner Amtszeit.

"Sicher ist es die unangenehmste Zeit, seit ich hier bin. Das muss man klar sagen", gab der 49 Jahre alte Österreicher vor Weihnachten zu.

Seit dem 5:1 am 2. November gegen den FC Bayern rutschten die Hessen bis auf Rang 13 und drei Punkte an den Relegationsplatz heran.

In Amerika geht es deshalb nicht in erster Linie um körperliche Ertüchtigung, sondern die mentale Kraft und die Stärkung des Selbstbewusstseins.

"Die Jungs müssen geistig wieder frisch werden", lautete Hütters Vorhaben im US-Sonnenstaat: "Auch, wenn es schwer wird, es ist interessant, den ganzen Bock wieder umzustoßen."

In seiner Karriere als Trainer ging es bisher nur aufwärts, auch dank teils ungewöhnlichen Motivationskünsten und -strategien. Von denen gab Hütter bei der Vorstellung seines vor Weihnachten erschienenen Buches "Teamgeist - Wie man ein Meisterteam entwickelt" einiges preis.

Sie sollen mit geholfen haben, dass er als Trainer mit dem SV Grödig 2013 in die erste österreichische Bundesliga aufstieg, mit RB Salzburg 2015 das Double schaffte und mit den Young Boys Bern 2018 nach 32 Jahren den Schweizer Meistertitel gewann.

Fredi Bobic: "Wir müssen den Kampf annehmen"

Vor dem Start in die Rückrunde plant Sportvorstand Fredi Bobic, den Eintracht-Kader noch einmal zu verstärken.
Vor dem Start in die Rückrunde plant Sportvorstand Fredi Bobic, den Eintracht-Kader noch einmal zu verstärken.  © dpa/Uwe Anspach

In Bern hatte Hütter die Idee, dass jeder Spieler ein Bild zeichnen sollte, wie er sich den Tag des Titelgewinns vorstellen würde.

Jeder musste das Bild danach in einer Klarsichtfolie in seinen Spind hängen. "Ich wollte sie damit emotional noch einmal packen", berichtete der Coach.

Hütter hat bewiesen, dass er Titel holen kann. Und in der vergangenen Saison führte er die Frankfurter ins Halbfinale der Europa League. Aber kann er auch Abstiegskampf?

"Es ist nicht gut, wenn man zu viel Aktionismus betreibt", meinte Hütter. "Im Endeffekt ist es wichtig, Ruhe, Geduld und Vertrauen in die eigenen Stärken zu haben, positiv untereinander zu kommunizieren und dass man an das glaubt, was man macht."

Dies wolle er den Eintracht-Profis auch in individuellen Gesprächen in den USA bewusst machen. Ob sie auch Bilder von dem Tag zeichnen sollen, an dem die Krise bewältigt ist, offenbarte er nicht. Den Trainer sieht er jedoch im Erfolgs- oder Problemfall in zentraler Rolle: "Führe die Spieler, zeige ihnen den Weg und sie werden dich ans Ziel tragen."

Um den DFB-Pokalsieger von 2018 in der Bundesliga wieder auf Erfolgskurs sowie im Pokal und in der Europa League in die nächsten Runden zu bringen, bleiben nur sieben Trainingstage in den USA und insgesamt 16 Tage bis zum ersten Pflichtspiel am 18. Januar bei der TSG 1899 Hoffenheim. "Wir müssen den Kampf annehmen", forderte Sportvorstand Fredi Bobic.

Ragnar Ache und Ante Rebic sind ein Thema

Ohne "total aktionistisch zu handeln", wird Bobic wohl für neue Spieler in der Winterpause sorgen.

Im Gespräch ist Stürmertalent und U21-Nationalspieler Ragnar Ache (21) von Sparta Rotterdam, der womöglich aber erst im Sommer kommen wird. Zudem halten sich die Spekulationen über eine Rückhol-Aktion des an den AC Mailand ausgeliehenen Ante Rebic.

Abgesehen von neuem Personal hofft Hütter auf die Rückkehr von zuletzt fehlenden Spielern, wie den lange verletzten Nationaltorwart Kevin Trapp und den gesperrten Kapitän David Abraham.

"Wenn wir komplett sind, bin ich überzeugt, dass wir wieder andere Leistungen bringen werden", prophezeite Hütter.

Hartnäckig halten sich die Gerüchte um eine Rückhol-Aktion des an den AC Mailand ausgeliehenen Ante Rebic.
Hartnäckig halten sich die Gerüchte um eine Rückhol-Aktion des an den AC Mailand ausgeliehenen Ante Rebic.  © DPA/Arne Dedert

Titelfoto: dpa/Friso Gentsch

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