Fulminante Rückkehr nach Europa: Eintracht schießt Lazio ab und ist Tabellenführer

Frankfurt - Endlich war es so weit: Die Europa League war zurück im Herzen von Europa. Erstmals seit Februar 2014 sahen die Fans von Eintracht Frankfurt ihre Adler wieder auf internationalem Parkett. Der Gegner, niemand Geringeres als der italienische Top-Klub Lazio Rom.

Filip Kostic erzielte die 2:1-Führung für die Eintracht.
Filip Kostic erzielte die 2:1-Führung für die Eintracht.  © dpa/Thomas Frey

Und gegen diesen zeigten die Frankfurter fulminanten Fußball, der letztlich einen 4:1 (2:1)-Sieg mit sich brachte. Damit stehen die Hessen auf Rang eins der Gruppe H. Die Tore erzielten Danny da Costa (4.), Marco Parolo (23.), Filip Kostic (28.), Luka Jovic (52.) und nochmal da Coasta (90.+4).

Die Commerzbank Arena am Frankfurter Stadtwald präsentierte sich gut gefüllt, selbst ein Restkarten-Kontingent von 1000 Karten war in nullkommanichts vergriffen. Somit sahen 47.000 Zuschauer (ausverkauft) die Rückkehr der Adlerträger nach Europa.

Die Partie der beiden Sieger des ersten Spieltages stand bereits im Vorfeld unter verschärfter Beachtung der Polizei, hatte man doch im letzten Moment ein gewaltsames Aufeinandertreffen zweier Fan-Gruppen verhindern können. Doch während des Spiels blieb es glücklicherweise friedlich.

Bei seiner Startelf bewegte sich Chef-Trainer Adi Hütter zwischen Rotation und Personalnot. Kapitän David Abraham fehlte verletzt (Adduktorenprobleme), Jetro Willems war aufgrund seiner Gelb-Roten Karte in Marseille gesperrt. Darüber hinaus rotierten Evan N'Dicka, Ante Rebic, Allan Souza aus der ersten Elf und machten Platz für Simon Falette, Jovic und Mijat Gacinovic.

Doch bevor es losging wurde es nochmal emotional. Denn Pokal-Held Kevin-Prince Boateng wohnte der Partie als Gast bei und wurde von seinen ehemaligen Fans und Sportvorstand Fredi Bobic unter frenetischem Jubel offiziell verabschiedet.

Ex-Eintrachtler Kevin-Prince Boateng (Li.) wurde vor der Partie offiziell von Sportvorstand Fredi Bobic verabschiedet.
Ex-Eintrachtler Kevin-Prince Boateng (Li.) wurde vor der Partie offiziell von Sportvorstand Fredi Bobic verabschiedet.  © bild pressehaus

Unter dem ohrenbetäubenden Lärm der Nordwest-Kurve pfiff Schiedsrichter Serdar Gözübüyük dann aber endlich an. Und der trieb die Adlerträger scheinbar unheimlich an. Schon nach rund 210 Sekunden zappelte der Ball im Netz. Eine Ecke von Jonathan de Guzman schlug da Costa per Volley in die Maschen - 1:0 (4.).

Und auch danach ging es schwungvoll weiter, jedoch verstärkt auf das Tor von SGE-Keeper Kevin Trapp, der gegen Lucas Leiva (8.) und Ciro Immobile (10.) gleich zwei Mal all sein Können aufbieten musste.

Dann wurde es wild: Nach vermeintlichem Foul der Gäste in der eigenen Hälfte folgte der Konter zum 1:1-Ausgleich durch Marco Parolo (23.). Trapp sah im Anschluss wegen heftiger Proteste den gelben Karton.

Den Platzherren machte das aber nur wenig aus. In der 28. Spielminute fand Gacinovic mit seinem Zuspiel von der Kante des Fünfmeter-Raums den im Rückraum völlig blank stehenden Kostic, der zur erneuten Führung einschob - und sofort mutierte das Stadion wieder zum Hexenkessel. Für das letzte Highlight sorgte Lazios Dusan Basta, der nach taktischen Foul seine zweite Gelbe sah und quasi mit dem Pausenpfiff vom Platz flog (45.+3).

Einigen "Fans" stieg die Stimmung wohl zu Kopf. Schon wieder wurde in Frankfurt mit Pyrotechnik gezündelt.
Einigen "Fans" stieg die Stimmung wohl zu Kopf. Schon wieder wurde in Frankfurt mit Pyrotechnik gezündelt.  © dpa/Thomas Frey

Unschöne Szenen dann zu Beginn von Halbzeit zwei. Die Frankfurter Ultras zückten ihr Banner und entfachten Pyrotechnik.

Auf dem Platz nutzte die SGE die zahlenmäßige Überlegenheit umgehend mit einem schönen Konter aus. Doch Jovics Flachschuss strich knapp am Pfosten vorbei (49.). Doch nur kurze Zeit später klappte es besser. Wieder ein Konter über Sebastien Haller, der Jovic bediente, der dann gefühlvoll über Lazio-Keeper Silvio Proto lupfte - 3:1 (52.).

Von den Römern kam hingegen nur noch destruktives: Nach einem Frustfoul an de Guzman sah Joaquín Correa glatt rot (58.), von da an ging es mit elf gegen neun weiter. Und noch hatte die Eintracht wohl nicht genug, denn mit Rebic kam für Jovic ein frischer Stürmer (67.).

Im Hinblick auf Großchancen wurde es dann zunächst ruhiger, da sich die Eintracht verstärkt auf die Spielkontrolle besann. Stattdessen wurde der nächste Torschütze, Kostic, unter gellendem Beifall verabschiedet und von Taleb Tawatha ersetzt (78.).

Das 4:1 hatte Haller in der 85. Minute auf dem Fuß oder besser auf der Hacke. Doch aus sechs Metern überraschte er Proto damit nicht. Überraschender war dagegen der Kurz-Auftritt vom zuvor aussortierten Marc Stendera, der de Guzman ersetzte (87.). Und der magische internationale Abend wurde von dem 4:1 durch den zweiten Treffer von da Costa endgültig gekrönt (90.+4).

Nach der Europapokal-Euphorie wartet auf die Eintracht nun wieder das Liga-Leben. Am Sonntag (7. Oktober/15.30 Uhr) geht es bei der TSG 1899 Hoffenheim an den Start.

Titelfoto: dpa/Thomas Frey