Frankfurt zerlegt die Bayern: Ist die "neue" Eintracht für mehr bestimmt?

Frankfurt am Main - Ein Blick auf die Anzeigetafel in der Commerzbank-Arena rang wohl den meisten Besuchern gegen 17.20 Uhr ein heftiges Augenreiben ab. Doch die Zahlen logen keinesfalls - Eintracht Frankfurt hatte Rekordmeister FC Bayern München tatsächlich gerade vernichtend mit 5:1 (2:1/TAG24 berichtete) geschlagen.

Goncalo Paciencia (Mi.) hat allen Grund zum Jubeln. Hier erzielte er gerade den 5:1-Endstand der Eintracht gegen den FC Bayern.
Goncalo Paciencia (Mi.) hat allen Grund zum Jubeln. Hier erzielte er gerade den 5:1-Endstand der Eintracht gegen den FC Bayern.  © dpa/Hasan Bratic

Filip Kostic, Djibril Sow, Martin Hinteregger, David Abraham und abschließend Eintracht-Topscorer Goncalo Paciencia hatten dafür gesorgt, dass die Superstars aus München lediglich die zweite Geige an diesem denkwürdigen Tag spielten. Selbst das sage und schreibe 14. Saisontor nach 10 Bundesliga-Spieltagen von Robert Lewandowski wurde an diesem Nachmittag zur absoluten Nebensache.

Und auch wenn die Frankfurter aufgrund der Roten Karte gegen Jérôme Boateng das Gros des Spiels in Überzahl über die Bühne brachten, wird wohl auch der treueste Bayern-Fan konstatieren, dass seine Mannschaft am Samstag in Frankfurt dahergespielt wurde.

Zwar waren die Männer vom Stadtwald keineswegs ohne Hoffnung in die Partie gegen die auf dem Papier in allen Belangen überlegenen Münchener gegangen, einen derartigen Ausgang hätte sich zumindest Mittelfeld-Fighter Sebastian Rode vor dem Anpfiff nicht mal erträumen könnnen: "Es ist ein unglaublicher Tag. Ein 5:1 hätten wir uns vor dem Spiel nicht erträumt".

Und auch sein Trainer Adi Hütter konnte nach dem Spiel nicht anders, als seiner Begeisterung über Resultat und Spielweise freien Lauf zu lassen. "Wir sind überglücklich. So ein 5:1-Sieg ist nicht alltäglich", so der Österreicher, der darüber hinaus ergänzte: "Mit unseren Fans im Rücken hat man gesehen, welche Begeisterung herrscht. Ich bin extrem stolz, weil wir unglaublich viele und schwere Spiele haben und weniger Regenerationszeit hatten".

Keeper Frederik Rönnow hielt sich mit den Superlativen sogar noch weniger zurück: "Es war ein unglaubliches Spiel. 5:1 gegen Bayern gewinnen, das passiert dir einmal im Leben. Ein fantastischer Abend für alle in Frankfurt", sagte der Ersatz des verletzten Nationalkeepers Kevin Trapp.

Ist diese "neue" Eintracht zu mehr bestimmt?

Nach dem Abpfiff kannte die Freude der Eintracht-Kicker keine Grenzen.
Nach dem Abpfiff kannte die Freude der Eintracht-Kicker keine Grenzen.  © dpa/Hasan Bratic

Für seinen nun noch weitaus erheblicher in der Kritik stehenden Trainer-Kollegen Niko Kovac empfinde Hütter zwar Mitleid, die Freude über seinen ersten Sieg mit der Eintracht gegen die Bayern schmälerte das aber nicht.

Doch es stellt sich die Frage, zu wieviel diese "neue" Eintracht berufen ist. Erneut mussten die Frankfurter empfindliche Abgänge hinnehmen. Mit Luka Jovic, Sébastien Haller und Ante Rebic verlor die SGE quasi die komplette Schlagkraft im Sturm. Doch neben Paciencia, der sich mit seinen sechs Bundesliga-Toren zum Stürmer Nummer eins gemausert hat, sind auch die Neuzugänge André Silva und Bas Dost zu überaus wichtigen - und effizienten - Bausteinen geworden.

Darüber hinaus verfügt das Mittelfeld, auch dank Einkäufen vom Kaliber eines immer besser in die Spur findenden Sow, über weitaus mehr Qualität als beispielsweise noch im Vorjahr. Fakt ist: Die Eintracht ist mit 17 Punkten auf Rang sechs nur ein Mü von der Bundesliga-Spitze entfernt und in der Europa League auf dem besten Wege erneut die Gruppenphase zu überstehen.

Sollte es Hütter und seinen Schützlingen gelingen, Totalausfälle, - wie beispielsweise gegen den FC Augsburg (1:2/TAG berichtete) - oder gewisse "Schwächeanfälle" und verschlafene erste Halbzeiten aus einigen weiteren Partien abzustellen, könnte man die Ära der "Büffelherde" sicherlich noch übertrumpfen.

Nach diesem unglaublichen Ego-Push wird es für die "neue" Eintracht aber kaum weniger turbulent. Schon am Donnerstag (7. November) muss man - ohne Fans - nach Lüttich reisen. Dort treffen die Adlerträger auf Standard Lüttich und können einen wichtigen Schritt in Richtung K.O.-Phase der Europa League gehen.

Mehr zum Thema Eintracht Frankfurt:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0