Ermittler sollen selber Kinderpornos hochladen dürfen

Eisenach - Bei Ermittlungen zu Kinderpornografie im Internet sollen Polizisten künftig selbst einschlägiges Material hochladen dürfen.

Künstlich erzeugte Kinderpornos sollen Ermittlern bei ihrer Arbeit helfen.
Künstlich erzeugte Kinderpornos sollen Ermittlern bei ihrer Arbeit helfen.  © DPA

"Allerdings nur computergenerierte Bilder", sagte die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) am Donnerstag im thüringischen Eisenach. Es wird also kein Kind in sexueller Pose fotografiert, sondern ein künstliches Bild programmiert.

Einen entsprechenden mehrheitlichen Entschluss fassten die Justizminister der Länder bei ihrer Konferenz auf der Wartburg. Die Bilder sollen Ermittler als sogenannte Keuschheitsprobe nutzen, um Zugang zur Szene zu bekommen und so die eigentlichen Täter und Hintermänner zu überführen.

Ministerin Kühne-Hörmann hatte zunächst auch die Idee ins Spiel gebracht, im Einzelfall echtes kinderpornografisches Material zu nutzen, das bereits im Umlauf ist - vorausgesetzt die Opfer bieten das an.

"Es geht um synthetische, künstliche Bilder, die echt wirken", sagte Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU). Im Ausland könnten Ermittler bereits auf diese Methode zurückgreifen. Aber Polizeiexperten sehen den Vorstoß kritisch, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler. "Verfälschte oder künstlich erzeugte Bilder sind für Täter relativ leicht als Fälschungen zu erkennen."

Er sieht den Ermittlungsarbeiten wegen Kinderpornografie im Internet ohnehin größere Baustellen: "Im Alltag muss eine unglaubliche Masse an Daten ausgewertet werden, dabei fehlt es an geeigneter Software, die uns unterstützt." Auch seien dafür mehr speziell geschulte Ermittler nötig. Die Auswertung von Festplatten etwa ziehe sich oft über Monate.

Die Polizei registrierte laut Kriminalstatistik im vergangenen Jahr 16.317 Fälle, bei denen es um den Besitz und die Verbreitung von kinderpornografischem Material ging.

Eva Kühne-Hörmann brachte den Vorschlag vor.
Eva Kühne-Hörmann brachte den Vorschlag vor.  © DPA

Titelfoto: DPA


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