Dieser Farmer ist eigentlich ein Löwe

Fast wie daheim. Da kontrolliert Pat Baum auch, ob die Geräte am Traktor funktionieren, bevor er das Feld bestellt.
Fast wie daheim. Da kontrolliert Pat Baum auch, ob die Geräte am Traktor funktionieren, bevor er das Feld bestellt.

Von Enrico Lucke

Dresden - Pat Baum ist ein fleißiger und harter Arbeiter. Nicht nur auf dem Eis, wo ihn die Eislöwen-Fans schon in Aktion erlebt und bejubelt haben. In der spielfreien Zeit ist er Farmer.

„Klar kann ich Traktor fahren“, verrät Pat. Der 34-Jährige wohnt bei Saskatoon. Die Stadt mit gut 250000 Einwohnern liegt im Bundesstaat Saskatchewan knapp 600 km östlich von Calgary - also mitten im Herzen Kanadas.

Und dort hat die Familie seiner Herz-Dame Jaclyn (32) eine Farm. „Im Mai, Juni helfe ich da immer mit. Bestelle die Felder oder was sonst so anliegt“, berichtet der Eislöwen-Verteidiger.

Insgesamt müssen knapp 5000 Hektar bewirtschaftet werden. „Wir pflanzen aber nur Mais und Raps. Tiere gibt‘s nicht, außer unserem Deutschen Schäferhund Jack“, so Baum.

Pat Baum in seinem "Hauptjob" über den Winter: Er verteidigt für die Dresdner Eislöwen.
Pat Baum in seinem "Hauptjob" über den Winter: Er verteidigt für die Dresdner Eislöwen.

„In diesem Sommer hatte ich aber nicht so viel Zeit, um auf der Farm mit anzupacken.“ Das lag vielleicht auch daran, dass er seine Jaclyn im Juli geheiratet hat und dafür viel organisiert werden musste.

Es ist aber nicht die einzige interessante Geschichte, die der gebürtige Kanadier zu berichten hat. Seinen deutschen Pass verdankt Pat nämlich nicht nur der Tatsache, dass er seine neunte Saison in Deutschland spielt. „Nein, mein Großvater Herbert ist Deutscher. Er stammt aus der Nähe von Frankfurt an der Oder“, verrät der 34-Jährige. „Zusammen mit meiner Oma ist er 1951 ausgewandert.“

Einen genauen Grund kennt Pat für die Auswanderung nicht. Er weiß nur, dass seine Großeltern der Schwester der Oma damals gefolgt sind. In Saskatoon hatte der gelernte Maler Herbert Baum 1953 ein Geschäft für Farben und Tapeten eröffnet.

„Sechzig Jahre hat Opa das gemacht und ich war als Kind oft da“, so der Eislöwen-Verteidiger.

„Meine Großeltern waren so stolz, dass sie in Kanada waren, Englisch gelernt haben, aber dadurch sprachen sie kaum deutsch mit mir. Das ist ein bisschen schade.“

Von den Feldern bei Bannewitz schaute Pat Baum in Richtung Erzgebirge. Dresden liegt zu Füßen.
Von den Feldern bei Bannewitz schaute Pat Baum in Richtung Erzgebirge. Dresden liegt zu Füßen.

Die Baum-Wurzeln schlagen aber immer noch in Deutschland aus. Der jüngere Bruder von Opa Herbert lebt immer noch bei Frankfurt an der Oder. „Ihn habe ich aber noch nicht kennengelernt, vielleicht klappt’s nach der Saison. Dafür kenne ich meinen Cousin, der in Leipzig wohnt.“

Der große kanadische Clan kommt zur Jahreswende nach Dresden. „Sie wollten alle beim Winterderby im Dynamo-Stadion dabei sein“, berichtet Pat.

Seine Frau ist seit Mittwoch da, beim 5:2-Sieg über die Freiburger feuerte sie ihren Liebsten bereits von der Tribüne aus an. „Auf der Farm ist jetzt nichts mehr zu tun. Die Büroarbeit kann Jaclyn auch von hier aus erledigen“, so Baum.

Mit seinem Wechsel nach Dresden ist der Verteidiger bisher rundum zufrieden: „In Heilbronn und Ravensburg war es gut, aber hier ist alles sehr professionell. Die Arena, die Menschen auf der Geschäftsstelle und in der Kabine - alle bestens.“

Dann muss der Farmer jetzt nur mit dem Team die erhoffte Ernte mit dem Play-off-Halbfinal-Einzug im April einfahren...

Nach zwei Monaten konnte Pat sein Frau Jaclyn wieder in die Arme schließen. Am Freitag schaute sie bereits gegen Freiburg zu.
Nach zwei Monaten konnte Pat sein Frau Jaclyn wieder in die Arme schließen. Am Freitag schaute sie bereits gegen Freiburg zu.

Fotos: Enrico Lucke; Dehli-News; Lutz Hentschel


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