Nach Dreifach-Mord: Heute Urteil gegen den Vater

Ellwangen - Im Prozess um drei Morde in Sontheim an der Brenz steht an diesem Dienstag ein weiteres Urteil gegen den Hauptangeklagten an.

26. November 2019: Der gefesselte Vater verlässt den Sitzungssaal.
26. November 2019: Der gefesselte Vater verlässt den Sitzungssaal.

Der 55 Jahre alte Vater einer seit langem in Deutschland lebenden italienischen Familie war Ende Dezember bereits wegen zweier Morde zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

In einem später abgetrennten Verfahren wird ihm zudem vorgeworfen, 2008 seinen türkischen Schwiegersohn umgebracht zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hat in diesem Fall Ende Januar auf Totschlag plädiert, weil Mordmerkmale nicht nachweisbar seien und 13 Jahre Haft gefordert.

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Die Nebenkläger verlangen hingegen eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes. Das Urteil wird im Anschluss an das Plädoyer der Verteidigung (9 Uhr) erwartet.

Unabhängig davon wird der Beschuldigte aufgrund der Ende Dezember für zwei Morde verhängten Strafe möglicherweise nie wieder auf freien Fuß kommen.

Das Landgericht hatte mit der lebenslangen Haftstrafe, die laut Strafgesetz nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, auch die Sicherungsverwahrung des Verurteilten angeordnet. Dies kann zu einem tatsächlich lebenslangen Freiheitsentzug führen.

Die beiden 33 und 31 Jahre alten Söhne des Familienvaters waren Ende Dezember ebenfalls zu Haftstrafen verurteilt worden - der ältere wegen Mordes in zwei Fällen zu 15 Jahren, der jüngere wegen Beihilfe zum Mord in einem Fall zu 9 Jahren.

Verteidigung fordert Freispruch

Ellwangen im vergangenen November: Der angeklagte Vater (Mitte) und seine beiden Söhne (links, 2.v.r.).
Ellwangen im vergangenen November: Der angeklagte Vater (Mitte) und seine beiden Söhne (links, 2.v.r.).  © Stefa Puchner/dpa

Update 11.03 Uhr: Die Verteidigung hat am Dienstag gefordert, den Hauptangeklagten in einem der Fälle freizusprechen. Es gebe lediglich dürftige Indizien, aber keine Beweise, dass der Angeklagte im Jahr 2008 seinen Schwiegersohn umgebracht hat, erklärte Rechtsanwalt Fritz Döringer vor dem Landgericht Ellwangen.

Der Vater einer seit langem in Deutschland lebenden italienischen Familie habe zudem mehrfach bestrittet, den türkischen Ehemann seiner Tochter getötet zu haben. Ein Leichnam wurde nie gefunden. Die Staatsanwaltschaft hatte auf Totschlag plädiert und eine 13-jährige Haftstrafe gefordert.

Sie stützt sich unter anderem auf das Protokoll einer Vernehmung, in der der Beschuldigte die Tötung seines Schwiegersohns zugegeben habe.

Die Verteidigung erklärte das Protokoll hingegen für unglaubwürdig.

Urteil gesprochen

Im Verfahren um drei Morde in Sontheim an der Brenz ist der Hauptangeklagte neben einer lebenslangen Haftstrafe zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Ellwangen sah am Dienstag Totschlag als erwiesen an. Der beschuldigte 55 Jahre alte Vater einer in Deutschland lebenden italienischen Familie habe 2008 seinen türkischen Schwiegersohn mit einer Schlinge erstickt. Die Leiche sei "auf nicht genau bekannte Weise entsorgt worden".

Das Gericht ordnete erneut Sicherungsverwahrung an, so dass der Verurteilte möglicherweise nie wieder auf freien Fuß kommen wird. Ohne Sicherungsverwahrung hätte er nach 15 Jahren die Aussetzung der Strafe zur Bewährung beantragen können. Die Verteidigung hatte in dem im Lauf des Verfahrens abgetrennten dritten Fall Freispruch verlangt.

Sie erklärte, das laut Vernehmungsprotokoll abgelegte Geständnis des Beschuldigten sei nicht glaubwürdig. Das Gericht wies dies zurück. Die Staatsanwaltschaft hatte auf Totschlag plädiert und eine 13-jährige Haftstrafe gefordert.

Der Angeklagte war Ende Dezember bereits wegen zweier Morde zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Die Opfer in diesen Fällen waren 2014 der neue Lebensgefährte seiner Tochter und 2019 ein Geschäftsmann, von dem die italienische Familie in Sontheim zwei Garagen gemietet hatte.

Die beiden 33 und 31 Jahre alten Söhne des Familienvaters wurden ebenfalls zu Haftstrafen verurteilt - der ältere wegen Mordes in zwei Fällen zu 15 Jahren, der jüngere wegen Beihilfe zum Mord in einem Fall zu 9 Jahren.

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