Wegen Elmshorner Lichtermarkt-Plakat: "Galgen bereits gerichtet"

Aufgrund der vielen Hass-Kommentare ermittelt die Polizei wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Bedrohung in Elmshorn.
Aufgrund der vielen Hass-Kommentare ermittelt die Polizei wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Bedrohung in Elmshorn.  © DPA

Elmshorn - Die Ereignisse rund um den Elmshorner Lichtermarkt gehen in die nächste Runde.

Der sächsische AfD-Poliker Maximilan Krah hatte sich Mitte November zum Lichtermarkt-Thema geäußert (TAG24 berichtete). Auch Ex-CDU-Politikerin Erika Steinbach hat sich in sozialen Netzwerken abfällig über ein Werbeplakat des "Lichtermarkts" geäußert.

Jetzt ermittelt die Polizei wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Bedrohung.

Mit dem Plakat wirbt Elmshorn seit 2011 für den Lichtermarkt. Man sieht neben dem Weihnachtsbaum, Sternen und Lebkuchen auch ein kleines, dunkelhäutiges Mädchen. Sie ist ein Engel... Erika Steinbach twitterte das Plakatmotiv mit den Worten: "Ich kenne kein Land außer Deutschland, das seine eigene Kultur und Tradition so über Bord wirft."

Nun wird polizeilich ermittelt - und zwar wegen der zahllosen Kommentare auf Facebook und Co. Die Auswertungen der Kommentare laufen noch. "Da einige unbekannte User das Bild kommentierten und daher schwer ausfindig zu machen sind", wie die Polizei berichtet.

Elmshorns Bürgermeister Hatje erhält Morddrohungen

Erika Steinbach twitterte: "Ich kenne kein Land außer Deutschland, das seine eigene Kultur und Tradition so über Bord wirft".
Erika Steinbach twitterte: "Ich kenne kein Land außer Deutschland, das seine eigene Kultur und Tradition so über Bord wirft".  © DPA

Der parteilose Elmshorner Bürgermeister Volker Hatje erklärt dazu: "Wir sind von der diesjährigen Reaktion auf den Elmshorner Lichtermarkt, insbesondere in den sozialen Medien mehr als bestürzt."

Über 150 Zuschriften mit Drohungen und Beschimpfungen hätte Hatje erhalten. Der Fall sorgt derzeit in den Medien bundesweit für Furore. Wie geht der Bürgermeister mit dieser Situation um?

"Ich empfinde die Kommentare nicht als konkrete Morddrohungen, aber durchaus als persönlich bedrohend", sagt er. Die verbalen Attacken in den vergangenen 14 Tagen gingen weit über das erträgliche Maß hinaus, so der Verwaltungschef. Ein Schreiber, so Hatje, habe ihn wissen lassen, dass der "Galgen bereits gerichtet" sei.

Es werde "in zehn Fällen eine strafrechtliche Relevanz geprüft", sagte ein Polizeisprecher am bereits am Dienstag. Hatje selbst sagte, er habe privat Nachrichten erhalten, die man als Morddrohung auffassen könne. Unter anderem sei ihm geschrieben worden, die Galgen stünden bereit, schreiben die "Elmshorner Nachrichten".

Hatje betont auch: "Für uns als Stadt ist es inakzeptabel, dass eine so traditionsreiche und von unserer christlichen Kultur geprägte Veranstaltung wie der Elmshorner Lichtermarkt instrumentalisiert wird, um im politischen Umfeld Stimmung zu machen."

Die Stadt Elmshorn nennt ihren Weihnachtsmarkt übrigens absichtlich "Lichtermarkt", um sich von anderen Märkten zu unterscheiden. Es gibt ihn seit 2007 und seit 2011 verkörpert das dunkelhäutige Mädchen schon den Lichtermarkt.

"Die Vorwürfe, dass unsere eigenen Traditionen, unsere Kultur und unsere Identität zerstört würden, sind nicht nur weit hergeholt, sie sind schlicht falsch. Den Versuch, die Stimmung auf unserem Markt derartig zu beeinträchtigen, halten wir für inakzeptabel."


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