Vater soll eigenes Baby fast getötet haben, nun steht er vor Gericht

Hamburg - Der Vorwurf ist unfassbar: Zwei junge Eltern sollen ihr Baby schwer misshandelt haben. Deswegen müssen sie sich ab Dienstag (9 Uhr) vor dem Amtsgericht Hamburg-Altona verantworten.

Ein Baby liegt auf einer Decke. (Symbolbild)
Ein Baby liegt auf einer Decke. (Symbolbild)  © dpa/Arno Burgi

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 19-jährigen Vater vor, seinen nur wenigen Wochen alten Sohn zwischen dem 25. Dezember 2018 und dem 12. Januar 2019 lebensgefährlich verletzt zu haben.

Er habe den Brustkorb des schreienden Kindes zweimal nachts so fest zusammengedrückt, dass das Baby mehrere Rippenbrüche und eine Blutung in der Brusthöhle erlitt.

Das Neugeborene schwebte in akuter Lebensgefahr und musste zehn Tage auf der Kinderintensivstation behandelt werden.

Zusammen mit seiner 20 Jahre alten Partnerin ist der Vater auch wegen gemeinschaftlicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sowie vorsätzlicher Körperverletzung durch Unterlassen angeklagt.

Die beiden Deutschen sollen ihr Kind in den ersten beiden Lebensmonaten nicht ausreichend mit Nahrung versorgt und gepflegt haben.

Update, 19.40 Uhr

Der Fall wurde vor dem Amtsgericht Hamburg-Altona verhandelt. (Archivbild)
Der Fall wurde vor dem Amtsgericht Hamburg-Altona verhandelt. (Archivbild)  © dpa/Christophe Gateau

Das Amtsgericht Hamburg-Altona hat den Vater am Dienstag zu einer Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 19-Jährige seinen nur wenige Wochen alten Sohn zwischen dem 25. Dezember 2018 und dem 12. Januar 2019 lebensgefährlich verletzt hat. Die Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren wurde mit Auflagen zur Stabilisierung der Lebenssituation verbunden, wie ein Gerichtssprecher mitteilte.

Die 20-jährige Mutter wurde wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sowie vorsätzlicher Körperverletzung durch Unterlassen schuldig gesprochen - und wird nun ein Jahr vom Jugendamt betreut.

Weil die Eltern noch unter 21 Jahre alt sind, fand der Prozess vor dem Jugendschöffengericht statt. Der Vater sah bedrückt aus und weinte, die Mutter wirkte eher teilnahmslos. Nach dem Verlesen der Anklage wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Die Eltern seien im Ermittlungsverfahren kooperativ gewesen, sagte ein Gerichtssprecher. Die Staatsanwaltschaft ging in ihrer Anklage davon aus, dass sie mit dem Baby überfordert waren.

Mitte Januar hatte ein Kinderarzt bei einer U3-Untersuchung festgestellt, dass der wenige Wochen alte Junge lebensgefährlich verletzt war. Er ließ den Säugling sofort in ein Krankenhaus einweisen. Parallel begannen umfangreiche Ermittlungen, um herauszufinden, wer für die Verletzungen verantwortlich ist. Danach suchten die Ermittler die Eltern in Eidelstedt auf und konfrontierten sie mit den Vorwürfen. Nach den Vernehmungen wurde der 19 Jahre alte Vater des Kindes festgenommen.

Weil das schreiende Baby sich nachts nicht beruhigen ließ, soll er das Kind so fest zusammengedrückt haben, dass es mehrere Rippenbrüche und eine Blutung in der Brusthöhle erlitt. Der kleine Junge musste zehn Tage auf der Kinderintensivstation behandelt werden. Er lebt inzwischen in einer Pflegefamilie.

Die Eltern sollen ihren Sohn außerdem in den ersten beiden Lebensmonaten in der gemeinsamen Wohnung im Stadtteil Eidelstedt nicht ausreichend mit Nahrung versorgt haben. Er habe zwischen dem 7. Dezember 2018 und dem 14. Januar 2019 nur um 160 Gramm an Gewicht zugenommen.

Normal wäre etwa das Sechsfache gewesen. Das Kind bekam den Angaben zufolge ein schmerzhaftes Ekzem und eine Pilzinfektion.

Titelfoto: dpa/Arno Burgi

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