Studie offenbart: Weinberge im Rheingau haben dunkles Geheimnis

Eltville - Die Weinberge im Rheingau haben durch den Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen den Zweiten Weltkrieg überstanden.

Eine Studie offenbarte die Details (Symbolfoto).
Eine Studie offenbarte die Details (Symbolfoto).  © DPA

Das geht aus einer Studie im Auftrag der Stiftung Kloster Eberbach hervor, die am Freitag vorgestellt wurde.

1943 hätten 143.000 Winzer Kriegsdienst geleistet, darunter überdurchschnittlich viele Betriebsführer aus dem Rheingau.

Entgegen den ideologischen Prämissen des Regimes hätten Frauen und Kinder in den Weinbergen die Arbeit übernehmen müssen, heißt es in der Studie des Historikers Sebastian Koch.

Die Weinberge wären aber nach dem Krieg nicht in einem so guten Zustand gewesen, hätten nicht tausende von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen sie über den Krieg gerettet.

Koch erkannte zwar im katholisch geprägten Rheingau mit seinen "eigenständigen und selbstbewussten" Menschen ein "Widerstandspotenzial", das aber nicht für einen offenen Kampf mit dem Nazi-Regime aktiviert worden sei.

Führende Posten mit Auswärtigen besetzt

Allerdings hätten sich die lokalen Honoratioren nach derzeitigem Forschungsstand nur sehr bedingt in die nationalsozialistische Bewegung einspannen lassen.

Viele führende Posten seien mit Auswärtigen besetzt worden, erklärte Koch. Lediglich der damalige Eberbacher Weinbaudirektor habe seine Stelle verteidigen können. Unter dem Eindruck einer versuchten Verhaftung habe er 1933 einen NSDAP-Mitgliedsantrag gestellt, um seinen Posten behalten zu können.

Der Weinbaudirektor habe Versuche des Nazi-Regimes abwehren können, Eberbach etwa als eine "Weihestätte des deutschen Volkes" oder als SS-Ordensburg zu vereinnahmen.

Titelfoto: DPA


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