Unsere Politik ist ein Altenclub: Warum gibt es keinen deutschen Kurz oder Macron?

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (31, li.) und Frankreichs Präsident Emmanuel Micron (40) sind deutlich jünger als die allermeisten deutschen Bundestagsabgeordneten.
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (31, li.) und Frankreichs Präsident Emmanuel Micron (40) sind deutlich jünger als die allermeisten deutschen Bundestagsabgeordneten.  © DPA

Berlin – Unsere Nachbarn machen es vor: Der Bundeskanzler von Österreich, Sebastian Kurz, ist gerade mal 31 Jahre, oder der französische Präsident Emmanuel Macron ist 40 Jahre alt. Auch in Kanada ist der Premierminister erst 46, im Vergleich zu deutschen Politikern ein jugendliches Alter.

In Deutschland sind wir meilenweit davon entfernt. Das Spitzenpersonal der Parteien ist zumeist weit jenseits der 60. Angela Merkel (63) und Martin Schulz (62) würden im echten Leben sich eher auf die Rente, als noch mal auf einen Spitzenjob vorbereiten.

Laut einer Emnid-Umfrage, die von der Bild am Sonntag (BamS) in Auftrag gegeben wurde, würden sich die Deutschen auch über mehr Jugend in der Politik freuen. Jeder Zweite hält es für einen Nachteil, dass so viele Spitzenpolitiker schon derart lange in der Politik sind.

81 Prozent der Deutschen wollen mehr Einfluss von Politikern unter 40 Jahren. Doch wo sollen die herkommen? Schaut man sich das Spitzenpersonal bei den im Bundestag vertretenen Parteien an, machen es dort die erfahrenen Politiker mehr oder weniger unter sich aus. Politiker, die jünger als 40 sind und was zu sagen haben, sind selten.

Der Berliner Soziologe Klaus Hurrelmann sagte gegenüber der BamS, dass die Parteien sich dazu verpflichten sollten, eine Jugendquote bei Wahlen einzuhalten, "dass 30 Prozent der Kandidaten unter 35 Jahre alt sind". Nur so ließen sich auch genug Nachwuchspolitiker finden. Denn bisher läuft es so: „Wer jetzt als junger Mensch in die Politik geht, kommt in einen Altenclub“, so Hurrelmann weiter.

So alt sind die deutschen Spitzenpolitiker

Horst Seehofer (68), Angela Merkel (63), Martin Schulz (62) sind den meisten Deutschen als Politiker zu alt.
Horst Seehofer (68), Angela Merkel (63), Martin Schulz (62) sind den meisten Deutschen als Politiker zu alt.  © DPA

Damit hat er durchaus recht, wie ein Blick auf die Bundestagsparteien beweist. Gerade bei SPD und CDU/CSU dominiert in den Spitzenpositionen das Alter. In der CDU-Führung ist nur Julia Klöckner (45) jünger als 60 Jahre.

Bei der SPD sorgt zwar der Juso-Chef Kevin Kühnert (28) gerade für Schlagzeilen und viel frischen Wind, aber im Kreise der "Alten" hat er noch nicht viel zu melden. Sieht man sich die Parteiführung an, ist auch nur eine unter 50-Jährige vertreten: Manuela Schwesig (43) und Andreas Nahles als Fraktionsvorsitzende ist auch "nur" 46.

Bei der AfD ist das "Küken" in der Parteiführung Kay Gottschalk mit 52 Jahren. Aber immerhin haben sie mit Alice Weidel (38) als Fraktionsvorsitzende im Bundestag eine unter 40-Jährige zu bieten.

Am frischsten geht es bei den Grünen zu. Dort wurde mit Annalena Baerbock gerade erst eine 37-Jährige zur Vorsitzenden gewählt. Und ihre Stellvertreterinnen Gesine Agena und Jamila Schäfer sind mit 30 und 24 Jahren ebenfalls noch sehr jung.

Die Linken-Chefin Katja Kipping ist wie ihr Kollege von der FDP, Christian Lindner 39. Während bei der FDP noch Katja Suding (42) jugendlichen Schwung und die Parteispitze bring, sind es bei den Linken Caren Lay (45) und Janine Wissler (36).

Und bei den Bundestagsabgeordneten insgesamt? Nur jeder 5. ist jünger als 30 Jahre. Die große Mehrheit der Bundestagsabgeordneten (60 Prozent) sind älter als 50. Das Durchschnittsalter aller Abgeordnete liegt bei 49 Jahren. Hier geht es zur Statistik der einzelnen Parteien.


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