Produktion wird eingestellt. Das Aus für den Phaeton!

VW-Boss Matthias Müller (62, re.)und Bernd Osterloh (59) ist Gesamtbetriebsratschef und Vize-Aufsichtsrat.
VW-Boss Matthias Müller (62, re.)und Bernd Osterloh (59) ist Gesamtbetriebsratschef und Vize-Aufsichtsrat.

Von Bernd Rippert

Dresden - Paukenschlag beim Phaeton! Die Gerüchte halten sich schon länger, jetzt scheint es sicher: Die VW-Luxuskarosse in der jetzigen Form ist bald Geschichte.

Nach MOPO24-Informationen stellt Volkswagen die Produktion in Zwickau und die Endmontage in Dresden Ende 2016 ein.

Ein leitender VW-Mitarbeiter aus Sachsen: „Damit steht auch die Zukunft des Prestigeobjekts Gläserne Manufaktur auf dem Spiel.“

Klar ist: Wegen des milliardenteuren Abgas-Skandals muss in allen Werken gespart werden. Der schon lange schwächelnde Phaeton wird dabei als Erstes geopfert, erfuhr MOPO aus Führungskreisen in Wolfsburg und Sachsen.

Zuletzt montierten die Mitarbeiter der Manufaktur am Großen Garten nur noch acht Phaeton täglich, dazu zwei Bentley Flying Spur.

Ausgelegt ist der Ende 2001 für 190 Millionen Euro erbaute Glaspalast aber für mehr als 100 Fahrzeuge am Tag.

Zuletzt wurden nur noch acht Phaetons pro Tag in der Gläsernen Manufaktur zusammengebaut. Ausgelegt war sie ursprünglich für mehr als 100 Fahrzeuge.
Zuletzt wurden nur noch acht Phaetons pro Tag in der Gläsernen Manufaktur zusammengebaut. Ausgelegt war sie ursprünglich für mehr als 100 Fahrzeuge.

Bereits Anfang Oktober hatte der VW-Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende und Aufsichtsratsvize Bernd Osterloh (59) die Phaeton-Strategie als sinnlos bezeichnet.

Kurz darauf vermeldete Volkswagen das Aus für den geplanten Nachfolger mit Verbrennungsmotor. Stattdessen soll ab etwa 2020 ein Elektro-Phaeton auf den Markt kommen.

„Die Zeichen stehen auf Sturm im Konzern“, so ein VW-Insider aus Wolfsburg. Keine Endmontage mehr in Dresden ab Ende 2016, neues Modell nicht vor 2020 - hinter den Kulissen kämpfen die Betriebsräte um Jobsicherung für die 500 Mitarbeiter der Manufaktur.

Schon jetzt haben viele Fachleute in Dresden kaum noch etwas zu tun, werden in Zwickau, Chemnitz und sogar Wolfsburg eingesetzt.

Auf einer Krisensitzung in Wolfsburg diese Woche hauten die VW-Betriebsräte auf den Tisch, forderten Konzepte für die Beschäftigung in Dresden.

Der Insider zur MOPO24: „Die Mitarbeiter haben große Sorgen um ihre Jobs. Wir wollen schnell wissen, wie es weitergeht.“

Sachsens VW-Sprecher Gunter Sandmann (56) ausweichend zur MOPO24: „Es ist noch viel zu früh, über 2016 zu reden.“

Und auf direkte Nachfrage nach der Einstellung des aktuellen Phaetons: „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.“

Erst Vorzeige-Auto, danach Pflegefall

Die Gläserne Manufaktur am Straßburger Platz.
Die Gläserne Manufaktur am Straßburger Platz.

Der Phaeton sollte DAS Prestige- und Luxusauto des Konzerns werden, das biedere Image von Volkswagen steil anheben. 20.000 dieser Luxuskarossen wollten die Wolfsburger weltweit jährlich absetzen.

Doch diese Zahl wurde nicht ein einziges Mal erreicht. Denn vielen Experten und vor allem Kunden war das Flaggschiff wieder zu bieder geraten.

Seit seiner Markteinführung Ende 2001 wurden in Deutschland nur in zwei Jahren (2003, 2005) mehr als 3000 Phaetons zugelassen.

Und ebenfalls nur in zwei Jahren (2011, 2012) montierten die Arbeiter in der Gläsernen Manufaktur mehr als 10.000 Fahrzeuge, bedingt durch einen kurzen Boom in China.

Im vergangenen Jahr wurden am Straßburger Platz jedoch nur noch 4061 Phaetons fertiggestellt.

Fotos: Picture Alliance, Imago, DDP/Matthias Rietschel, DPA/Peter Endig


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