Endlich frei! Jetzt versüßt Leila Dresden

Die Welt schaut in diesen Monaten auf unsere Stadt. Es heißt, hier herrsche Misstrauen gegenüber Fremden. Doch das stimmt nicht! Unsere Stadt ist weltoffen. Mit der Serie „Willkommen in Dresden“ treten wir hier jeden Mittwoch den Beweis an. Diesmal: Leila Moghadam.

Leila (33) macht das Konditoren-Handwerk Spaß. Voller Vorfreude auf den Genuss belegt sie einen Kuchenboden mit Erdbeeren.
Leila (33) macht das Konditoren-Handwerk Spaß. Voller Vorfreude auf den Genuss belegt sie einen Kuchenboden mit Erdbeeren.

Von Katrin Koch

Dresden - „Ghanad“ heißt auf Persisch Konditor. Eine Zuckerbäckerin zu werden, ist der große Traum von Leila Moghadam (33) aus dem Iran. Ihr Wunsch geht in Dresden-Pillnitz in Erfüllung!

Ein Deutschkurs für Asylbewerber führte die studierte Politikwissenschaftlerin in die Backstube von Bäckermeister Andreas Wippler (37).

„Der Kurs beinhaltete ein Praktikum. So kam ich für vier Wochen in die Bäckerei. Das war in November 2014.“

Leila leckte Zucker - und blieb. „Ich habe sofort gemerkt, dass Leila für unseren Beruf brennt. Sie ist mit Leidenschaft bei der Sache“, lobt Chef Wippler.

Leila mit ihrem Lehrmeister Andreas Wippler (37) vor dessen Pillnitzer Backwirtschaft.
Leila mit ihrem Lehrmeister Andreas Wippler (37) vor dessen Pillnitzer Backwirtschaft.

In Leilas Heimat werden Fladenbrot, Blechtorten und Baklava geliebt - Süßes mit Honig, Sirup, Nüssen und Mandeln.

Bei Wippler belegt Leila Erdbeerkuchen, versucht sich an Marzipan-Figuren, schlägt einen frische Zitronen-Joghurt-Creme. Dekoriert Hochzeitstorten und backt Böden.

Im September fängt die Iranerin ganz offiziell eine Ausbildung zur Konditorin an.

„Es ist für mich wie ein kleines Wunder“, strahlt Leila. Und ein bisschen Familienersatz. Leilas Eltern, Geschwister und Verwandte leben im Iran.

„Vor zwei Jahren habe ich sie das letzte mal gesehen. Ich bin seit 20 Monaten in Deutschland und hoffe, dass mein Asylantrag positiv beschieden wird“, erzählt Leila.

Gar nicht so einfach: Leila formt aus buntem Marzipan ein Fahrrad für eine Kindergeburtstagstorte.
Gar nicht so einfach: Leila formt aus buntem Marzipan ein Fahrrad für eine Kindergeburtstagstorte.

Fern der Familie fühlt sie sich in der Backwirtschafts-WG über der Pillnitzer Bäckerei um so wohler. Vier Zimmer, Gemeinschaftsküche, Gemeinschaftsbad. „Hier ist mein neues Zuhause“, winkt sie aus einem Gauben-Fenster unterm Dach.

„Bei unseren Arbeitszeiten ab 3.30 Uhr ist das ein großer Vorteil für die Azubis“, weiß Wippler.

Auch wenn Leila erst 22, manchmal 23 Uhr ins Bett kommt, „habe ich kein Problem, zeitig aufzustehen. Die Arbeit macht mir solchen Spaß.“

Zur Freude gesellt sich noch eine Freiheit, die Leila als Frau im Iran unter dem Mullah-Regime nicht genießen könnte - und deretwegen sie ihre Heimat verließ: „Ich müsste Kopftuch tragen und meinen Körper mit Tuch und Mantel verhüllen. Geschiedene Frauen werden schief angeguckt, wie auch Frauen, die erst spät abends nach Hause kommen.

Ein kurzes Päuschen. Leila genießt die Sonne auf dem Brezel-Klettergerüst mit Seilschaukel hinter Wipplers Bäckerei.
Ein kurzes Päuschen. Leila genießt die Sonne auf dem Brezel-Klettergerüst mit Seilschaukel hinter Wipplers Bäckerei.

Kinder gehen nach Geschlechtern getrennt in die Schule. Genau so ist es in den Bädern. Ich genieße die Freiheit in Deutschland“, erzählt Leila in der Mittagspause.

In der Hand hält sie einen Teller mit Streusel- und Pflaumenkuchen. Das sind ihre Lieblingssorten. Und die kann sie auch bald selbst backen.

Ihre Ausbildung zur Konditorin erfolgt dual - zwei Tage Berufsschule, drei Tage Arbeit in der Bäckerei. Nach zwei Jahren folgt die erste Zwischenprüfung, nach drei Jahren die Gesellenprüfung. Und dann ist Leila ein „Ghanad“.

Leila geht zum Deutsch lernen am liebsten ins Kino

Ist sie mit der Arbeit in der Backstube fertig, geht Leila am liebsten ins Kino.
Ist sie mit der Arbeit in der Backstube fertig, geht Leila am liebsten ins Kino.

„Ich gehe so gern ins Kino“, strahlt Leila.

„Und Dresden hat tolle und vor allem viele Kinos. Am liebsten geh ich ins Cinemaxx oder in den Ufa-Palast. Oder zu den Filmnächten am Elbufer. Ich erlebe sie in diesem Jahr das erste Mal. Unglaublich schön.“

Leila guckt sich alle Filme in Deutsch an: „So lerne ich noch viel schneller die Sprache.“

Leilas zweite Leidenschaft ist ziemlich weiblich. „Ich gehe gern in der Innenstadt shoppen. Oder einfach mal nur so durch die Geschäfte bummeln.“

Die Iranerin hat in unserer Stadt ihr neues Zuhause gefunden.

Bei aller Liebe zu Dresden, Stollen ist nicht Leilas Ding

Streusel- und Pflaumenkuchen mag Leila am liebsten. Stollen ist dagegen nicht ihr Ding.
Streusel- und Pflaumenkuchen mag Leila am liebsten. Stollen ist dagegen nicht ihr Ding.

„Das schmeckt mir nicht“ - ist wörtlich zu nehmen.

Obwohl Leila in der Backstube schon mit Dresdner Christstollen Bekanntschaft geschlossen hat, gibt sie zu: „Ich habe den Stollen schon gepudert und verpackt, aber er schmeckt mir nicht wirklich.“

Vielleicht liegts daran, dass der Stollen für Leila kein „Heiligtum“ wie für die Dresdner ist.

„In meiner islamischen Heimat Iran wird ja auch kein Weihnachtsfest gefeiert, dafür ab 21. März Nouruz, ein großes Frühlingsfest.

„Wir feiern 13 Tage lang bis zum 2. April, besuchen Freunde und Familienmitglieder.“

Fotos: Norbert Neumann


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