Energie jetzt Vorletzter: Kann Wollitz Cottbus noch retten?

Cottbus - Wer Claus-Dieter Wollitz beim Spiel gegen 1860 München an der Seitenlinie herumtoben gesehen hat, merkt seine enorme Emotionalität und Bindung zu diesem Verein, der Region und seiner Aufgabe. Nach der erneuten Niederlage wackelt der Trainerstuhl gewaltig.

Claus-Dieter Wollitz fordert einen aggressiven Auftritt gegen Preußen Münster.
Claus-Dieter Wollitz fordert einen aggressiven Auftritt gegen Preußen Münster.

Als der Abpfiff ertönte, ging Trainer Claus-Dieter Wollitz schleunigst zum Schiedsrichter Arne Aarnink. Nach einem kurzen emotionalen Plausch verschwand Wollitz umgehend in den Spielertunnel.

Schnell merkte man dem 53-jährigen an, der enttäuschende Ausgang des Spiels hat Nerven gekostet.

Nach dem Spiel klärte er auf: "Ich bin zum Schiedsrichter hingegangen und wollte über das aus meiner Sicht klare Foulspiel vor dem 0:1 sprechen und erfahren, warum ich auf die Tribüne musste. Herr Aarnink wollte das nicht auf dem Spielfeld besprechen, sondern im Kabinentrakt."

Wollitz führte fort: "Deshalb bin ich in schnell die Kabine, habe mir die Szene im TV angeschaut und bin anschließend zum Schiedsrichter hoch. Die TV-Bilder zeigten ganz klar, dass das ein Foul an Lasse Schlüter war, der von hinten umgestoßen wird. Das muss gepfiffen werden!"

Jenes Foul charakterisierte das Duell der Aufsteiger bestens. Wenig Spielfluss sollte aufkommen und echte Chancen waren Mangelware. Die 10.209 Fans im Stadion der Freundschaft sahen eine Partie, die von harten Zweikämpfen und hoher Emotionalität geprägt war.

Zum Höhepunkt kam es, als Wollitz aufgrund heftigen Reklamierens auf die Tribüne verbannt wurde. Eine Szene vor dem Cottbuser Gegentreffer brachte ihn in Rage.

Erst im Sommer schaffte Energie Cottbus den Sprung in Liga drei.
Erst im Sommer schaffte Energie Cottbus den Sprung in Liga drei.  © DPA

Insgesamt hatte Energie mehr vom Spiel, dennoch muss sich das Team den Vorwurf gefallen lassen, die wenige Chancen nicht genutzt zu haben. Ganz im Gegenteil agierte 1860, die zwei ihrer wenigen Konter mit Toren krönten.

Nach dieser bitteren Niederlage bleibt es in Cottbus weiter unruhig. Vor dem Spiel wollte Coach Wollitz nichts von Untergangs-Szenarien wissen und setzte den Fokus auf die wichtigen kommenden Spiele. Nach zuletzt drei Niederlagen muss sich aber auch der 53-jährige Gedanken machen, ob er Energie noch retten kann bzw. darf.

Direkt nach dem Spiel war keiner der Energie-Verantwortlichen zu einer Stellungnahme bereit. Das könnte sich in den nächsten Tagen ändern.

Eine Entlassung von Wollitz wäre kein branchenüblicher Schritt im schnelllebigen Fußballgeschäft, denn der Trainer entwickelte sich zum großen Cottbuser Hoffnungsträger, der den Verein erst im Sommer zurück ins Profigeschäft führte.

Momentan ist ein Trainerwechsel schwer vorstellbar, weil keiner der Energie-Verantwortlichen so die Region, den Verein verkörpern, wie Wollitz. Der im westfälischen Brakel geborene Fußball-Lehrer war für die jüngsten Erfolge des Vereins hauptverantwortlich und genießt (noch) das volle Vertrauen der Fans, Verantwortlichen.

Fraglich blieb zuletzt, ob die Mannschaft noch hinter dem Trainer steht. Es rumorte ordentlich, sogar Wollitz gab zu, dass seine Mannschaft nicht den nötigen Teamgeist zeige, den es im Abstiegskampf benötige. Darauffolgend drehte er jeden Stein am Stadion der Freundschaft um, berief einen neuen Spielerrat und ernannte Routinier Dimitar Rangelow zum neuen Kapitän. Alles für den Heimsieg gegen 1860.

Nach dem erneuten Tiefschlag könnte Energie einen neuen Impuls gebrauchen. Ob auf der Trainerbank oder in der wichtigen Spielvorbereitung für die Abstiegskrimi gegen Sonnenhof Großaspach bleibt fraglich.

Niemals Aufgeben: Energies Fans sorgen sich um ihren Verein.
Niemals Aufgeben: Energies Fans sorgen sich um ihren Verein.  © DPA

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