Knast oder Spion: Geheimdienst will Islamisten anwerben

Der Sitz des britischen Geheimdienstes MI5 in London Millbank.
Der Sitz des britischen Geheimdienstes MI5 in London Millbank.  © DPA

London – Viele islamistische Europäer sind in den vergangenen Jahren nach Syrien in den heiligen Krieg gezogen. Inzwischen - vor allem durch das Zurückdrängen des IS – kehren die meisten von ihnen wieder zurück in ihre Heimatländer.

In Großbritannien will man sich das zweifelhafte Wissen dieser ehemaligen IS-Kämpfer zu nutze machen. Dort sollen Islamisten, die ins Land zurück kommen wollen, gezielt für den Geheimdienst angeworben werden, berichtet der Daily Star unter Berufung auf Geheimdienst-Insider.

Voraussetzung soll allerdings sein, dass sich vom radikalen Islam abwenden und bereit sind, für das Vereinigte Königreich zu kämpfen – genauer gesagt, zu spionieren.

Insider erklären, viele von ihnen hätten sich dem Islamischen Staat angeschlossen, um das Assad-Regime zu stürzen. Sie seien aber von der Realität innerhalb dieser Terrorgruppe schockiert gewesen und hätten sich abgewendet.

Der britische Geheimdienst will ehemalige IS-Kämpfer anwerben.
Der britische Geheimdienst will ehemalige IS-Kämpfer anwerben.  © DPA

Als Gegenleistung wird ihnen Straffreiheit angeboten. Für viele sei es eine bessere Alternative, für Großbritannien zu spionieren, als sein Leben im Gefängnis zu fristen.

Denn den meisten potentiellen Rückkehrern drohen jahrelange Gefängnisstrafen, etwa wegen Terrorismus. Der britische Geheimdienst MI5 soll die Ausbildung übernehmen und auch sicher stellen, dass sie ihr früheres Leben als radikale Muslime wirklich hinter sich gelassen haben.

Die umgedrehten Islamisten sollen dann als Spione in radikale Moscheen oder in Terrorzellen in Großbritannien eingeschleust werden, um Anschläge im Vorfeld auffliegen zu lassen. Sicherheitsexperten fürchten, dass sich in sehr vielen muslimischen Gemeinden des Landes auch Terror-Sympathisanten befinden. Auch diese ließen sich durch diese neuen Agenten besser identifizieren und im Auge behalten.

Aber auch eine Rückkehr als Doppelagent in den Irak oder nach Syrien ist eine Option in den Plänen des Geheimdienste.

Ein Insider erklärte gegenüber der Zeitung, dass es vielen Menschen sicher Bauchschmerzen bereitet, zu wissen, dass ehemalige radikale Islamisten und sogar Terroristen straffrei ausgehen und das Land schützen sollen, was sie bis vor kurzem gehasst haben.

Doch er setzt ganz pragmatisch auf die Vorteile: "Dschihadisten als Spione zu bekommen, ist wahrscheinlich die beste Waffe, die wir in diesem Krieg habe."

Titelfoto: DPA


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