Enkeltrick, falsche Polizisten: Warum klappen die Maschen immer noch?!

Stuttgart - Mit dem sogenannten Enkeltrick ergaunerten Betrüger in Heidelberg mehrere Tausend Euro von einer 70 Jahre alten Frau.

Der Betrug am Telefon hat Konjunktur. (Fotomontage/Symbolbild)
Der Betrug am Telefon hat Konjunktur. (Fotomontage/Symbolbild)  © dpa/dpa

Und falsche Polizisten brachten kurze Zeit später eine 82-Jährige in Stuttgart um Zehntausende Euro. Mitte Mai wurde ein 20-Jähriger in Kehl im Ortenaukreis festgenommen, als er einen Senioren um 22.000 Euro erleichtern wollte.

Immer wieder gelingt es Kriminellen auch im Südwesten, vor allem ältere Menschen hereinzulegen und ihnen mitunter hohe Geldsummen zu stehlen.

Dabei sind die Tricks bekannt, Polizei und andere Behörden klären regelmäßig über die Masche der Betrüger auf. Warum fallen trotzdem noch Menschen darauf rein?

"Das Perfide ist, dass die Täter relativ professionell und geschult vorgehen", sagt Kriminaloberrat Harald Schmidt. Der Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart hat bereits viele Betrugsmaschen erlebt.

"Nach meiner Überzeugung sind vor allem viele ältere Menschen die Opfer, die keine Medien konsumieren und unsere Botschaften nicht wahrnehmen. Und dann ist es häufig auch so: Das eine ist es, etwas zu lesen und wahrzunehmen, und das andere, es im konkreten Fall auch für sich selbst anwenden zu können", so Schmidt.

Die Vorgehensweise sei meist eine Mischung aus Druck und Charme. "Das fängt beim Liebesbetrug zum Beispiel mit einer netten Person an, die eine entsprechend emotionale Beziehung aufbaut", sagt Schmidt. "Da spielen dann sehr schnell Gefühle eine Rolle. Die Opfer beschreiben oftmals: Der Täter oder die Täterin hat mich genauso angenommen, wie ich bin. Er wurde zu einem festen Bestandteil des Lebens."

Vertrauen wird aufgebaut

Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.
Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.  © dpa/Polizeiliche Kriminalprävention

Aus diesem Vertrauensverhältnis heraus würden die Betrüger dann eine Geschichte erfinden. So heiße es zum Beispiel: Ich reise bald zu Dir nach Deutschland, vorher muss ich aber noch ein Visum beantragen - kannst Du mir dafür Geld leihen?

"Die Opfer sind meist so manipuliert und vertrauensselig, dass sie bereit sind, das Geld zu bezahlen", sagt Schmidt. "Dazu kommen aber auch Druckmomente: Mir sind Fälle bekannt, wo vorgegaukelt wurde, dass der Liebste in Haft ist oder bedroht wird, und dann Geldforderungen geltend gemacht wurden."

Die Betrugsmasche am Telefon beschere den Ermittlern "boomende Fallzahlen", sagte der Vizepräsident des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, Andreas Stenger, bei einer Veranstaltung im März. Eine verletzliche Opfergruppe werde davon überschwemmt.

Die Anzeigen allein bei den Fällen mit falschen Polizeibeamten habe sich 2018 verdreifacht. Allerdings blieb es bei 97 Prozent beim Versuch. Das zeige, dass die Prävention wirke, sagte Stenger damals.

Call-Center in der Türkei

Neben dem Enkeltrick ist auch die Masche der falschen Polizisten sehr beliebt. (Symbolbild)
Neben dem Enkeltrick ist auch die Masche der falschen Polizisten sehr beliebt. (Symbolbild)  © DPA

Ältere Menschen sind nach Einschätzung der Opferschutzorganisation Weisser Ring meist das Ziel, weil sie häufig über Vermögen verfügen.

Hinter den Anrufen stecken demnach teilweise auch professionell organisierte Call-Center in der Türkei. Die perfiden Maschen würden sich immer wieder ändern. Aufklärung sei daher dringend nötig - nicht, um Angst zu schüren, sondern um ein gesundes Maß an Misstrauen zu wecken.

Harald Schmidt und seine Kollegen von der Kriminalprävention versuchen beispielsweise, Bankangestellte, aber auch Angehörige und Nachbarn zu sensibilisieren, damit sie einschreiten, wenn etwas verdächtig sei. "Die Anzeigezahlen zeigen, dass wir noch lange nicht am Ende der Aufklärung sind. Steter Tropfen höhlt den Stein."

Beim Theaterstück "Hallo Oma, ich brauch Geld!" werden ältere Menschen schon seit mehreren Jahren über die Abzocke aufgeklärt. Indem einzelne Zuhörer aktiv auf der Bühne mitmachen, werde ihr Bewusstsein für diese Kriminalitätsform gestärkt, heißt es bei der Stadt Stuttgart.

Aus Sicht des Landesseniorenrats kann gar nicht oft genug über die Tricks der Gauner gesprochen werden - weil es immer wieder Leute gebe, die darauf reinfallen. Viele würden im Moment des Anrufs alle Warnungen vergessen.

Das Schlimme sei, dass viele Opfer eines solchen Betruges hinterher enttäuscht von den Menschen seien und auch ein wenig das Vertrauen in ihr Gegenüber verlören, sagt Schmidt. "Da darf man auch auf keinen Fall sagen: Wie konntest Du nur?" Stattdessen müsse man empathisch sein und sich in die Rolle des Opfers versetzen.

Titelfoto: dpa/dpa

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