Erfundene Entführung: Falscher Schulleiter muss ins Gefängnis

Lübeck - Ein 39 Jahre alter Supermarkträuber und angebliches Entführungsopfer muss für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Lübecker Landgericht verurteilte den Mann am Mittwoch wegen schwerer räuberischer Erpressung und Vortäuschen einer Straftat.

Anwalt Christian Schumacher (links) hat den Verurteilten im Prozess verteidigt.
Anwalt Christian Schumacher (links) hat den Verurteilten im Prozess verteidigt.  © dpa/Markus Scholz

Er hatte gestanden, im Juli 2018 zwei Angestellte eines Discounters mit einer Softairwaffe bedroht und die Tageseinnahmen des Marktes geraubt zu haben.

Auch seine inszenierte Entführung im Oktober 2018 hatte er im Prozess zugegeben.

Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre, die Verteidigung drei Jahre und drei Monate Haft gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Obwohl der Angeklagte auch gestanden hatte, sich im Sommer 2017 mit gefälschten Zeugnissen eine Anstellung als Leiter einer außerschulischen Betreuungseinrichtung erschlichen zu haben, wurde der Anklagevorwurf des Betrugs vorläufig eingestellt.

Um das zu beweisen, wäre eine weitere aufwendige Beweiserhebung nötig gewesen, die die Gesamtstrafe jedoch nicht wesentlich erhöht hätte, sagte Oberstaatsanwältin Bettina von Holdt nach der Urteilsverkündung.

In seinem letzten Wort hatte der Angeklagte noch einmal betont, dass er sich für seine Taten schäme: "Besonders das, was ich den beiden Mitarbeiterinnen des Discounters angetan habe, tut mir unendlich leid."

Ermittler suchten mit hohem Aufwand nach vermeintlichen Entführern

Ein Stacheldrahtzaun schützt das Landgericht Lübeck, vor dem der Fall verhandelt wurde.
Ein Stacheldrahtzaun schützt das Landgericht Lübeck, vor dem der Fall verhandelt wurde.  © dpa/Markus Scholz

Eine 51 Jahre alte Supermarktkassiererin hatte am ersten Verhandlungstag unter Tränen ausgesagt, sie könne seit dem Überfall nicht mehr arbeiten und habe Angst, ihre Wohnung zu verlassen.

Bei dem Überfall hatte der Angeklagte mehr als 4000 Euro erbeutet.

Nachdem er wegen des Überfalls gefasst und gegen Meldeauflagen von der Untersuchungshaft verschont worden war, täuschte er drei Monate später seine Entführung vor, wohl um eben jene Meldeauflagen zu umgehen.

Diese Inszenierung habe die Polizei ganz erheblich in Atem gehalten, sagte Richter Kai Schröder in der Urteilsbegründung.

Zuvor hatte ein Kriminalbeamter geschildert, mit welchem Zeit- und Personalaufwand die Behörden nach den angeblichen Entführern des 39-Jährigen gesucht hatten.

"Bei Ihrer Persönlichkeit war mit einem Geständnis nicht unbedingt zu rechnen", sagte Schröder zu dem Angeklagten. Er riet ihm, regelmäßig in den Spiegel zu schauen, um zu erkennen, wer er wirklich sei.

Eine Sachverständige hatte über den Angeklagten gesagt, es bestehe bei ihm ein großer Spalt zwischen Wunsch und Wirklichkeit (TAG24 berichtete).

Titelfoto: dpa/Markus Scholz

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