Erfinder des modernen Zoos: Carl Hagenbecks Geburtstag jährt sich zum 175. Mal

Hamburg - Dass aus dem Hamburger Carl Hagenbeck im frühen 20. Jahrhundert der wohl berühmteste Zoodirektor der Welt werden sollte, ist im Grunde ein paar Seehunden zu verdanken.

Die Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Jahr 1907 (links) zeigt den Zoo-Gründer Carl Hagenbeck (Mitte) mit seinen beiden Söhnen und einem Tiger. Die zweite Aufnahme zeigt Carl Hagenbeck allein im Jahr 1907.
Die Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Jahr 1907 (links) zeigt den Zoo-Gründer Carl Hagenbeck (Mitte) mit seinen beiden Söhnen und einem Tiger. Die zweite Aufnahme zeigt Carl Hagenbeck allein im Jahr 1907.  © Unbekannt/Archiv Carl Hagenbeck GmbH/dpa

Die hatten Fischer nämlich seinem Vater - einem Fischhändler - als Beifang mitgebracht. Der geschäftstüchtige Hanseat stellte die sechs putzigen Tiere kurzerhand auf dem Spielbudenplatz als Attraktion aus und nahm dafür Eintrittsgeld.

Sein Sohn war damals noch keine vier Jahre alt. Doch mit der Schau wurde der Grundstein für den Hagenbeck'schen Tierhandel gelegt, den Carl Hagenbeck (1844-1913) später als junger Mann übernahm und aus dem sich später der Tierpark Hagenbeck entwickeln sollte.

Am 10. Juni jährt sich sein Geburtstag zum 175. Mal.

Der junge Hagenbeck hatte ein Gespür sowohl für exotische Tiere als auch fürs Geschäft, sagt Klaus Gille, Archivar des Tierparks Hagenbeck. Und so merkte er schnell, dass sich mit guter Unterhaltung gutes Geld machen ließ.

Als Tierhändler war er geschickt darin, gefragte Tiere aus aller Welt beschaffen zu lassen. Er belieferte alle wichtigen Zoos der Welt – und auch Privatleute. Gille zufolge galt er bald als einer der wichtigsten Tierhändler Europas.

Die Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Jahr 1907 zeigt das ursprüngliche Eingangstor des Tierparks Hagenbeck.
Die Schwarz-Weiß-Aufnahme aus dem Jahr 1907 zeigt das ursprüngliche Eingangstor des Tierparks Hagenbeck.  © Unbekannt/Archiv Carl Hagenbeck GmbH/dpa

Da er die exotischen Tiere bis zum Weiterverkauf ohnehin versorgen musste, entdeckte Hagenbeck schnell eine Marktlücke: "Er sagte sich: 'Wenn ich sie schon füttern muss, kann ich sie auch ausstellen!'", sagt Gille weiter.

1887 eröffnete er seinen ersten Zirkus und erfand die zahme Dressur, bei der die Tiere mit Belohnungen statt mit Strafen trainiert wurden. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren die Hagenbecker Zoos in vielen Ländern unterwegs und machten so den Namen zur Marke.

Biograf August Heinrich Kober bescheinigte Hagenbeck eine "innigste Tierliebe" und "einzigartige, beispielhafte Menschen- und Tierkenntnis". Davon getrieben war dem Hamburger schon früh wichtig, dass Löwen, Tiger, Elefanten, Pinguine und Co. möglichst ohne Gitter präsentiert werden können.

"Hagenbeck war ein Visionär. Er hatte bestimmte Vorstellungen davon, wie Unterhaltung zu organisieren war, was man den Leuten anbieten sollte", sagt Archivar Gille.

1907, als 62 Jahre alter Mann, erfüllt er sich seinen Lebenstraum und eröffnet vor den Toren Hamburgs einen Zoo, den es in der Art zuvor noch nie gegeben hatte: ein Tierpark mit scheinbar in freier Wildbahn lebenden Tieren. Löwen und Tiger wurden erstmals in prächtigen, der Natur nachempfundenen Kulissen hinter unsichtbaren Gräben gezeigt. Keine Gitterstäbe, keine hohen Zäune.

Das galt als Weltsensation. Mit seinem Tierpark hatte Hagenbeck die Zooarchitektur revolutioniert und gilt deshalb noch heute als der Erfinder des modernen Zoos. Der Tierpark Hagenbeck steht bis in die Gegenwart noch für innovative Konzepte - wie das Tropenaquarium und das Eismeer bewiesen.

Auch heute ist Hagenbecks Tierpark ein beliebtes Ausflugsziel: Besucher füttern in Hagenbecks Tierpark Elefanten im Außengehege. Am 10.06.2019 wäre der 175. Geburtstag von Carl Hagenbeck, Gründer des Zoos, gewesen.
Auch heute ist Hagenbecks Tierpark ein beliebtes Ausflugsziel: Besucher füttern in Hagenbecks Tierpark Elefanten im Außengehege. Am 10.06.2019 wäre der 175. Geburtstag von Carl Hagenbeck, Gründer des Zoos, gewesen.  © Daniel Bockwoldt/dpa

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