Feuerwehrmann tot! Sturmtief "Friederike" hinterlässt immense Schäden in Thüringen

Die Bundeswehr half bei der Bergung des toten Feuerwehrmannes.
Die Bundeswehr half bei der Bergung des toten Feuerwehrmannes.  © News5/Ittig

Erfurt/Bad Salzungen - Orkantief "Friederike" hat in Thüringen ein Todesopfer gefordert. Im Wartburgkreis wurde am Donnerstag ein 28 Jahre alter Feuerwehrmann aus Bad Salzungen von einem Baum erschlagen.

Er wollte eine Autofahrerin befreien, die wegen umgestürzter Bäume in ihrem Wagen eingeschlossen war. Außerdem sei ein 57 Jahre alter Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Bad Salzungen schwer verletzt worden, teilte der Wartburgkreis mit. Das Sturmtief war seit dem frühen Nachmittag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 138 Stundenkilometern über den Freistaat hinweggefegt.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) reagierte betroffen. "Meine Anteilnahme gilt der Familie, schnelle Genesung dem Kameraden", twitterte er. Landrat Reinhard Krebs (CDU) besuchte gemeinsam mit Bad Salzungens Bürgermeister Klaus Bohl (Freie Wähler) die Freiwillige Feuerwehr in Bad Salzungen. "Der Wartburgkreis wird alles tun, um die Angehörigen zu unterstützen", sagte Krebs.

Auf der A71 in Höhe des Erfurter Beckens stürzte ein Laster um.
Auf der A71 in Höhe des Erfurter Beckens stürzte ein Laster um.  © Marcus Scheidel

Allein in Erfurt 227 Einsätze

Das Orkantief hatte in ganz Thüringen zu erheblichen Verkehrsbehinderungen gesorgt und Feuerwehren, Polizei sowie Rettungsdienste in Atem gehalten. Die Landeseinsatzzentrale registrierte am Nachmittag knapp 300 sturmbedingte Einsätze. Böen warfen auf den Autobahnen Lastwagen um, was teilweise zu Vollsperrungen führte, wie die Landespolizei mitteilte. Allein in der Landeshauptstadt Erfurt registrierte die Leitstelle der Feuerwehr zwischen 13 Uhr und 18.30 Uhr 227 wetterbedingte Einsätze.

Die Deutsche Bahn stellte den Zugverkehr in Thüringen vorerst komplett ein. Auch das private Verkehrsunternehmen Abellio Rail Mitteldeutschland stoppte am Nachmittag den Regionalverkehr auf den Strecken Halle-Kassel, Halle-Saalfeld, Sangerhausen-Erfurt, Halle-Eisenach, Leipzig-Saalfeld und Leipzig-Erfurt. Bundesweit stellte die Deutsche Bahn den Fernverkehr aus Sicherheitsgründen ein.

In Erfurt-Bindersleben stürzte ein Verkehrsschild auf einen Pkw. Der Fahrer blieb unverletzt.
In Erfurt-Bindersleben stürzte ein Verkehrsschild auf einen Pkw. Der Fahrer blieb unverletzt.  © dpa/Kathleen Sturm

In Pößneck hob der Sturm den kompletten Dachaufbau einer Grundschule ab, der auf den Schulhof stürzte. Die Kinder im Schulgebäude wurden nicht verletzt. Mehrere Schulen in Thüringen verkürzten wegen des Unwetters den Unterricht, wie das Bildungsministerium mitteilte.

Mit 138 Kilometern pro Stunde erreichte "Friederike" in Teilen Thüringens Orkanstärke. Dieser Rekordwert wurde am Nachmittag in Gera gemessen, sagte Meteorologe Thomas Hain vom Deutschen Wetterdienst (DWD) auf Anfrage. "Das ist Windstärke zwölf - mehr geht nicht." Im Raum Erfurt, wo "Friederike" ebenfalls mit Windstärke 12 blies, deckte der Sturm mehrere Dächer ab und riss Ampelanlagen und Straßenschilder um.

Auf der Bundesstraße 7 bei Erfurt stürzte am Mittag ein Verkehrsschild auf die Straße. Die Insassen eines Autos, das zu diesem Zeitpunkt die Straße befuhr, hätten das Fahrzeug glücklicherweise verlassen können, teilte die Polizei mit. Sie erlitten aber einen Schock. Landesweit verursachten Bäume, die in Leitungen gestürzt waren, Stromausfälle. Betroffen waren vor allem die Kreise Unstrut-Hainich, Nordhausen, Greiz und Eichsfeld. Am Abend waren nach Angaben der Thüringer Energieversorgung noch etwa 20.000 Haushalte ohne Strom.

Am frühen Abend wurde die Unwetterwarnung für Thüringen nach DWD-Angaben schrittweise wieder aufgehoben.

Die Feuerwehr in Erfurt rückte zu insgesamt 227 wetterbedingten Einsätzen aus.
Die Feuerwehr in Erfurt rückte zu insgesamt 227 wetterbedingten Einsätzen aus.  © Tom Wunderlich