Doping-Skandal weitet sich aus: ARD belastet deutschen Olympia-Starter

Erfurt -Als im Februar die Nordischen Skiweltmeisterschaften in Seefeld stattfanden, wurde die Wintersport-Szene von einem Doping-Skandal aufgeschreckt. Nahezu täglich kommen neue Details über ein Doping-Netzwerk ans Licht. Mittlerweile ist auch Deutschland ins Visier der Ermittler geraten.

Sind das genau die Gegenstände, die ein Arzt und Sportler benötigen, um Eigenblutdoping zu betreiben?
Sind das genau die Gegenstände, die ein Arzt und Sportler benötigen, um Eigenblutdoping zu betreiben?  © Zollfahndungsamt München

Laut ARD-Informationen war auch ein deutscher Olympiastarter Doping-Kunde des umstrittenen Doping-Netzwerks. Die namentlich nicht genannte Person, ein Eisschnellläufer, könnte damit Kunde des mutmaßlichen Doping-Arzts Mark Schmidt gewesen sein.

Als der Skandal aufflog, richtete sich der Verdacht auf österreichische Athleten. Im Internet war schnell ein Polizei-Video aufgetaucht, dass den Österreicher Max Hauke zeigte, wie er sich Blut verabreichte. Die Nadel steckte dabei noch in seiner Armbeuge (TAG24 berichtete).

Mittlerweile sollen laut ARD 21 Sportler aus 8 verschiedenen europäischen Ländern unter Verdacht stehen, Blutdoping betrieben zu haben.

Der Name des unter Verdacht geratenen deutschen Sportlers sei der Nationalen Anti Doping Agentur bekannt. Er wurde von der ARD-Dopingredaktion am Telefon erreicht, wollte sich jedoch nicht äußern.

Auch die Staatsanwaltschaft München gab keine Stellungnahme zu dem Fall ab.

Die Blutbeutel wurden in einem Kühlschrank aufbewahrt.
Die Blutbeutel wurden in einem Kühlschrank aufbewahrt.  © Zollfahndungsamt München

Vermutet wird, dass sich die Athleten des Erfurter Netzwerks Blutkonzentrat in den Körper eingespritzt hätten.

Nach der Landung am Olympiaort in Pyeongchang (Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2018) sollen die Athleten das Blut wieder abgezapft haben. Vor dem Beginn der Wettkämpfe wurde das Blut erneut zugeführt.

Ein solches Verhalten sei definitiv "kriminell", sagte der Berliner Sportmediziner und Internist Fernando Dimeo gegenüber ARD. Gleichzeitig wären auch die Gefahren enorm. Gerinnsel und Thrombosen könnten für die Doping-Athleten sogar "lebensgefährlich" werden.

Die Verdachtsmomente fallen mittlerweile auf fünf Sportarten. Eine davon wurde nicht namentlich genannt.

Neben dem Eisschnelllauf und Ski-Langlauf sollen auch Leichtathletik und Radsport stark von der Doping-Affäre betroffen sein, was besonders bei letzterer Sportart angesichts bekanntgewordener Doping-Fälle in den vergangenen Jahren kaum überraschen dürfte.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt im Falle des Doping-Netzwerks. Bilder aus dem Labor wurden veröffentlicht.
Die Staatsanwaltschaft München ermittelt im Falle des Doping-Netzwerks. Bilder aus dem Labor wurden veröffentlicht.  © Zollfahndungsamt München

Update, 8.40 Uhr: Der deutsche Eisschnelllauf-Verband reagierte bestürzt auf den ARD-Bericht.

"Dem medial erhobenen Verdacht gegen eine/n deutschen Eisschnellläufer/Eisschnellläuferin muss mit allen Mitteln nachgegangen werden", hieß es in einer Mitteilung.

"Nach unserem Wissensstand war kein Athlet/-in unseres Verbandes mit dem beschuldigten Arzt in Kontakt", wurde dort jedoch auch mitgeteilt.

Auf der am vergangenen Wochenende stattgefundenen Pressekonferenz hatte sich der zuständige Oberstaatsanwalt Kai Gräber aus ermittlungstaktischen Gründen noch bedeckt gehalten, ob deutsche Sportler in den Doping-Skandal involviert seien.

Titelfoto: Zollfahndungsamt München

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