So viel Entschädigung bekommen die NSU-Opfer von Thüringen

Erfurt - Wenige Tage vor dem Urteil im Münchner NSU-Prozess hat Thüringen einen mit 1,5 Millionen Euro dotierten Hilfsfonds für die Opfer der rechten Terrorzelle aufgelegt.

Thüringens Justizminister Dieter Lauinger (Grüne).
Thüringens Justizminister Dieter Lauinger (Grüne).  © DPA

Die Familien der zehn Mordopfer sollen aus dem Fonds pauschal einen Betrag von jeweils.

100.000 Euro erhalten, wie Thüringens Justizminister Dieter Lauinger (Grüne) am Dienstag in Erfurt sagte. Die restlichen Gelder seien für die Menschen bestimmt, die durch die Rechtsterroristen verletzt wurden. Auch bei Härtefällen könnte der Fonds einspringen. "Wir bekennen uns zu unserer Verantwortung", sagte Lauinger.

Die Haupttäter des NSU stammen aus Jena in Thüringen. Sie sollen zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordet haben. Der Ausschuss hatte den Thüringer Ermittlungsbehörden Versagen bei der Verfolgung der Rechtsterroristen bescheinigt.

Als Konsequenz daraus beauftragte der Landtag im vergangenen Jahr die rot-rot-grüne Landesregierung, einen Entschädigungsfonds für die Opfer zu schaffen.

Die Regeln zur Auszahlung des Millionenbetrags seien nun vom Kabinett gebilligt worden, sagte Lauinger. "Wir wollten es unbürokratisch machen", begründete er die Pauschalzahlung für die Familien der Mordopfer.

Beate Zschäpe soll an den NSU-Morden beteiligt gewesen sein. Ihr wird seit Jahren in München der Prozess gemacht.
Beate Zschäpe soll an den NSU-Morden beteiligt gewesen sein. Ihr wird seit Jahren in München der Prozess gemacht.  © DPA

Pauschalen sollen auch für die Verletzten gelten - je nach schwere der Verletzungen würden jeweils 20.000 Euro, 10.000 Euro oder 3000 Euro gezahlt, sagte der Minister.

Wie viele Menschen durch die NSU-Mitglieder verletzt wurden, konnte Lauinger nicht genau beziffern.

Sowohl die Bundesregierung als auch die Anwälte der Opferfamilien seien bei der Diskussion der Thüringer Entschädigungsregelung einbezogen worden, sagte Lauinger. Auch der Bund hatte eine Opferentschädigung gezahlt. "Vergleichbare Regelungen anderer Bundesländer sind mir nicht bekannt", äußerte der Minister.

Den Thüringer Ermittlungsbehörden waren eklatante Fehler bei der Verfolgung des NSU um Zschäpe, Mundlos, Böhnhardt sowie ihren mutmaßlichen Helfer bescheinigt worden.

Nach Einschätzung des NSU-Untersuchungsausschusses im Landtag hätte die Mordserie verhindert werden können, wenn die Behörden diese Fehler nicht begangen hätten.

Erst im November 2011 flog der NSU nach einem Banküberfall auf, nachdem die Leichen von Mundlos und Böhnhardt in Eisenach gefunden worden waren.

Titelfoto: DPA


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