Terror, Islamisten, Reichsbürger: So hilflos fühlen sich diese Polizisten

Im Februar 2014 wurde der Einsatzleiter aus den Reihen einer rechten Demo heraus angegriffen und verletzt.
Im Februar 2014 wurde der Einsatzleiter aus den Reihen einer rechten Demo heraus angegriffen und verletzt.  © DPA

Mühlhausen - Angst, Hilflosigkeit und Überalterung - in einem offenen Brief fand eine Polizistin vor einem Jahr deutliche Worte. Was hat sich seither getan?

Vor einem Jahr hatte eine Beamtin der Inspektion (PI) Unstrut-Hainich ihrem Herzen Luft gemacht. Im November 2016 veröffentlichte die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) Thüringen ihren Brief. Tenor: Die Sicherheitskräfte gehen am Stock.

Die Beamtin zeichnete das Bild einer überalterten Truppe - mit über 48 Jahren im Schnitt -, die völlig unterbesetzt ist und deren Beamte im Einsatz immer öfter verletzt werden. "Was passiert, wenn wir dieses Gefühl der Hilflosigkeit, der nackten Angst einfach nicht mehr loswerden?", fragte die Frau. Und weiter: "Für die Zukunft der Thüringer Polizei sehen wir nur schwarz, wenn nicht endlich mehr als 155 Anwärter im Jahr eingestellt werden."

Wenn Frank S. (Name geändert), Polizist bei der PI Unstrut-Hainich, von seinem Alltag berichtet, wirkt er resigniert. Wenn er früher im Einsatz nach Verstärkung gerufen habe, seien drei Wagen gekommen, erzählt S. "Das war eine ganz andere moralische Wirkung."

Reichsbürger, Islamisten, Gefährder: Immer öfter muss auch das SEK zu brenzligen Situationen anrücken.
Reichsbürger, Islamisten, Gefährder: Immer öfter muss auch das SEK zu brenzligen Situationen anrücken.  © Tom Wunderlich (Archivbild)

Heute komme mit Glück ein Wagen, in dem zwei Kollegen unter 50 säßen. S. spricht von Hilflosigkeit, Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit.

Die Sollstärke der Inspektion Unstrut-Hainich liegt bei 146 Beamten, wird aber seit Jahren nicht erfüllt. Die Zahl pendelte in den vergangenen fünf Jahren zwischen 120 und 130, zum Stichtag 1. Oktober waren es 127.

Im vergangenen Jahr gingen den Angaben zufolge drei Beamte in den Ruhestand, neun kamen immerhin dazu.

Auch auf Landesebene sind längst nicht alle Planstellen besetzt. Anfang des Jahres waren nach Angaben des Innenministeriums 5930 Beamte im Dienst - bei 6282 Planstellen. Vor fünf Jahren waren noch knapp 230 Beamte mehr auf dem Posten.

Auf Beschluss der CDU-geführten Regierung wurde jahrelang Personal abgebaut, in der Zwischenzeit kamen jedoch neue Aufgaben hinzu: Reichsbürger, Islamisten, Gefährder.

Untern Strich bleibt bleibt ein dickes Minus und Frank S. bilanziert: "Thüringen hat es definitiv verschlafen."

Die Polizisten in Thüringen fühlen sich zum Großteil hilflos.
Die Polizisten in Thüringen fühlen sich zum Großteil hilflos.  © DPA

Titelfoto: DPA


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