Nach Erschießung von Erfurter Waschbär: Feuerwehr wird beschimpft

Erfurt - Nach dem Tod des torkelnden Waschbär vom Erfurter Weihnachtsmarkt ist die Feuerwehr beschimpft worden.

Auch an einer Haltestelle kroch der Waschbär herum.
Auch an einer Haltestelle kroch der Waschbär herum.  © WichmannTV/dpa-Zentralbild/dpa

Das offensichtlich betrunkene Tier war am Wochenende auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs. Die Feuerwehr fing es ein. Laut erster Meldung der Polizei sollen die Kameraden den Waschbär ins Tierheim gebracht haben. Am Montag kam heraus, dass ein Jäger das Tier erschossen hat (TAG24 berichtete).

"Der Waschbär steht auf der EU-Liste der invasiven Arten", sagte Erfurts Stadtsprecher Daniel Baumbach. Der Verordnung nach müsse der Bestand dieser Tiere eingedämmt werden. Sie gelten als Gefahr für heimische Tierarten, etwa für Schlangen und Vögel. "Waschbären können auch heftige Infektionskrankheiten in sich tragen - das Staupevirus rafft etwa auch Hunde und Katzen dahin", so Baumbach.

Bei dem Jäger handle es sich um einen von vier Jägern, deren Jagdpacht auf dem Stadtgebiet liegt, erklärte der Stadtsprecher. Allein in der vergangenen Woche habe einer von ihnen vier Waschbären auf dem Stadtgebiet erlegt. Sie würden in einer Tierkörperbeseitigungsanlage verbrannt.

Ein Waschbär zwischen Besuchermassen ist ungewöhnlich

Der geschwächte Waschbär hatte sich unter einen Abfalleimer gelegt, um sich auszuruhen.
Der geschwächte Waschbär hatte sich unter einen Abfalleimer gelegt, um sich auszuruhen.  © WichmannTV/dpa-Zentralbild/dpa

Dass ein Waschbär, so wie das nun erschossene Tier am Samstag durch die Besuchermassen torkelte, sei ungewöhnlich, betonte Baumbach. Die Jagdbehörde habe aber kein Anzeichen für eine Krankheit bei dem Raubtier entdeckt. Nach Auffassung der Behörde sei denkbar, dass das sehr geschwächte Tier Alkohol genossen habe. Möglicherweise habe es aber auch Rattengift gefressen.

Nachdem die Tötung des Waschbären bekannt geworden ist, habe es etwa bei der Feuerwehr Anrufe mit Beschimpfungen gegeben, sagte Baumbach. Dabei hätten diese ohnehin nur Amtshilfe geleistet. Auch in sozialen Netzwerken wurde heftig über den Fall diskutiert.

Der Naturschutzbund (Nabu) Thüringen verweist derweil darauf, dass die Jagd auf Waschbären einer Sisyphusarbeit gleich komme. Die Bestandsdichte des Waschbären "wird man nicht durch Bejagung dezimieren können". Dabei spiele es keine Rolle, ob es um Waschbären gehe, die in der Stadt oder andernorts lebten, sagte Nabu-Sprecher Jürgen Ehrhardt.

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