Viele Hinweise, oft falscher Alarm: Paketboten und Kunden nach DHL-Erpressung verunsichert

Pakete ohne eindeutigen Absender verunsichern Kunden.
Pakete ohne eindeutigen Absender verunsichern Kunden.  © DPA

Potsdam/Berlin/Frankfurt (Oder) - DHL wird erpresst und die Angst verbreitet sich unter den Paketboten und Kunden wie ein Laubfeuer. Trotz zahlreicher Hinweise tappt die Polizei weiter im Dunkeln und falsche Alarme gehören für die Beamten zur Tagesordnung, wie die Märkische Oderzeitung berichtet.

Gerade zur Weihnachtszeit verschicken Deutsche gerne Pakete. Etwa sieben Millionen von ihnen sind derzeit täglich im Umlauf und stellen den Dienstleister vor eine schier unlösbare Aufgabe. "Es ist nahezu unmöglich, alle Pakete zu kontrollieren", stellte DHL-Sprecher Dirk Klasen am Montag fest.

Für die rund 60.000 Paketzusteller ist die Erpressung ein stetiger Begleiter, obwohl es aktuell keine konkreten Hinweise auf weitere Paketbomben gebe. Klasen versucht zu beruhigen: "Das Geschäft läuft völlig normal".

Doch nicht nur die Zusteller sind verängstigt. Auch nach den hinreichenden Warnungen des brandenburgischen Innenminister Karl-Heinz Schröter (63, SPD) mit verdächtige Pakete vorsichtig zu sein und im Zweifel die Polizei zu informieren (TAG24 berichtete), sind notwendig, tragen aber zur allgemeinen Verunsicherung weiter bei.

Schließlich könnten die Paketbomben zu schwersten Verletzungen oder sogar zum Tod führen.

Empfänger sind stark sensibilisiert

Die Fülle an Paketen macht es fast unmöglich, alles genau zu kontrollieren.
Die Fülle an Paketen macht es fast unmöglich, alles genau zu kontrollieren.  © DPA

Bis zum Dienstagmorgen seien 53 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, sagte Polizeisprecher Mario Heinemann.

Zudem hätten mehrere Male Bürger die Polizei alarmiert, weil sie verdächtige Pakete erhalten hatten. In allen Fällen seien Inhalt und Herkunft aber ohne Einsatz von Spezialkräften geklärt worden.

Weitere Aufregung kam am Montag hinzu, als ein verdächtiges Paket in der Erfurter Staatskanzlei einging. Der erste Verdacht, dass es sich um eine Wurfgranate handeln könnte, bestätigte sich nach ersten Untersuchungen nicht. In dem Paket befanden sich nach Angaben der Erfurter Staatsanwaltschaft zusammengerollte Kataloge.

Anonyme Versandwege im Fokus der Polizei

Ein DHL-Mitarbeiter steht vor der DHL-Paketstation an der Potsdamer Kantstraße Ecke Roseggerstraße, in der eine Paketbombe aufgegeben wurde.
Ein DHL-Mitarbeiter steht vor der DHL-Paketstation an der Potsdamer Kantstraße Ecke Roseggerstraße, in der eine Paketbombe aufgegeben wurde.  © DPA

Im Bereich Terrorismus und Schwerkriminalität arbeiten Polizei und Post bereits seit Längerem eng zusammen, um im Vorfeld verdächtige Pakete ausfindig zu machen.

Zudem beobachtet die Polizei einen neuen, anonymen Versandweg: Packstationen der Post. Den gleichen Weg nutzten auch der oder die Erpresser in Potsdam.

Bereits Anfang November ist in Frankfurt (Oder) ein Paket vom selben Erpresser zugestellt worden. Sie fordern von der DHL einen Millionenbetrag und drohen mit weiteren Paketbomben.

Am Freitag hatte eine Paketbombe am Potsdamer Weihnachtsmarkt einen Großalarm ausgelöst, wie TAG24 berichtete. Eine andere Paketbombe war schon einen Monat zuvor in Flammen aufgegangen.

Titelfoto: DPA


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