Wie im Dschungelcamp: Müssen wir in Zukunft Insekten, Algen und Co. essen?

Eine gesunde und nachhaltige Ernährung ist vielen Menschen heutzutage wichtig. Ernährungs-Experten haben sich mit der Plattform krankenversicherung.net zusammengeschlossen und wollen den Problemen dabei auf den Grund gehen.

Zukunftsnahrung: Eine junge Frau probiert eine geröstete Heuschrecke. (Archivbild)
Zukunftsnahrung: Eine junge Frau probiert eine geröstete Heuschrecke. (Archivbild)  © Wolfgang Kumm/dpa

Vegan backen, Fleischalternativen und neue Proteinquellen: Manon Struck-Pacyna vom Bund für Lebens­mittel­recht und Lebens­mittel­kunde weiß, was diese Ernährungstrends eint. So sind zum Beispiel Jackfrucht und Insekten Alternativen zu klassischen Zutaten, erklärt die Expertin.

Auch Algen sind immer häufiger in der Küche anzutreffen. Es gibt Makro- und Mikroalgen: Aus der japanischen Küche kennt man Makroalgen wie Nori und Wakame in Sushi und Misosuppe.

Algen sind zwar sehr nährstoffreich, können auch sehr jodhaltig sein. Struck-Pacyna empfiehlt daher, es mit den Algen nicht zu übertreiben.

In der veganen Küche sind Extrakte aus Rot- und Braunalgen beliebt: Agar-Agar wird zum Beispiel statt Gelatine verwendet.

Aus der Mikroalge Spirulina können Farbstoffe wie das Spirulina-Blau gewonnen werden, mit dem Schokolinsen überzogen werden.

Veganer und Vegetarier suchen sich alternative proteinreiche Lebensmittel, da sie auf die Protein-Quelle Fleisch verzichten.

Für Veganer und Vegetarier: Fleischersatz und Proteinquellen

Die länglich ovale Frucht des Jackfruchtbaums wächst in Süd- und Südostasien. (Archivbild)
Die länglich ovale Frucht des Jackfruchtbaums wächst in Süd- und Südostasien. (Archivbild)  © DPA

Die Jackfrucht kommt aus Südostasien und wird fälschlicherweise meist für eine Proteinalternative für Veganer und Vegetarier gehalten. Sie liefert zwar viele Kohlenhydrate, dabei aber wenig Eiweiß, weiß Struck-Pacyna.

Mann kann die Frucht wie Fleisch zubereiten, zum Beispiel in veganen oder vegetarischen Currys, deckt damit aber nicht den Eiweißbedarf, erklärt Struck-Pacyna.

Dafür kann man auf ungewöhnlich exotische Quellen zurückgreifen: Insekten.

Laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gibt es schätzungsweise 1900 essbare Insektenarten weltweit. Sie sind reich an Proteinen, fettarm und enthalten viele Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.

Damit stellten sie eine hervorragende Proteinquelle dar. Da es in unserem Kulturkreis unüblich ist Insekten zu essen, bleibt abzuwarten wie schnell sich der Trend durchsetzt. Vor allem hängt das auch von der Zubereitung der Insekten ab. "Die Hemmschwelle, verarbeitetes Insektenmehl zu essen, ist wesentlich niedriger als bei einer frittierten Grille", weiß Struck-Pacyna.

Dass es Insekten, Algen und exotische Lebensmittel bei uns zu kaufen gibt, ist übrigens nicht selbstverständlich.

Novel-Food-Verordnung: So kommen neue Lebensmittel in den Supermarkt

Manon Struck-Pacyna vom Bund für Lebens­mittel­recht und Lebens­mittel­kunde e. V.
Manon Struck-Pacyna vom Bund für Lebens­mittel­recht und Lebens­mittel­kunde e. V.  © Bund für Lebens­mittel­recht und Lebens­mittel­kun

Damit neue Produkte schneller zum Kunden kommen wurde die sogenannte Novel-Food-Verordnung erlassen, die seit 2018 gilt.

Neuartige Lebensmittel (Novel Foods) werden dadurch einfacher auf dem Markt zugelassen. Darunter versteht man alle Lebensmittel, die vor dem 15. Mai 1997 noch nicht in der Europäischen Union für den menschlichen Verzehr verwendet wurden.

Durch die Verordnung können Lebensmittel auf Insektenbasis oder mit exotischen Zutaten wie Baobab im Supermarkt gekauft werden, erklärt die Expertin.

Manon Struck-Pacyna ist Oecotrophologin und leitet die Öffentlichkeitsarbeit beim Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL). Davor hat sie drei Jahre als PR-Beraterin für eine Agentur in Köln mit Schwerpunkt Medizin gearbeitet.

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