So war die Chemnitzer Premiere von Flashdance

Die Schweizerin Nadja Scheiwiller als hinreißende tanzwütige Alex Owens. (Abb. Filmplakat des Tanzfilms aus dem Jahr 1983, in dem Jennifer Beals Alex Owens darstellte.)
Die Schweizerin Nadja Scheiwiller als hinreißende tanzwütige Alex Owens. (Abb. Filmplakat des Tanzfilms aus dem Jahr 1983, in dem Jennifer Beals Alex Owens darstellte.)

Von Ch. Hamann-Pönisch

Chemnitz - Da stolpern Showgirls mit Bananenröckchen, Bunnyohren und Po-Puschel heraus, um mit massiv getanzter Erotik Harrys runtergelumperte Bar zu retten.

Nicht die wichtigste, aber die lustigste Frage in „Flashdance - Das Musical“ (Musik: Robbie Roth, Buch: Tom Hedley/Robert Cary, nach dem gleichnamigen Film von 1983).

Am Sonnabend erlebte es in der Oper Chemnitz seine deutsche Erstaufführung: nach fast drei Stunden mit geballtem Jubel, Luftballonlawine, Böllergedonner, Stanniolgeriesel und fraulich-rhythmischem Arschgewackel bis in die hintersten Zuschauerreihen.

Die wichtigste Frage: Kann das gute Mädchen - Stahlarbeiterin Alex - mit schwerer Vergangenheit (Mama beizeiten tot, Papa süffelt) und hammerharter Gegenwart (mit Schweißbrenner und rutschender Latzhose zwischen eisernen, aber herzensguten Jungs) eine Zukunft im heiß geliebten Showbusiness haben?

Immerhin: „Dance, dance, dance“ steht auf ihrer kecken Jacke und bei einer alten knurrigen Freundin hängen die Tanzschuhe an der Wand. Die Chancen stehen also nicht schlecht.

Hauptschauplatz ist ein Stahlwerk in Pittsburgh, wo Alex unter Männern als Schweißerin arbeitet.
Hauptschauplatz ist ein Stahlwerk in Pittsburgh, wo Alex unter Männern als Schweißerin arbeitet.

Hach, ja, solche wahren Hollywoodmärchen können dem einem auf den Wecker, der anderen herrlich auf die Tränendrüsen gehen.

Vokuhila-Frisur und Wellblech

Götz Hellriegel lässt in seiner ansehnlich-rasanten Inszenierung und Choreografie Jungmädchenträume und schreckliche Vokuhila-Föhnfrisuren wahr werden, rockigem Gehopse freien Lauf und auch kein (Film-)Klischee aus.

Von der treudoofen Sekretärin, dem herzig-sozialen Jungunternehmer bis zum Zuhälter ist alles vertreten.

Vollgesprayte Wellblechwände schieben sich auf und zu, machen enge Zimmerchen, vermiefte Tresen, bekleckerte Klos sichtbar (nicht übel: Bühne/Kostüme von Dietlind Konold).

Davor tänzerische Glanzeinlagen eines Top-Ensembles - allen voran mit einer quirligen, recht irdischen und vor allem überragend akrobatisch aufgelegten Nadja Scheiwiller als tanzwütige Alex.

Ihrem liebestollen Anspringen ist Philipp Dietrich (Nick) bestens gewachsen.

Inszenierung und Choreografie liegt in den Händen von Götz Hellriegel.
Inszenierung und Choreografie liegt in den Händen von Götz Hellriegel.

Mächtig drängeln sich noch mehr Frauen auf die Tanzbühne, wie Tamara Wörner (tolle Kiki), Ira Theofanidis (hübsch naiv als Gloria), Anne-Mette Riis (Tess). Bei so vielen Frauen mit Bühnendrang muss es ja wohl sehr laut, schrill mit Hang zum Keifen zugehen.

Muss es wirklich? Tom Bitterlich leitet das musikalische Geschehen, zieht die Mikroregler auf Höchststufe und lässt mit gut aufgelegtem Musicalorchester die Filmhits mächtig ballern.

„Tanz ist Schmerz“ bekommt Alex als Rat auf den Weg. Die Inszenierung ist schmerzstillend: Die Gerechtigkeit siegt, das Talent, die Musik. Und die Liebe natürlich auch. „Träume leben“, juchzt Alex. Das Publikum juchzt mit.

Die Oper Chemnitz zeigt "Flashdance – Das Musical" erstmalig in Deutschland. Nichts wie hin! Die wilden Achtziger sind zurück!

Dauer: ca. 2 Stunden 45 Minuten/inkl. 1 Pause
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Preise: 14,00 bis 38,00 Euro | 18,00 bis 46,00 Euro (Premiere)

Fotos: PR Oper Chemnitz, imago


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