Porno war gestern: Erotik-Shops segeln zu neuen Ufern

Biebertal/Hamburg - Der Erotik-Fachhandel in Deutschland nimmt angesichts der Online-Konkurrenz kaum noch Geld mit Pornos ein.

Sexspielzeug ist ein neuer Schwerpunkt vieler Erotik-Shops (Archivbild).
Sexspielzeug ist ein neuer Schwerpunkt vieler Erotik-Shops (Archivbild).  © dpa/Swen Pförtner

Vor 20 Jahren hätten viele Shops mit dem Verkauf und der Vorführung von Filmen in Kabinen noch 70 Prozent ihrer Umsätze gemacht, sagte Uwe Kaltenberg, Geschäftsführer des Bundesverbands Erotik Handel (BEH). "Das hat sich völlig umgedreht."

Heute seien es gerade einmal 30 Prozent. Die Ursache für den Rückgang sieht er in illegalen Angeboten im Internet. Auch Streaming-Dienste, mit denen Kunden gegen einen Betrag oder eine Pauschale Sexfilme im Netz schauen können, setzen dem stationären Handel zu.

Der Strukturwandel hat selbst Branchengrößen getroffen. Beate Uhse ging Ende 2017 insolvent und verkündete jüngst einen Neustart als "be you" GmbH.

Andere wie die hessische Orion Erotik Fachgeschäfte GmbH aus Biebertal, mit 147 Filialen Marktführer in Deutschland, setzen auf Sexspielzeug statt auf Pornos.

"Das Thema Toys ist immer weiter gewachsen", sagt Jens Seipp, Marketingleiter bei Orion. Statt billige Vibratoren aus Fernost wollten die Leute hochwertige Technik. Das Vorzeigeprodukt, die Womanizer Linie, kostet 130 bis 180 Euro.

Seit der Erotikbuchreihe "Shades of Grey" und den Verfilmungen gehörten auch Peitschen zu den oft verkauften Produkten. "Der Fetisch ist aus der Tabu-Ecke herausgekommen", so Seipp.

Manche Trends können sich die Erotikhändler selbst nicht erklären: So seien Masturbationsgeräte für Männer seit fast einem Jahr "gefragt wie nie zuvor".

Das Geschäft mit der Lust ist vielleicht so alt wie die Menschheit. Doch auch diese Branche ist nicht immun gegen Veränderungen (Symbolbild).
Das Geschäft mit der Lust ist vielleicht so alt wie die Menschheit. Doch auch diese Branche ist nicht immun gegen Veränderungen (Symbolbild).  © dpa/Boris Roessler

Titelfoto: dpa/Boris Roessler