Erreger-Falle Kita: So groß ist die Ansteckungsgefahr wirklich

Deutschland - Praktisch alle Eltern können ein Lied davon singen: Sobald das Kind in die Krippe, die Kita oder den Hort kommt, ist es ständig krank.Tatsächlich sind solche Einrichtungen zwar die reinsten Bakterien- und Virenschleudern, aber letztlich für die gesundheitliche Entwicklung der Kleinen von großer Bedeutung.

Erkrankungen im frühen Kindesalter stärken das Immunsystem und beugen chronischen Krankheiten vor.

Kinder fassen beim Spielen alles an und kommen dabei mit vielen Keimen in Berührung.
Kinder fassen beim Spielen alles an und kommen dabei mit vielen Keimen in Berührung.

Training für das Immunsystem

Ständig kranke Kinder sind eine Herausforderung für die ganze Familie, vor allem für berufstätige Eltern und Alleinerziehende. Ein krankes Kind braucht Pflege und Betreuung zu Hause, was die Vorgesetzten wiederum gar nicht freut.

Gibt es auch noch ein Geschwisterkind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es sich ansteckt und nacheinander letztlich alle Familienmitglieder infiziert werden.

Verhindern lässt sich das kaum.Kleinkinder besitzen im Unterschied zu älteren Kindern noch kein starkes Immunsystem, weshalb sie besonders schnell erkranken. In Kitas und Kindergärten treffen sie mit vielen gleichaltrigen Kindern zusammen und sie sind tagtäglich unzähligen Viren und Bakterien ausgesetzt.

Ist auch nur eines der Kinder erkrankt, ist das Ansteckungsrisiko für die anderen groß. Anders als viele Erwachsene sorgen sich Kleinkinder zudem nicht sonderlich um Hygieneaspekte. Sie fassen oder lecken alles an, trinken aus derselben Tasse wie ihre Freunde und husten und niesen frei heraus -so haben Erreger leichtes Spiel.

Kinder sind besonders häufig von Infekten betroffen - bis zu zwölf Erkrankungen pro Jahr sind vollkommen normal.
Kinder sind besonders häufig von Infekten betroffen - bis zu zwölf Erkrankungen pro Jahr sind vollkommen normal.

Recht auf Betreuung kranker Kinder

Doch Eltern sollten sich nicht zu sehr sorgen. Tatsächlich sind Infekte für die Kleinen ganz normal und sogar wichtig, denn sie trainieren das Immunsystem.

Im Schnitt erkranken Kinder im Jahr zehn- bis zwölfmal an einem fiebrigen Infekt. Studien zeigen, dass Kinder, die in jungen Jahren viele Infekte hatten, als Erwachsene weniger häufig krank sind und wesentlich seltener an Asthma leiden. Um ein starkes Immunsystem zu erlangen, müssen Kinder daher notwendigerweise Viren und Bakterien ausgesetzt sein.

Der Versuch, sie davor abzuschirmen, ist nicht nur zum Scheitern verurteilt, sondern sogar kontraproduktiv.Ist das Kind erkrankt, haben gesetzlich versicherte Arbeitnehmer ein Anrecht darauf, ihr krankes Kind zu Hause zu pflegen, und zwar bis zu zehn Tage im Jahr mit einem und bis zu 25 Tage mit zwei Kindern. Wichtig ist, sich den Grund des Arbeitsausfalls bescheinigen zu lassen.

Hierfür reicht ein Attest vom Kinderarzt, das dem Arbeitgeber üblicherweise bis zum dritten Tag des Fernbleibens vorzulegen ist.Kommt nicht der Arbeitgeber für die Lohnfortzahlung auf, ist das Attest bereits am ersten Tag des Fernbleibens fällig.

Der Arbeitgeber muss den Arbeitsausfall aufgrund einer Erkrankung des Kindes nämlich nicht vergüten, viele Arbeitnehmer haben diesbezüglich eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag.

In diesem Fall zahlt die Krankenkasse Krankengeld, und sie fordert den Nachweis eines Attests bereits ab dem ersten Tag. Auch wenn Kinderarztpraxen in großen Städten wie Berlin häufig überlaufen sind, sollte man in diesem Fall einen Arzt aufsuchen. Auf Seiten wie Doctolib kann man nach Kinderärzten in der Nähe filtern und so schnell eine Praxis finden.

Eine Grippeimpfung für Kinder mit chronischen Erkrankungen ist ratsam und kann vor schweren Krankheitsverläufen schützen.
Eine Grippeimpfung für Kinder mit chronischen Erkrankungen ist ratsam und kann vor schweren Krankheitsverläufen schützen.

Kinder sollten Hygieneregeln lernen

Gegen Krankheiten sollte und kann man Kinder nicht rundum schützen. Durch den Kontakt mit anderen Menschen - in der Kita, in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf dem Spielplatz, um nur einige Beispiele zu nennen - kommen Kinder automatisch mit Krankheitserregern in Berührung.

Dennoch sollte man Kindern beibringen, wie sie Infekten bestmöglich vorbeugen. Dazu gehört es, sich regelmäßig die Hände mit Seife zu waschen, insbesondere wenn das Kind von draußen kommt. Eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und viel Zeit an der frischen Luft tragen ebenso dazu bei, das Immunsystem zu stärken.

Eine allgemeine Empfehlung für die Grippeimpfung bei Kindern gibt es hierzulande übrigens nicht. Eine Ausnahme bilden Kinder mit einer Immunschwäche oder einer chronischen Krankheit wie Asthma oder einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems.

Bildquellen:

Flickr 2014 Art in the park 08302014 007 Public Information Office CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Flickr Mai's got influenza, but she has a great nursemaid Big Ben in Japan CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Flickr Jefferson City Medical Group could help with shortage of flu shots KOMUnews CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten


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