Erste (teure) Sachsen-Früchtchen sind reif für die Ernte

Für die Kinder der
Coswiger Kita „Zwergenland
Nieschütz“
ist die Erdbeer-Ernte
noch ein Spiel.
Aber für die sächsischen
Obstbauern ist
es oft ein Kampf um
die Existenz.
Für die Kinder der Coswiger Kita „Zwergenland Nieschütz“ ist die Erdbeer-Ernte noch ein Spiel. Aber für die sächsischen Obstbauern ist es oft ein Kampf um die Existenz.  © Holm Helis

Coswig/Dresden - Ab in die Vollen: In Sachsen kann endlich die Erdbeerernte beginnen. Alle Früchte, die den Frost überlebt haben, sind reif und saftig. Doch die Branche muss mit weiteren Problemen kämpfen.

Das hatten sich Andreas Heinz (CDU) und Volkmar Winkler (SPD) wohl leichter vorgestellt. Die beiden Landtagsabgeordneten wollten auf Einladung des Verbandes Sächsisches Obst die Erdbeer-Saison miteröffnen.

Jeder eine Rede, danach Erdbeerkuchen - so lief der Empfang im Coswiger Obstbaubetrieb Görnitz auch an.

Dann aber bekam die Politik ihr Fett weg: Der Mindestlohn schadet den Erbeerbauern, mussten sie von Firmenchef Michael Görnitz (31) und von Gerd Kalbitz (66), dem Vorstand des Obstbauverbandes hören!

Michael Görnitz
(31) vom gleichnamigen
Obsthof
in Coswig.
Michael Görnitz (31) vom gleichnamigen Obsthof in Coswig.  © Holm Helis

„Der Sozialstaat Deutschland macht die Ernte für Deutsche nicht attraktiv“, so Görnitz.

Darum beschäftige er Polen, Rumänen und Ukrainer. „Wenn schon Mindestlohn, dann auch europaweit“, forderte Kalbitz. „In Polen beträgt der nämlich nichtmal drei Euro/Stunde.“ Auch wegen solcher Ungleichgewichte schrumpfe die Erdbeer-Anbaufläche hierzulande.

Tatsächlich sank die Anbaufläche um 15 auf 281 Hektar, es wird mit einer geringeren Ernte von 200 Tonnen im Vergleich zu 2016 gerechnet. Die gute Nachricht: Der Flächenanteil für „Selbstpflücker“ wächst um fünf Prozent. Start fürs Selberpflücken ist im Elbtal und im Raum Leipzig/Wurzen am 1. und 2. Juni. Höhere Lausitz-Lagen und das Vorgebirge sind Anfang bis Mitte Juni dran, das Erzgebirge ab Monatsmitte.

Damit es trotz der Frosttage dieses Jahr überhaupt etwas zu ernten gibt, haben Görnitz und Kollegen geschuftet: Sie entfachten Feldfeuer, deckten Pflanzreihen zum Teil mit doppelten Vliesbahnen ab und hegten Zehntausende Pflanzen in Gewächshäusern.

So sollen in dieser Saison 2100 Tonnen sächsischer Erdbeeren geerntet werden können. Leider werden die süßen Früchtchen wohl bis zu 15 Prozent teurer, sollen ab Hof ab 3 Euro (500 Gramm) kosten.

Titelfoto: Holm Helis


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