Erster Bürgermeister erlässt Aufnahmestopp für Flüchtlinge

Michael Harig (55, CDU), Landrat in Bautzen, hat Verständnis für die Stimmung in Neukirch. Aber auch er ist wegen der Asylkrise zum Handeln gezwungen.
Michael Harig (55, CDU), Landrat in Bautzen, hat Verständnis für die Stimmung in Neukirch. Aber auch er ist wegen der Asylkrise zum Handeln gezwungen.

Von Andrzej Rydzik

Neukirch - Der CDU-Bürgermeister von Neukirch probt den Aufstand. Dass der Landkreis Bautzen seiner 5200-Seelen-Gemeinde 50 weitere Asylbewerber zuweist, lehnt Jens Zeiler (44) ab.

Er erklärt den Aufnahmestopp, sieht den Frieden sonst stark gefährdet!

Jüngst bekam der Bürgermeister den Beschluss von Landrat Michael Harig (55, CDU). 50 weitere Asylbewerber sollen im früheren Lehrlingswohnheim einziehen.

"Wir haben den Beschluss zur Kenntnis genommen, akzeptieren können wir ihn jedoch in keinster Weise", wettert Bürgermeister Jens Zeiler. Momentan "toleriere" er in Neukirch 90 Asylbewerber und 24 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in einer zweiten Unterkunft.

Er pocht auf die Zusagen des Landrates von Anfang 2014. Harig sicherte eine Maximalbelegung von 90 Flüchtlingen und eine Gleichverteilung in allen Kommunen zu.

Im idyllischen Neukirch in der Lausitz kocht die Volksseele. Grund: 50 weitere Flüchtlinge sollen ankommen.
Im idyllischen Neukirch in der Lausitz kocht die Volksseele. Grund: 50 weitere Flüchtlinge sollen ankommen.

Zeiler: "Ich sehe die relative Ruhe in Neukirch durch die Aufstockung der Asylbewerber im Lehrlingswohnheim stark gefährdet."

Zwar biete das Haus Platz für insgesamt 140 Leute, aber das sei kein Argument.

"Der Landkreis Bautzen hat Verständnis für den Unmut", so Sprecherin Franziska Snelinski (39). "Aber wir erhalten diese Woche 200 Flüchtlinge und dann wöchentlich 250." Ja, die Zusage des Landrates gab es. Aber: "Damals lebten im Landkreis 630 Asylbewerber. Heute sind es 2500."

Die Verteilung der Flüchtlinge erfolge proportional zur Einwohnerzahl. Neukirch sei noch nicht überbeansprucht. "Wir müssen auch verfügbare, geeignete Unterkünfte beachten. Verhindern kann Herr Zeiler die Aufnahme nicht", so die Sprecherin.

Denn: Der Landkreis hat eine Unterbringungspflicht nach dem Sächsischen Flüchtlingsaufnahmgesetz. Die Gemeinden müssen mitwirken.

Neukirchs Bürgermeister Jens Zeiler (44, CDU) will in seiner Gemeinde keine weiteren Asylbewerber aufnehmen.
Neukirchs Bürgermeister Jens Zeiler (44, CDU) will in seiner Gemeinde keine weiteren Asylbewerber aufnehmen.
Im früheren Neukircher Lehrlingswohnheim leben bereits 90 Asylbewerber. Für 50 weitere wäre Platz.
Im früheren Neukircher Lehrlingswohnheim leben bereits 90 Asylbewerber. Für 50 weitere wäre Platz.

Fotos: Holm Helis (4), Thomas Türpe (1)


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0