Erster Europäer stirbt am Coronavirus: Italienische Stadt schließt Schulen und Bars

Rom - Das Coronavirus fordert nun auch den ersten toten Europäer.

Mitarbeiter des Codogno Krankenhauses tragen Kisten in das Krankenhaus.
Mitarbeiter des Codogno Krankenhauses tragen Kisten in das Krankenhaus.  © Luca Bruno/AP/dpa

Im nordostitalienischen Venetien ist ein Mann gestorben, der als Verdachtsfall für eine Neuinfektion mit dem Virus Sars-CoV-2 gilt. Das sagte der Präsident der Region, Luca Zaia, am Freitag der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Der Mann war einer von zwei älteren Patienten in Venetien, bei denen eine vermutete Ansteckung mit dem Erreger noch nicht offiziell bestätigt war.

In Italien besteht zurzeit große Sorge vor einer Ausbreitung des neuartigen Coronavirus. Besonders in der an Venetien grenzenden Lombardei steigen die Fallzahlen: Am Freitagabend erhöhte sich die Zahl nachgewiesener Infektionen um weitere 8 auf 14.

Betroffen sind nach Behördenangaben auch fünf Angestellte des Krankenhauses der Kleinstadt Codogno, die sich ansteckten, als das Virus noch nicht als Ursache einer Erkrankung entdeckt war. Der 38-jährige Italiener, der das Virus unwissentlich verbreitete, lag am Freitag in ernstem Zustand auf der Intensivstation des Krankenhauses.

Zu den positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Menschen in der Lombardei gehört auch die schwangere Frau des Schwerkranken.

Italienische Stadt reagiert

Die Region Lombardei im Norden Italiens.
Die Region Lombardei im Norden Italiens.  © Screenshot/Google Maps

Bei dem 38-Jährigen war das Virus am Donnerstag nachgewiesen worden. In der Klinik war er seit Mittwoch - da es anfangs keine ersichtliche Verbindung zu China gab, wurde er zunächst nicht auf Sars-CoV-2 getestet. Dies geschah den Angaben zufolge erst, als sich sein Zustand verschlechterte und seine Frau erklärte, ihr Mann habe sich kürzlich mit einem aus China zurückgekehrten Freund getroffen.

Ob dieser tatsächlich der Ursprung des Ausbruchs ist, war am Abend noch unklar: Das Virus konnte bei dem bereits im Januar zurückgekehrten Mann zunächst nicht nachgewiesen werden. Auch habe er zu keiner Zeit Symptome gehabt, hieß es.

Für rund 250 Menschen sei vorsorglich eine Quarantäne angewiesen worden, um weitere Ansteckungen zu verhindern, hieß es von den Behörden. Dazu zählten 70 Klinikangestellte sowie 160 Kollegen des an Covid-19 erkrankten 38-Jährigen. Der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge arbeitet er bei einem italienischen Zweig von Unilever.

Zudem wurden tausende Menschen in Codogno und zwei weiteren Orten - Castiglione d'Adda und Casalpusterlengo - aufgefordert, möglichst zuhause zu bleiben. Der Bürgermeister von Codogno, wo rund 16.000 Menschen leben, ordnete die Schließung von Schulen, Bars und anderen öffentlichen Einrichtungen an - zunächst bis vermutlich Sonntag, wie die Nachrichtenagentur Ansa schrieb.

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte in Brüssel, dass Italien nach den Nachweisen eine neue Verordnung zur Isolation von Kontaktpersonen erlassen habe.

Alle Personen mit Kontakt zu Infizierten müssen demnach obligatorisch in Quarantäne. Zugleich warnte Conte vor Alarmismus.

Update 12 Uhr: Weitere Person in Italien gestorben

Nach dem am Abend der erste Tote in Italien bekannt wurde, ist nun eine Frau, als Verdachtsfall einer Coronavirus-Infektion galt, gestorben. Auch sie komme aus der Lombardei, teilte ein Sprecher des italienischen Zivilschutzes am Samstag mit.


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