Aue-Präsident Leonhardt im Interview:"Bei den Spielergehältern kann es zu einem Kollaps kommen"

Aue - Seit dem 4. September 2014 ist Helge Leonhardt Präsident des FC Erzgebirge Aue. Am Sonnabend wurde er zur Jahreshauptversammlung im Amt bestätigt.

Uwe (l.) und Helge Leonhardt lenken seit Jahren die Geschicke des FC Erzgebirge - mit Erfolg.
Uwe (l.) und Helge Leonhardt lenken seit Jahren die Geschicke des FC Erzgebirge - mit Erfolg.  © Picture Point/Kerstin Dölitzsch

Der 60-Jährige ist keiner, der nur die Bezeichnung Präsident trägt. Er wirkt aktiv mit. TAG24 hat sich mit ihm über die vergangenen Jahre und die Zukunft unterhalten.

TAG24: Herr Leonhardt, Glückwunsch zur erneuten Ernennung zum Präsidenten! Wenn Sie auf die letzten Jahre zurückblicken. Was fällt bei Ihnen positiv aus und was negativ?

Leonhardt: "Fangen wir mal mit dem Negativen an: Da gibt es nichts. Man wird nach Ergebnissen abgerechnet. Du hast überall positive Wachstumsraten, du hast auf Deutsch gesagt keine Schulden. Die letzte Legislaturperiode, die drei Jahre, waren maßgebend für den Verein. Da war der Stadionbau und die ganzen Dinge. Ich kann nur meine Bewunderung ausdrücken, wie wir das alles geschafft haben. Das Schönste in der Zeit war rein von den Emotionen her der Aufstieg 2016, danach haben wir zweimal die Klasse gehalten."

TAG24: Sie haben die wirtschaftliche Bilanz vorgestellt. Wie stolz sind Sie, dass der Verein als einer der wenigen der Liga schuldenfrei ist?

Leonhardt: "Sehr stolz. Ich sage es mal so: wir sind wirtschaftlich stabil. Du kannst Schulden haben, aber du musst einen Plan haben, wie du die Schulden zahlst. Das Herausragende für uns ist auch, dass du aus den Zahlen heraus selbst investieren konntest. Das kommende Jahr ist wieder schwer genug, aber es ist gedeckelt."

FCE-Präsident Helge Leonhardt konnte bei der Mitgliederversammlung positive Zahlen verkünden.
FCE-Präsident Helge Leonhardt konnte bei der Mitgliederversammlung positive Zahlen verkünden.  © Katja Lippmann-Wagner

TAG24: Trainer Daniel Meyer sprach von einer enormen Kostenexplosion auf dem Spielermarkt. Erklärte, dass jeder von den Einnahmen aus dem Köpke-Deal etwas abhaben wollte und so mancher Spieler, der im Sommer auf der Einkaufsliste stand, unglaubliche Gehaltsforderungen stellte. Wie will es Aue schaffen, diese Herausforderung zu meistern?

Leonhardt: "Wir müssen uns der Herausforderung stellen und können die auch bewältigen. Unserer Baukästen, wo wir einkaufen, sind andere als in Köln oder Ingolstadt. Die kaufen woanders ein. Du musst ein gutes Händchen haben. Die Spieler sind alle teuer, aber sie müssen bezahlbar sein. Daher gehen wir den Weg mit den jungen Spielern. Die Schere geht immer weiter auseinander. Es könnte sogar in naher Zukunft zu einem Kollaps in diesem Bereich kommen. Wir haben es bisher immer geschafft, aber es ist ein schmaler Grat. Finanziell von den Sponsoren her ist regional alles ausgereizt. Und überregional, für solche kleinen Vereine wie wir, ist es schwer. Du bekommst keinen Dax-Konzern her, kein Scheich, kein Investor. Daher wollen wir auch keine Ausgliederung. Du musst real deinen Etat planen, mit Herz und Hingabe."

TAG24: Was sind Ihre Ziele, die Ziele des Vereins für die kommenden drei Jahre?

Leonhardt: "Du kannst nicht drei Jahre planen. Wir müssen das entsprechend der Lage jährlich definieren. Das Wichtigste ist, die 2. Liga zu erhalten, alles andere ergibt sich aus dem operativen Geschäft. 2. Liga sichern, wirtschaftlich gesund bleiben - das sind die Ziele. Aber das ist eine echte Herausforderung."

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