Verirrt? Hier vergnügt sich ein Schwan im Freibad

Gornsdorf - So einen Einbrecher gab's wohl noch nie! Als der Bademeister des Gornsdorfer Freibades am Morgen seine Anlage betritt, staunt er nicht schlecht. Er fand einen Einbrecher vor, der genüsslich seine Runden im Schwimmbecken zog.

Zwischenzeitlich machte der Schwan noch einen Spaziergang über eine der Liegewiesen.
Zwischenzeitlich machte der Schwan noch einen Spaziergang über eine der Liegewiesen.  © Maik Bohn

Der Eindringling war aber gefiederter Natur. "Ein Schwan hat es irgendwie geschafft, in unsere Anlage zu kommen", sagt Bademeister Peter Schmelz. "Sowas habe auch ich noch nicht erlebt."

So friedlich das Tier sich auf dem Wasser vergnügte, so ungünstig war der Vorfall für den Bademeister. Er wollte das Naturbad eigentlich für den Tag vorbereiten, einige Besucher waren sogar schon im Gelände, als das Federvieh entdeckt wurde.

Die mussten sich allerdings etwas länger gedulden, bis sie abtauchen durften. Erst musste der Schwan raus aus dem Wasser.

"Das war gar nicht so leicht", sagt Maik Bohn (54). Er ist Schwanen-Experte, kümmert sich beispielsweise auch um die Schwäne am Chemnitzer Schlossteich. Er wurde, genau wie die Polizei und die Wildtierrettung, von Bademeister Schmelz zu Hilfe gerufen.

"Der Badebetrieb wurde dann erstmal unterbrochen", so Bohn. "Das Tier wollte einfach nicht aus dem Wasser kommen, es verteidigte sein neues Revier bereits, schlug wild mit den Flügeln. Da war Vorsicht geboten."

Drei Fangversuchen konnte sich der Schwanen-Einbrecher entziehen. Zwischenzeitlich machte er sogar noch einen Spaziergang über eine der Liegewiesen. Der hatte die Ruhe weg!

Am Ende musste sich der Höckerschwan aber dann doch geschlagen geben. Er wurde eingefangen und von seinen Rettern, außerhalb des Schwimmbadgeländes wieder frei gelassen. Ob vorher noch Flügelabdrücke genommen wurden, ist unklar. Genauso bleibt ungeklärt, wie das Tier überhaupt ins Bad gelangen konnte.

"Wir können nur vermuten, dass er durch Waldnähe des Bades, die Einflugschneise genutzt hat, und auf der Suche nach einem Partner oder einer ungestörten Wasserfläche, am Ende hier landete", sagt Schwanen-Experte Bohn. "Es war auf jeden Fall ein Jungtier, zwischen zwei und drei Jahren alt. Ein Schwan im Erzgebirge ist sehr selten. Es gibt nicht viele Schwäne in dieser Gegend. Deshalb ist der Vorfall so eine Sensation", findet Bohn.

"Im Norden von Deutschland ist es fast normal, dass die Tiere auch mal an ungewöhnlicheren Orten landen, aber hier bei uns kommt das eher weniger vor." Dass der Höcherschwan noch einmal zurückkommt ins Gornsdorfer Bad, glaubt er aber nicht. "Der wird schon wieder auf der Suche nach einer neuen Badestelle sein."

Gemütlich drehte der Schwan im Naturbad Gornsdorf seine Runden.
Gemütlich drehte der Schwan im Naturbad Gornsdorf seine Runden.  © Maik Bohn