Wegen Asylkrise: SPD-Vize schmeißt hin

Austritt aus der SPD: Tobias Andrä (33) rechnet mit der Flüchtlingspolitik ab.
Austritt aus der SPD: Tobias Andrä (33) rechnet mit der Flüchtlingspolitik ab.

Von Bernd Rippert

Aue - Paukenschlag bei der SPD im Erzgebirge: Der stellvertretende Kreisvorsitzende und Juso-Vize Tobias Andrä (33) trat überraschend von allen Funktionen zurück - und aus der SPD aus.

Gleichzeitig rechnet der Auer Stadtrat mit seiner Partei ab. Vor allem in der Flüchtlingspolitik sei die Partei gescheitert. „Auf die Sorgen der Bevölkerung hat die SPD keine schlüssigen Antworten. Die Menschen werden mit Phrasen abgespeist.“

Andrä fordert Sprachkurse und eine Zwangsintegration der hierbleibenden Flüchtlinge. Er stimmt dem SPD-Landeschef Martin Dulig (41) zu, dass der Zuzug an Asylbewerbern gedrosselt werden müsse. „Aber Dulig hat diese Wahrheiten zu spät ausgesprochen.“

Auch vernachlässige die Sachsen-SPD den ländlichen Raum - „hier geht es nicht um Homo-Ehe, sondern um Ärztemangel“.

Während sich Landes-Chef Dulig nicht zum Parteiaustritt äußern will, weist die SPD-Chefin im Erzgebirge, Simone Lang (44), Andräs Vorwürfe zurück: „Wir haben eine klare Position in der Flüchtlingsfrage, planen viele Projekte für den ländlichen Raum.“

Lang gibt den Schwarzen Peter zurück: „Wenn man alles alleine tut, wird es schwierig, sich durchzusetzen.“

Tobias Andrä war 2006 von den Freien Wählern zur SPD gekommen. Einen erneuten Parteiwechsel schließt er nicht aus: „Mein Herz schlägt sozial, aber auch konservativ.“

Dulig im Strudel

Kommentar von Bernd Rippert

Die Flüchtlingskrise entwickelt sich zur Zerreißprobe. Das bekommt die SPD Sachsen zu spüren. In der Flüchtlingspolitik sei die Sozialdemokratie gescheitert, sagte der bisherige SPD-Vize im Erzgebirge.

Und trat mit Getöse aus der Partei aus. Tobias Andrä aus Aue ist dieser Dissident. Er fordert mehr Realpolitik, mehr Zwangs-Integration der Neubürger und eine Abkehr vom Kuschel-Kurs der SPD.

Mit seiner Kritik zieht Tobias Andrä auch Wirtschaftsminister und Landesvorsitzenden Martin Dulig mit in den Strudel. Ihm wirft der Abtrünnige vor, dass die Sachsen-SPD noch keine schlüssigen Antworten auf die Sorgen der Bürger gefunden habe.

Dulig, der mit zweitem Vornamen wie sein Widersacher Tobias heißt, habe zuletzt zwar einen Flüchtlingsstopp gefordert. Aber der Kurswechsel komme zu spät. Deshalb trat Tobias Andrä als Vize-Kreisvorsitzender zurück und aus der Partei aus. Die SPD - wie auch die anderen Parteien - müssen in der Flüchtlingsfrage dringend eine klare Linie finden. Sonst drohen bald noch mehr Austritte.

Fotos: dpa, Maik Börner


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