Es gibt auch Gewinner der Corona-Krise: Obstbau- und Gartenbetriebe blühen auf

Dresden/Görlitz - Mit Gewinn durch die Krise: Die sächsischen Garten- und Obstbauern haben durch Corona und den Shutdown profitiert. Das gilt für eine Mehrzahl der Betriebe. Aber unter der Lupe werden Unterschiede deutlich.

Inzwischen hat Elisa Wohlfahrt von der Gärtnerei Jonathan in Görlitz wieder gut lachen.
Inzwischen hat Elisa Wohlfahrt von der Gärtnerei Jonathan in Görlitz wieder gut lachen.  © Matthias Weber

"Wir waren positiv überrascht, wie gut wir durch das Frühjahr und den Sommer gekommen sind", sagt Obstbauer Robert Rüdiger (37). 

Sein Hofladen in Dresden-Hosterwitz wurde während des Shutdowns förmlich überrannt. Rüdiger verzeichnete nach eigenen Angaben rund zwei Drittel mehr Kunden als bisher.

Aus Sicht von Tobias Muschalek (44) vom Gartenbauverband Mitteldeutschland (GMD) ist das kein Wunder: 

"Viele hatten während des Shutdowns Zeit für Garten, Balkon oder Kochen. Außerdem fiel Shopping als Zeitvertreib aus." 

Rund 90 Prozent der Betriebe in Mitteldeutschland kamen so gut durch die Krise, schätzt man beim Verband.

Obstbauer Robert Rüdiger (37) vermarktet Obst und Gemüse im Direktverkauf. Er hatte während der Krise mehr als doppelt so viele Kunden wie sonst.
Obstbauer Robert Rüdiger (37) vermarktet Obst und Gemüse im Direktverkauf. Er hatte während der Krise mehr als doppelt so viele Kunden wie sonst.  © Steffen Füssel

Fast alle Betriebe in der Nähe von Polen und Tschechien machten Profit

Uwe Jonathan (54) ist mit seinem Görlitzer Familienbetrieb auf Friedhofsgärtnerei spezialisiert. Er hatte Einbußen wegen Einschränkungen bei Beerdigungen.
Uwe Jonathan (54) ist mit seinem Görlitzer Familienbetrieb auf Friedhofsgärtnerei spezialisiert. Er hatte Einbußen wegen Einschränkungen bei Beerdigungen.  © Matthias Weber

"Wir sind über die Runden gekommen", sagt dagegen Uwe Jonathan (54). 

Sein auf Friedhofsgärtnerei spezialisierter Familienbetrieb in Görlitz verzeichnete Einbußen wegen abgesagter Beerdigungen und eingeschränkter Ladenöffnungszeiten, machte aber wegen der Grenzschließungen kein schlechtes Zusatzgeschäft.

"Das gilt für fast alle Betriebe in unmittelbarer Nachbarschaft zu Polen und Tschechien", so Tobias Muschalek, "und war existentiell für das Frühjahrsgeschäft." 

Von März bis Juni machen Gärtnereien 80 Prozent ihres Jahresumsatzes. Sie profitierten zusätzlich von den verordneten Schließungen von Bau- und Gartenmärkten.

Für einige Gärtnereien könnte es trotzdem eng werden

Tobias Muschalek (44) ist der Geschäftsführer des Gartenbauverbands Mitteldeutschland (GMD).
Tobias Muschalek (44) ist der Geschäftsführer des Gartenbauverbands Mitteldeutschland (GMD).  © Steffen Füssel

Richtig schlecht lief es dagegen bei Betrieben, die ausschließlich für die Gastronomie oder für Gartenmärkte produzieren. Insolvenzen seien aber bisher nicht bekannt, so Muschalek.

Bei Uwe Jonathan hat sich das Geschäft inzwischen normalisiert. Bei Robert Rüdiger sind die Neukunden geblieben. Zur Erdbeerzeit musste er vier zusätzliche Verkäufer einstellen - doppelt so viele wie 2019. 

"Gerade bei Gärtnereien wird sich ab Dezember zeigen, ob die Liquidität reicht. Besonders für die, die Ihre Blumengeschäfte schließen mussten, könnte es eng werden", so Tobias Muschalek. Prognosen wagt er lieber nicht...

Titelfoto: Matthias Weber

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