Heinz Rudolf Kunze über Rap und Politik: "Ich sage eben meine Meinung"

Von Andreas Weihs

Espelkamp -Rockpoet Heinz Rudolf Kunze (61) war immer einer, der nicht den Mund hielt. Wie Udo Lindenberg und doch anders als er, äußert er sich immer auch politisch. Sehr direkt tut Kunze das im Song "Die Allianz der Ränder" vom aktuellen Album „Schöne Grüße vom Schicksal“.

HRK agiert immer irgendwo zwischen Bürgerlichkeit und Verwegenheit.
HRK agiert immer irgendwo zwischen Bürgerlichkeit und Verwegenheit.  © Andreas Weihs

Dort geht er, auch vor dem Hintergrund der skandalträchtigen Echo-Verleihung an Kollegah und Farid Bang im Frühjahr, zum Frontalangriff über gegen Rap und gegen Rechts.

"Der tätowierte Abschaum/gestylt wie eitle Luden/rappt islamistisch über Frauen/faschistisch über Juden" heißt es da oder "Die Rechten sind Vergifter/die Rapper sind brutal/man prügelt auf die Mitte ein/und nicht zum ersten Mal". Ein Gespräch mit HRK über Rap und Politik.

TAG24: "Das ist für mich menschenfeindliches Gestammel mit Musikverzicht" - Es scheint, als hättest Du mit dieser Aussage zum Rap eine heftige Diskussion ausgelöst. Das Internet ist voll von Kommentaren. Viele äußern Unverständnis.

HRK: Diesen Satz bringe ich seit Jahren in meinem Soloprogramm in einem Sprechtext vor „Dein ist mein ganzes Herz“ und keiner hat's gemerkt.

TAG24: Braucht man heute besonderen Mut, sich als Künstler eindeutig zu positionieren und zu äußern? Man macht sich damit angreifbar.

HRK: Das muss man aushalten. Ich sage eben meine Meinung. Ich halte Rap nicht für Musik. Aus dem Grund, weil Musik auf drei Säulen beruht: auf Rhythmus, auf Melodik und auf Harmonik. Wenn davon zwei fehlen, nämlich Melodik und Harmonik, ist es für mich keine Musik.

TAG24: In Deinem Text „Die Allianz der Ränder“ geht es um Rap und Rechts.

HRK: Ja, ich habe eine Parallele gesehen zur Weimarer Republik. Da, wo von den radikalen Rändern auf die Mitte eingeschlagen wird, ist die Mitte irgendwann zermürbt ist und zerschlagen. Das, finde ich, sollte den Deutschen nicht noch einmal passieren.

Heinz Rudolf Kunze (61) bei einem Konzert in Berlin 2016.
Heinz Rudolf Kunze (61) bei einem Konzert in Berlin 2016.  © Andreas Weihs

TAG24: Sollte man als Künstler, der in der Öffentlichkeit steht, zu politischen Themen Stellung nehmen?

HRK: Das muss jeder selbst für sich entscheiden. Ich finde, es gehört dazu, zur Arbeit vor allen Dingen, und zum Leben. Deshalb gehört es auch mal geäußert.

TAG24: Du hast einmal gesagt: im Bundestag sprechen Politiker mit einer Sprache, die aus einer anderen Welt scheint. Warum, meinst Du, ist das so?

HRK: Ganz einfach: weil zu viele dieser Leute direkt von der Schule über die Uni direkt in die Politik gehen und nie gelebt haben. Die Anzahl der Menschen im Bundestag, die schon einmal einen richtigen Beruf ausgeübt hat, ist sehr klein. Was sollen die vom Leben wissen? Es gibt heute die Möglichkeit, direkt in die Politik zu gehen und mit guten Examina in allen Parteien Karriere zu machen. Ich finde, da müsste man einen richtigen Riegel vorschieben. Diese Leute müssten sich alle erst einmal ein bisschen Wirklichkeit um die Nase wehen lassen, bevor sie da überhaupt rein dürfen.

TAG24: Wie siehst Du den Bundestag nach der vergangenen Wahl? Die AfD ist erstmals drin.

HRK: Ich glaube, es wird noch auf lange Sicht ungelöste Probleme geben und viel Unzufriedenheit der Bürger. Die AfD bleibt uns noch eine Weile erhalten. Das ist nicht so wie damals mit der NPD in Westdeutschland, die husch wieder verschwunden war. In der AfD sammelt sich ein breiteres Becken an Unzufriedenheit, und nicht nur konsequent Braune, wie es bei der NPD war. Wenn SPD und CDU nichts unternehmen, um diese Leute zurückzuerobern, dann haben wir noch lange „Spaß“ mit denen.


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