Traumberuf eSportler? Ein Profi des VfB Stuttgart über die harte Arbeit im Hintergrund

Stuttgart - Wenn es sich Erhan "Dr. Erhano" Kayman in seinem Gaming-Stuhl bequem macht, um eine Runde FIFA 19 einzulegen, dann macht er das nicht, wie so viele, als reines Hobby. Denn er ist eSports-Profi und beim VfB Stuttgart unter Vertrag, hat dieses Hobby zum Beruf gemacht. Und leben lässt es sich davon gut.

Erhan "Dr. Erhano" Kayman startet für den VfB Stuttgart in der TAG Heuer Virtual Bundesliga.
Erhan "Dr. Erhano" Kayman startet für den VfB Stuttgart in der TAG Heuer Virtual Bundesliga.  © Screenshot/virtual.bundesliga.com

Der 28-Jährige startet für die Abteilung "VfB eSports" unter anderem in der TAG Heuer Virtual Bundesliga.

Wie Erhan in einem Interview mit der SportBild erzählte, begann er vor acht Jahren mit dem Zocken. Davor hat er 15 Jahre lang auf dem wirklichen Rasen selbst gekickt.

Als er merkte, dass er in der Fußball-Simulation FIFA von EA Sports ein Talent hat und mit den richtig Guten mithalten konnte, ging er auf Turniere und machte sich langsam einen Namen. Aktuell ist er auf der Playstation 4 Achter in der Weltrangliste.

Seit 2017 nimmt Erhan schon für den VfB Stuttgart den Controller in die Hand und ist damit zusammen mit seinem Kollegen Marcel "Marlut" Lutz seit Tag 1 der VfB eSports-Abteilung dabei.

Eigentlich ist "Dr. Erhano" neben seinem Gaming Jura-Student in Osnabrück. Doch für seine Karriere in FIFA hat er das Pauken vorerst eingestellt.

Und das geht nur, wenn man mit eSports tatsächlich auch seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.

Dies sei tatsächlich erst seit seinem Vertrag beim VfB richtig möglich gewesen, davor gab es in der FIFA-Szene einfach noch keine oder zu niedrige Gehälter, so der 28-Jährige.

eSports ist viel mehr als nur Zocken

Der 28-Jährige hat sein Jurastudium in Osnabrück unterbrochen, um eSports als Vollzeitjob ausüben zu können.
Der 28-Jährige hat sein Jurastudium in Osnabrück unterbrochen, um eSports als Vollzeitjob ausüben zu können.  © Screenshot Facebook/Erhan Dr. Erhano Kayman

Für viele ist der Begriff "eSports" heutzutage zwar ein Begriff, doch nur die wenigsten wissen, dass es mit zocken alleine da nicht getan ist.

Denn die Profis müssen sich ihr Geld hart verdienen.

Zum einen gibt es das rein Sportliche: Fast jedes Match, das sie in FIFA 19 an der Konsole bestreiten, ist entweder Training, eine Turnierqualifikation oder Wettkampf.

Wer nachlässt, rutscht in den Ranglisten herunter und wer bei Einzelturnieren nicht weit kommt, geht mit leeren Händen wieder nach Hause.

Zum anderen gilt es neben der reinen Gaming-Zeit noch fleißig die Social Media-Kanäle zu bespielen und zu betreuen. Außerdem müssen sich die eSportler körperlich fit halten, denn das stundenlange Training an der Konsole geht meistens in den Rücken.

Bei längeren Turnieren benötigen sie zudem eine hohe Konzentrationsfähigkeit und müssen mental belastbar sein.

Der Terminkalender ist ebenfalls proppenvoll. "Dr. Erhano" absolviert jedes Wochenende beispielsweise 30 Partien in der sogenannten "Weekend League", um sich für verschiedene Turniere zu qualifizieren.

Dazu kommen die Verpflichtungen in der TAG Heuer Virtual Bundesliga mit dem VfB und dann eben die Einzelturniere selbst (ca. 20 pro Saison). Plus die Nebenaktivitäten. Langweilig wird es also nicht.

Und ein nächster Höhepunkt ist schon in Sicht: In der virtuellen Bundesliga ist Endspurt angesagt. Für den VfB Stuttgart stehen noch zwei Partien an. Am Mittwoch geht es gegen Hertha BSC (19 Uhr, live hier) und nächste Woche, ebenfalls am Mittwoch, zum Saisonabschluss gegen Holstein Kiel.

Der VfB belegt aktuell einen hervorragenden zweiten Platz und ist praktisch kaum mehr von den ersten sechs Plätzen zu verdrängen. Das heißt: Die Stuttgarter Jungs sind beim Grand Final mit dabei.

Dort kommt es dann zum Showdown: Die stärksten Spieler in der deutschen FIFA 19-Szene spielen untereinander den Deutschen Meister aus. Der Gewinner erhält neben dem Titel noch ein sattes Preisgeld. Wie hoch das in diesem Jahr sein wird, ist noch nicht bekannt. Vorjahressieger Tim Katnawatos erhielt jedoch satte 25.000 Euro.

Für Erhan Kayman würde ein Traum in Erfüllung gehen, sollte er die Trophäe hochstemmen dürfen. Denn das wäre eine weitere Bestätigung für ihn, dass er sich für den richtigen Beruf entschieden hat.

Titelfoto: Screenshot Facebook/Erhan Dr. Erhano Kayman

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