"Eurovision Song Contest" 2019: Morddrohungen und Rassismus gegen zwei Kandidaten

Paris/Tel Aviv - Frankreichs Kandidat für den diesjährigen "Eurovision Song Contest" (ESC) stößt schon vor dem Finale auf viele geteilte Meinungen. Bilal Hassani (19) wird mit dem Song "Roi" (deutsch: "König") in Israel antreten, das steht schon fest. Nach dem nationalen Vorentscheid prasselten allerdings jede Menge Hassbotschaften und sogar Morddrohungen auf den homosexuellen Sänger ein, der sich auf der Bühne als Frau verkleidet. Genau wie Conchita Wurst, die den ESC 2014 gewonnen hatte.

Bilal Hassani (19) tritt für Frankreich beim Eurovision Song Contest 2019 in Israel an.
Bilal Hassani (19) tritt für Frankreich beim Eurovision Song Contest 2019 in Israel an.  © Low Wood/EBU/dpa

Hassani wurde 1999 in Paris geboren. 2015 nahm er bei der Talenteshow "The Voice Kids France" teil, zwei Jahre später schloss er sein Abitur in der Fachrichtung Literatur und Philosophie erfolgreich ab. Auf Instagram folgen ihm über eine halbe Million Menschen.

Gemeinsam mit dem französischen Popduo Madame Monsieur (letztes Jahr mit "Mercy" Platz 13 beim ESC) schrieb der 19-Jährige nun seinen Hit "Roi", mit dem er sich der nationalen Konkurrenz im Vorentscheid stellte. Die Jury wählte ihn zwar nur auf den fünften Platz, doch durch den klaren Sieg in der Telefonabstimmung durch die Zuschauer schnappte sich der junge Mann mit marokkanischen Wurzeln sein Ticket nach Tel Aviv.

Kurz danach hagelte es allerdings nicht nur Lobeshymnen. Bilal erhielt Hassbotschaften, wurde als "Pädophiler", "Araber mit Perücke" und "Schande für Frankreich" beschimpft, erhielt sogar Morddrohungen. "Es stört viele, dass meine Eltern in Marokko geboren wurden und dass ich schwul bin", sagte Hassani in einem Interview. "Ich bin 100 Prozent ich selbst - trotz all der Leute, die mir im Internet sagen, dass ich nicht für Frankreich stehe", gab sich der Conchita-Wurst-Fan kämpferisch.

Bilal Hassani gilt in Frankreich schon länger als Ikone der LGBTQ (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer)-Jugend.

Bilal Hassani verarbeitet sein Leben im Song "Roi"

Italien schickt Alessandro Mahmoud alias Mahmood mit "Soldi" ins Rennen. Der 27-Jährige wurde von einem Politiker und einer Journalistin rassistisch beleidigt.
Italien schickt Alessandro Mahmoud alias Mahmood mit "Soldi" ins Rennen. Der 27-Jährige wurde von einem Politiker und einer Journalistin rassistisch beleidigt.  © Screenshot/Instagram

Der Songtext zu "Roi" ist - wenig überrascht - wie für ihn gemacht.

Darin heißt es zum Beispiel: "Du steckst mich in eine Kiste, möchtest, dass ich so bin, wie du. Ich entspreche nicht der Norm, das stört viele. Am Ende des Tages kannst du mich nicht verändern. Also lass mich fliegen."

Auch Italiens Kandidat Alessandro Mahmoud (27), Künstlername "Mahmood", der mit dem Song "Soldi" das Sanremo-Festival gewann, wurde aufgrund seiner Herkunft beleidigt. "Ein Sieger, der vorher feststand. Er heißt Mohammed, ein Satz auf Arabisch ist im Lied, Ramadan und Shisha gibt's auch, und das Mischlingsleben ist garantiert", sagte Journalistin Maria Giovanna Maglie (66). Und auch Politiker Matteo Salvini (46), Anhänger der fremdenfeindlichen Partei Lega, war mit der Wahl nicht einverstanden.

Frankreich ist neben Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien bereits für die Finalshow am 18. Mai (21 Uhr/ARD) gesetzt. Für Deutschland wird das Duo S!sters antreten (TAG24 berichtete).

In zwei Halbfinals (14. und 16. Mai) kämpfen insgesamt 35 Länder um die Teilnahme am Finale, darunter auch DSDS-Sieger Luca Hänni, der mit "She Got Me" für die Schweiz antritt (TAG24 berichtete).

Das diesjährige Gastgeberland ist Israel, nachdem Netta mit "Toy" 2018 in Portugal gewonnen hatte.

Mit diesem Lied tritt Bilal beim ESC in Israel an:

Mahmood - Soldi

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