Meine Meinung zum ESC 2020: Ben bringt uns endlich wieder aufs Treppchen!

Rotterdam - "Ich finde, wir haben für den ESC einen perfekten Song und ich werde alles für Deutschland geben." Worte eines 22-Jährigen, dessen Namen auch Ihr sicher erst mal googeln musstet: Benjamin "Ben" Dolic vertritt uns im Mai beim diesjährigen "Eurovision Song Contest" in Rotterdam mit seinem modernen Song "Violent Thing" (TAG24 berichtete). Wie kompliziert (und streng geheim) das Auswahlverfahren war, welche Chancen der "The Voice of Germany"-Zweite tatsächlich hat und wie die Reaktion im World Wide Web sind...

Ben Dolic ist unser Act für den "Eurovision Song Contest" 2020 in Rotterdam.
Ben Dolic ist unser Act für den "Eurovision Song Contest" 2020 in Rotterdam.  © NDR/Zlatimir Arakliev

Obwohl oder gerade weil es in diesem Jahr keine "Unser Lied für..."-Show gab, in der die Zuschauer per Telefon für ihren Favorit abstimmen konnten, stiegen Spannung und Spekulationen vor allem in den letzten Tagen exorbitant an. Marie Reim, die Tochter von Michelle und Matthias Reim, Daniel Schuhmacher (DSDS-Sieger 2009) und sogar Helene Fischer wurden gehandelt. Am Ende wurde es ein ganz anderer Act. Einer, den niemand vermutet hatte.

Mit jugendlichem Aussehen, einem akkurat geschnittenen Pony und einer hohen, markanten Stimme hat Ben Dolic 120 ESC-Experten von sich überzeugen können. 20 von ihnen sind echte Profis, die alle schon einmal zur nationalen ESC-Jury ihres Heimatlands gehört haben.

Die restlichen 100 hatten sich beim NDR beworben, sind aber alles Menschen wie Du und ich. Sie hatten die Final-Platzierungen des ESC 2019 am besten vorhergesagt und sich unter 15.000 Bewerbern durchgesetzt.

Unter knapp 600 Songs wurde über mehrere Etappen die Top 10 festgelegt. Am Ende setzte sich der 1997 in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana geborene Ben Dolic, der in Deutschland durch seinen zweiten Platz bei "The Voice of Germany" 2018 bekannt wurde, durch.

Bereits Mitte Dezember 2019 bekam der Wahl-Berliner die Zusage. Seitdem hielten er und alle anderen Mitwisser dicht.

Mit DIESEM Produzenten haben WIR die Top 10 sicher

Der österreichisch-bulgarische Produzent und Songwriter Boris Milanov (r.) schrieb "Violent Thing". In den letzten vier Jahren landeten seine Kompositionen beim ESC immer in den Top 7.
Der österreichisch-bulgarische Produzent und Songwriter Boris Milanov (r.) schrieb "Violent Thing". In den letzten vier Jahren landeten seine Kompositionen beim ESC immer in den Top 7.  © imago images/Stephan Wallocha

Gutes Omen für den 22-Jährigen: In den letzten sieben Jahren gingen die deutschen Songs beim "Eurovision Song Contest" fast durch die Bank weg baden. Immer standen Frauen auf der Bühne. Außer 2018. Da wurde Michael Schulte mit "You Let Me Walk Alone" starker Vierter.

Geschrieben wurde "Violent Thing", in dem es um Liebe auf den ersten Blick geht, von Boris Milanov. Der österreichisch-bulgarische Produzent landete mit seinen komponierten Songs in den letzten vier ESC-Jahren immer in den Top 7, dreimal sogar in den Top 4. Aus der Feder seines Teams entstanden "Beautiful Mess" für Bulgarien, mit dem Kristian Kostov 2017 Zweiter wurde, Österreichs "Nobody But You" (Platz 3, 2018) und Bulgariens "If Love Was A Crime" (Platz 4, 2016).

Auch diesmal ist Milanov von Schützling Ben Dolic überzeugt: "Aus einem guten Song macht er einen Hit. Und ich bin sicher: das wird ein Hit."

Seine "einzigartige und wiedererkennbare Stimme" habe Milanov sofort an Bens musikalische Vorbilder erinnert. "Er muss den Vergleich mit Pop-Giganten wie Justin Timberlake oder Michael Jackson nicht scheuen."

Die Reaktionen aus dem Netz

Der Wahl-Berliner wurde 1997 in Slowenien geboren und in Deutschland durch seinen Zweiten Platz 2018 bei "The Voice of Germany" bekannt.
Der Wahl-Berliner wurde 1997 in Slowenien geboren und in Deutschland durch seinen Zweiten Platz 2018 bei "The Voice of Germany" bekannt.  © NDR/Zlatimir Arakliev

Wir haben uns im Netz umgeschaut und sind auf die Suche nach den ersten Reaktionen gegangen.

Unter dem offiziellen Musikvideo auf YouTube, das erst 15.45 Uhr veröffentlicht wurde und nach der von Barbara Schöneberger moderierten, wenig unterhaltsamen Verkündungs-Show in einem Hamburger Kino (?!) bis Mitternacht auf 275.000 Klicks kam, ist Folgendes zu lesen:

"Deutschland schickt einen guten Song, der tatsächlich modern und nicht hoffnungslos langweilig ist", schrieb eine Userin. Oder: "Oh wow, Deutschland wills wieder mal wissen." Sowie: "Kann es gar nicht fassen nach all den frustrierenden Jahren."

Allerdings bekommt "Violent Thing" nicht nur positive Bewertungen. Bei Facebook war zu lesen: "Ich war noch NIE so schnell genervt von einem deutschen ESC Beitrag", "Was für ein fürchterliches Konzept für die Songauswahl. Ich fürchte es wird ein Platz im letzten Drittel" und "Wir werden wieder letzter. Keine Ahnung wer das wieder verbrochen hat."

Kurios: Deutsche kommentieren und bewerten deutlich negativer als Menschen aus anderen Ländern. Möglich, dass die "Violent Thing"-Hater erneut ein floppendes "Sister", "Perfect Life", "Ghost" oder "Black Smoke" in einer TV-Show ins Finale gevotet hätten, mit dem Deutschland erneut peinlich gescheitert wäre.

Man kann die Heimlichtuerei des NDR in diesem Jahr durchaus kritisch betrachten. Abgerechnet wird am 16. Mai (21 Uhr/ARD), wenn Ben Dolic mit einer hoffentlich guten Live-Performance vor den Augen und Ohren von über 200 Millionen Menschen im niederländischen Rotterdam auf der Bühne steht. Die Wettanbieter sehen Ben (bei einigen noch ausstehenden Veröffentlichungen anderer Länder) schon in den Top 10.

Meine Meinung: Mit "Violent Thing" schnuppert Deutschland erstmals seit Lenas "Satellite" 2010 wieder am ESC-Sieg!

TAG24-Redakteur Nico Zeißler.
TAG24-Redakteur Nico Zeißler.  © privat

Offizielles Musikvideo | Ben Dolic - Violent Thing

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