Ex-Vorsitzende Hermenau rechnet mit ihren Grünen ab

Von Torsten Hilscher

Dresden - Antje Hermenau (51) war Sachsens Vorzeige-Grüne. Sie gründete nicht nur den Landesverband mit, sondern fuhr zwei Jahrzehnte lang Wahlwerte ein, die sächsische Plätze im Landtag und im Bundestag sicherten.

Bis sie nach „bösem Mobbing“ vor einem Jahr alle politischen Ämter hinwarf. Im Januar verließ sie die Partei ganz. MOPO traf sie zum Gespräch.

Ante Hermenau im Gespräch mit MOPO24-Redakteur Torsten Hilscher.
Ante Hermenau im Gespräch mit MOPO24-Redakteur Torsten Hilscher.

MOPO24: Zwei der neuen Dresdner Bürgermeister kommen aus den Reihen der Grünen. Gut, oder?

Hermenau: Meine letzten Diskussionen im Grünen-Kreisverband 2014 drehten sich um das Thema. Damals ging es darum, dass man eine neue Politik in dieser Stadt machen wollte. Was ich jetzt wahrnehme, ist, dass es offenbar nur um Posten geht. Von Inhalten ist nicht mehr die Rede. Das verwundert mich.

MOPO24: Inwiefern?

Hermenau: Dass öffentlich argumentiert wird von den Grünen, man wolle fachlich hochwertig besetzen - was ich gut finde. Dann aber sagt „Wir brauchen auch verdiente Politiker“ wie zum Beispiel die Landtagsabgeordnete Eva Jähnigen, auf der anderen Seite jemanden wie Fraktions-Chef Thomas Löser düpiert. Das verstehe ich nicht.

MOPO24: Aber die Stadtpartei stimmte gegen ihn als Baubürgermeister.

Hermenau: Entweder entscheidet man sich für eine politische Besetzung. Andere Parteien machen das auch. Das ist legitim. Oder man sagt: Fachleute. Aber so ein Mischmasch hinterlässt natürlich tiefe Verwundungen, und das halte ich nicht für schlau. Im Prinzip haben die Grünen in Dresden ihren auch über Parteigrenzen anerkannten Fraktions-Chef mächtig düpiert. Das mindert politische Akzeptanz.

Antje Hermenau (51) ist bei den Grünen ausgetreten.
Antje Hermenau (51) ist bei den Grünen ausgetreten.

MOPO24: Was spricht gegen Frau Jähnigen als Bürgermeisterin für Umwelt- und Kommunalwirtschaft?

Hermenau: Ich habe nichts gegen sie. Aber: Will man fachlich, also mit Verwaltungserfahrung besetzen, oder will man politisch besetzen. Beides ist legitim. Nur nicht diese Mischmasch-Variante. Das wirkt wie zweierlei Maß.

MOPO24: Was sagen Sie zu Rot-Grün-Rot-Orange im Rathaus?

Hermenau: Mir fällt auf, dass inhaltlich die großen Würfe nicht kommen, von denen gesprochen wurde. Die Wirtschaft in Dresden hat schon - aus reiner Notwehr - eine Selbsthilfe gegründet, um mal über die wirtschaftliche Entwicklung nachzudenken.

MOPO24: Wie hätten Sie’s gern?

Hermenau: Mir fehlen die strategischen Perspektiven. Stattdessen gibt es lautstarke vereinzelte Auseinandersetzungen mit einzelnen Investorinnen. Das ist schon verquer. Meine These: Das Bündnis hält so lange, bis die Bürgermeisterposten vergeben sind.

Fotos: Steffen Füssel


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