Schräges Experiment für die Raumfahrt: Menschen liegen 60 Tage kopfüber

Köln - So ein Experiment hat es bislang noch nicht gegeben: 24 Menschen werden im Kölner Forschungszentrum "Envihab" insgesamt 60 Tage kopfüber in Betten liegen. Dabei sollen sie die gleichen Auswirkungen wie Astronauten erfahren und mögliche Hilfsmittel dagegen testen. Sie werden Muskel- und Knochenmasse verlieren.

Die Betten der Probanden sind um 6 Grad geneigt. Sie liegen also kopfüber.
Die Betten der Probanden sind um 6 Grad geneigt. Sie liegen also kopfüber.  © DLR CC-BY 3.0

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) startet am 25. März 2019 gemeinsam mit der europäischen Weltraumorganisation ESA und der amerikanischen Weltraumbehörde NASA das Großexperiment.

Die 24 Probanden, zwölf Frauen und zwölf Männer, müssen insgesamt 60 Tage in einem Bett liegen und leben. Und die Betten sind zum Kopf hin um sechs Grad abgesenkt!

So wird die Verlagerung der Körperflüssigkeiten wie bei den Astronauten in der Schwerelosigkeit simuliert.

Dazu kommt: In ihren Bewegungen sind die Probanden eingeschränkt, sodass sich die Beanspruchung von Muskeln, Sehnen und Skelett zusätzlich reduziert.

Alle Aktivitäten der Versuchskandidaten werden über 60 Tage lang in den kopfüber abgesenkten Betten stattfinden. Insgesamt dauert das Experiment mit Vor- und Nachbereitung 89 Tage. Der Versuch mit den 24 Teilnehmern wird in zwei Staffeln durchgeführt.

Harter Versuch soll Weltraum-Missionen erleichtern

In der DLR-Zentrifuge spüren die Kandidaten die Gravitation und sollen so Muskeln trainieren.
In der DLR-Zentrifuge spüren die Kandidaten die Gravitation und sollen so Muskeln trainieren.  © DLR CC-BY 3.0

Das Envihab-Forschungszentrum beim DLR in Köln sei nach eigenen Angaben optimal für das Projekt ausgerüstet. Ein MRT ist zur Kontrolle vorhanden, eine Kurzarm-Zentrifuge soll ebenfalls eingesetzt werden.

"Weltweit erstmalig bei einer Langzeit-Bettruhestudie setzen wir mit Fahrten auf einer Zentrifuge künstlich erzeugte Schwerkraft ein, um zu testen, inwieweit sie sich als Präventions- und Gegenmaßnahme zu den physiologischen Veränderungen unter Schwerelosigkeit eignet", so Professor Jens Jordan, Leiter des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin, vorab.

Den Kopfüber-Probanden stehen laut DLR anstrengende Wochen bevor. Denn ohne Gravitation bilden sich Muskeln und Knochen stark zurück, Körperflüssigkeiten verschieben sich in die obere Körperhälfte und das ganze Herz-Kreislauf-System wird leistungsschwächer. Gleiches erfahren die Menschen in den Betten.

Ausführliche Tests und Untersuchungen sollen die Auswirkungen exakt aufzeigen und mögliche Lösungen für Astronauten im All bringen.

Die Ergebnisse könnten dabei helfen, bemannte Missionen zum Mond oder Mars langfristig möglich zu machen.

Übrigens: Während die ersten Probanden am 25. März einziehen, werden für die zweite Phase im September noch Versuchsteilnehmer gesucht. Sie erhalten für die 89-Tage im Kölner Envihab-Labor insgesamt 15.500 Euro.

Die Versuche sollen perspektivisch helfen, Langzeit-Reisen ins All ermöglichen.
Die Versuche sollen perspektivisch helfen, Langzeit-Reisen ins All ermöglichen.  © DPA

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