Experte: Verurteilter Doppelmörder Söring muss erst wieder lernen zu "leben"

Frankfurt am Main - Nach mehr als 33 Jahren im Gefängnis muss Jens Söring nach Ansicht eines Kriminologen mit dem Leben in der Freiheit erst einmal zurechtkommen.

Der 53-Jährige saß 33 Jahre in den USA im Knast (Symbolfoto).
Der 53-Jährige saß 33 Jahre in den USA im Knast (Symbolfoto).  © Steve Helber/AP/dpa

"Er muss nicht resozialisiert werden, sondern sozialisiert werden. Er muss Lebenstechniken und Verhaltensweisen lernen, um in dieser Gesellschaft draußen zu überleben", sagte der Autor und Sozialwissenschaftler Bernd Maelicke der Deutschen Presse-Agentur.

"Das ist wie bei einem kleinen Kind - zu lernen, wie ist das mit den Verkehrsregeln, mit dem Internet, mit Smartphones funktioniert." Er rate Söring, sich dafür die Hilfe eines Coachs zu suchen.

Der in den USA wegen Doppelmordes verurteilte Deutsche Söring wird am Dienstagmittag am Frankfurter Flughafen erwartet. Das zuständige US-Gremium hatte entschieden, den 53-Jährigen auf Bewährung freizulassen und abzuschieben. In Deutschland ist Söring ein freier Mann.

In die USA darf er nie wieder einreisen. Wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin war er zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte die Morde zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen. Er beteuert bis heute seine Unschuld.

Den jahrzehntelangen Aufenthalt im US-Gefängnis müsse Söring erst einmal verarbeiten, sagt Maelicke, der auch Gründungsdirektor des Deutschen Instituts für Sozialwirtschaft ist. "Das ist mit der schlimmste Knast, den man sich vorstellen kann, da ist Gewalt, da sind Drogen, das sind Vergewaltigungen."

Mit diesen Erfahrungen und diesen Eindrücken müsse er ein Leben lang leben – sowohl körperlich als auch psychisch. Aber dass sich Söring in solch einem Umfeld nicht habe unterkriegen lasse, zeuge von dessen Stärke.

Titelfoto: Steve Helber/AP/dpa

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