Experten warnen: Immer mehr Kinder mediensüchtig

Schon in jungen Jahren lernen die Kinder von heute den Umgang mit dem Tablet. (Symbolbild)
Schon in jungen Jahren lernen die Kinder von heute den Umgang mit dem Tablet. (Symbolbild)  © 123RF

Minden - Erschreckend: Mediensüchtige Kinder werden immer jünger! Den jüngsten Betroffenen, den Armin Pampel, der ärztliche Leiter des sozialpädiatrischen Zentrums in Minden je hatte, war gerade einmal sechs Monate alt und schon ein Profi am Smartphone. Kein Einzelfall in Deutschland.

Bei Kindern beginnt die Mediennutzung mittlerweile sehr früh. Als Folge wischen Kleinkinder mit ihren Fingern dann über die Seiten von Bilderbüchern, als sei es ein Smartphone.

Dabei kann der Medienkonsum in jungen Jahren gravierende Folgen für die Heranwachsenden haben. Viele Kinder erleiden kognitive Störungen, werden unruhig, unausgeglichen und bekommen eine schlechtere emotionale Regulierung.

Dabei führt oftmals schon der Fernsehverzicht dazu, dass sie einen riesigen Entwicklungsschritt machen.

In der Grundschule sind Handys und Tablets mittlerweile keine Seltenheit mehr. (Symbolbild)
In der Grundschule sind Handys und Tablets mittlerweile keine Seltenheit mehr. (Symbolbild)  © 123RF

Seit fast 12 Jahren beobachtet der Diplom-Pädagogen Eberhard Freitag, dass die Kinder immer abhängiger von den neuen Medien werden, weswegen er im Jahre 2008 eine Fachstelle zur Mediensucht in Hannover gründete. Hier soll den Patienten geholfen werden, die Sucht loszuwerden.

Seiner Meinung nach sei es Sinnvoll, wenn Kinder erst im Alter von 13, 14 Jahren ein Smartphone bekommen und Eltern die Nutzung des Handys an den Reifegrad ihres Kindes anpassen würden.

Im sozialpädiatrischem Zentrum in Minden hingegen wird jeden Tag aufs Neue deutlich, welche Folgen der starke Medienkonsum für die lieben Kleinen hat, denn alleine schon abendliches Fernsehen hat Einfluss auf das Schlafverhalten des Kindes.

Denn "Kinder haben keine Distanz zu den Bildern, die sie sehen. Sie müssen sie sehen", erklärte Pimpel gegenüber der Neuen Westfälischen und fuhr fort: "Beim Vorlesen dagegen können sie sich selber vorstellen, wie die Hexe aussieht oder sie auch ausblenden."

Während Jungs eher ihre Zeit mit Computerspielen verbringen würden, hängen Mädchen vermehrt in sozialen Netzwerken ab.

Dabei ist es wichtig, dass Eltern ihren Kindern Entfaltungsmöglichkeiten in der realen Welt bieten. "Kinder wollen an Grenzen kommen, sich beweisen können, echte Helden sein, auch mal scheitern dürfen. Wenn sie das in der realen Welt tun können, sind sie weniger anfällig für virtuelle Missionen", erklärte Pampel.

Titelfoto: 123RF


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