Mit diesen Experten-Tipps wird das Schuljahr ein Kinderspiel

Sachsen - Der Schulanfang ist nicht nur für Kinder aufregend. Viele Eltern wollen ihren ABC-Schützen und schulpflichtigen Teenagern „Rückenwind“ geben, damit der Start gelingt und alle gesund, gelassen und erfolgreich durchs Jahr kommen. Wie geht das am besten? Veit Rößner (41) hat Tipps parat. Er ist Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Dresdner Uniklinikum.

Schulweg üben!

Veit Rößner (41), Direktor der Kinderund Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Dresdner Uniklinikum.
Veit Rößner (41), Direktor der Kinderund Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Dresdner Uniklinikum.

Für Grundschüler ist es eine gewinnbringende Erfahrung, ihren Schulweg ohne Elternbegleitung zu meistern. Wann das Kind allein gehen kann, hängt davon ab, wie selbstständig, sicher oder verträumt es ist. Der Schulweg sollte sicher sein und unübersichtliche, stark befahrene Straßen meiden. Optimal ist, wenn die ABC-Schützen mit anderen Kindern laufen. Die Eltern könnten das organisieren und überprüfen. Der Schulweg muss geübt werden und zu Fuß in 30 Minuten zu schaffen sein. ÖPNV maximal 45 Minuten.

Druck dosieren!

Wie viel Kontrolle und Druck ein Kind/Jugendlicher benötigt, hängt stark von der Persönlichkeit des Kindes und den Lebensumständen ab. Allgemeingültige Ratschläge kann man nicht aussprechen. Zudem reagieren Kinder äußerst unterschiedlich auf Kontrolle und Druck. Hier sind Eltern die Experten, weil sie ihre Kinder am besten kennen. Bei aller Pflicht und Arbeit sollte man nicht vergessen, dass gerade im Jugendalter noch genügend Zeit für die Persönlichkeitsentwicklung bleibt.

Fester Tagesablauf!

Ein regelmäßiger Tagesablauf erleichtert Erstklässlern das Ankommen im Schulbetrieb. Am Nachmittag sollte ausreichend Zeit sein, damit das Kind von seinen ersten Erlebnissen erzählen kann. Zeit im gewohnten Umfeld vermittelt den Kindern im neuen Alltag Geborgenheit. Phrasen wie: „Du musst jetzt zur Schule…“ sollten vermieden werden. Besser ist: „Endlich darfst du…“.

Spielen nicht vergessen!

Für Kinder im Grundschulalter sollte in der Regel das tägliche Maß an Hausaufgaben als „Paukzeit“ ausreichen. Ansonsten sollten Eltern ihrem Bauchgefühl vertrauen und im Zweifel das Gespräch mit dem Lehrer suchen. Das freie Spiel kommt heute bei Grundschülern oft zu kurz. Schuld sind vor allem die durchorganisierten Freizeitaktivitäten der Kleinen. Mein Rat an Eltern: Investiert persönlich lieber in Zeit mit den Kinder als in Kurse oder Beschäftigungen.

Wenn nötig fördern!

Umfang und Notwendigkeit richten sich nach dem Schulkonzept, der Persönlichkeit, Reife und dem Leistungsvermögen des Kindes. Erstklässler tut es gut, wenn sie nicht ständig an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gehen müssen und dafür einen hohen Aufwand betreiben. Kinder mit großen Lernschwierigkeiten, Lernbehinderungen oder Handicaps brauchen einen sorgfältig entwickelten Förderplan oder eine spezielle Lernförderschule.

Ordnung hilft

Eine gewisse Ordnung der Arbeitsmittel ist von Anfang an sinnvoll. Das fördert die Selbstorganisation des Kindes, gibt ihm Sicherheit. Aufgaben wie das Aufräumen der Brotdose, das selbstständige Beginnen der Hausaufgaben oder das Ranzenpacken können Erstklässler meistern. Kinder, die so an einen regelmäßigen Arbeitsstil herangeführt werden, profitieren davon.

Viel schlafen!

Ausreichender Schlaf ist entscheidend für den Schulerfolg. Neue Studien verdeutlichen, dass zwei Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu wenig schlafen - weniger als sieben Stunden pro Tag. Empfohlen werden acht Stunden. Infolge des Schlafmangels fühlen sich die Heranwachsenden morgens unausgeruht und nicht voll leistungsfähig. Sogar psychische Probleme und Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen können ihre Ursache im Schlafmangel haben.

Wenig glotzen!

Wie viel Zeit Kinder vorm PC, Fernseher oder im Internet verbringen sollten, lässt sich allgemeingültig schwer sagen. Ich plädiere dafür, dass Jugendliche zwei Stunden pro Tag nicht regelmäßig überschreiten. Hier ist weniger oft mehr. Für Schulbelange reicht meist eine Stunde täglich. Kinder, die regelmäßig mehr Zeit für diese Medien verwenden, vernachlässigen im Alltag Freunde und Hobbies. Das stört die Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Langfristig kostet es sie Zufriedenheit durch Lebenskompetenz.

Fotos: Andreas Weihs, Kerstin Kummer, imago


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