Explosion an Hamburger S-Bahnhof: War es versuchter Mord?

Hamburg - Im Prozess um eine gefährliche Böllerexplosion auf dem Hamburger S-Bahnhof Veddel im Dezember 2017 sollen noch am Mittwoch die Plädoyers gehalten werden.

Der Angeklagte (links) und sein Anwalt sitzen in einem Sitzungssaal des Strafjustizgebäudes.
Der Angeklagte (links) und sein Anwalt sitzen in einem Sitzungssaal des Strafjustizgebäudes.  © DPA

Es sei allerdings auch möglich, dass der Verteidiger zunächst noch weitere Beweisanträge stelle, sagte ein Gerichtssprecher.

Der 52 Jahre alte Angeklagte soll am 17. Dezember vergangenen Jahres eine Plastiktüte mit 73 Schrauben und zwei pyrotechnischen Sprengkörpern auf dem Bahnsteig abgestellt und nach dem Einfahren einer S-Bahn gezündet haben.

Der Feuerball verfehlte einen Passanten nur knapp. Ein Fahrgast im Türbereich der S-Bahn erlitt ein Knalltrauma. Die Scheibe eines Windschutzes ging zu Bruch (TAG24 berichtete).

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 52-Jährigen ohne festen Wohnsitz versuchten Mord vor. Zur Last gelegt werden ihm außerdem das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung. Zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte eingeräumt, zwei Polenböller gezündet zu haben (TAG24 berichtete).

"Es stimmt, dass ich die beiden Polenböller auf dem S-Bahnsteig Veddel gezündet habe", sagte der 52-Jährige in einer Erklärung, die sein Verteidiger vor der Strafkammer am Landgericht verlas.

Er habe aber niemanden verletzten wollen, ließ er über seinen Anwalt erklären. Im Prozess ging es auch um die Frage, ob der 52-Jährige Kontakt zur rechtsextremistischen Szene hatte.

Update, 14.52 Uhr: Staatsanwaltschaft fordert acht Jahre Haft

Im Prozess am Mittwoch hat die Staatsanwältin eine Haftstrafe von acht Jahren gefordert.

Der 52 Jahre alte Angeklagte habe sich des Mordversuchs in vier Fällen sowie des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, der gefährlichen Körperverletzung und der Sachbeschädigung schuldig gemacht, sagte die Anklagevertreterin am Mittwoch vor der Strafkammer am Landgericht.

Der Verteidiger sprach sich für eine Freiheitsstrafe von unter zwei Jahren aus. Er sah keinen Beleg für einen Tötungsvorsatz.

Polizisten sperren nach der Explosion einen Bahnsteig zum S-Bahnhof Veddel ab.
Polizisten sperren nach der Explosion einen Bahnsteig zum S-Bahnhof Veddel ab.  © DPA

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